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Neue Brücke schiebt sich über die Spree

Der Kran hat die Brücke am Haken. Auf der anderen Seite sorgen Hydraulikpressen für die notwendige Vorwärtsbewegung der 350 Tonnen schweren Brücke. Ihre Vorgängerin war vor knapp einem Jahr rückgebaut worden.
Der Kran hat die Brücke am Haken. Auf der anderen Seite sorgen Hydraulikpressen für die notwendige Vorwärtsbewegung der 350 Tonnen schweren Brücke. Ihre Vorgängerin war vor knapp einem Jahr rückgebaut worden. FOTO: Regina Weiß
Uhyst. Die Hydraulikpressen leisten im Stillen ganze Arbeit. Zu hören ist nichts. Doch es ist zu sehen, wie die Brücke gleitet. "In einem Schub schaffen wir 20 Zentimeter", sagt Jörg Bergner. Regina Weiß

Mit seinem Kollegen ist er aus Pöhl bei Plauen angereist, um die Brücke mit in Bewegung zu setzen. Gemeinsam mit Uwe Sobiella von der Stahl- und Brückenbau Niesky GmbH haben sie die Funkgeräte sprechbereit, um das Ganze zu koordinieren. Läuft es wie geschmiert? "Ja", sagt Sobiella. "Ist ja auch geschmiert", lacht er. Und schickt hinterher, dass er guter Hoffnung ist, dass das mit der Brücke gut klappen wird. Werde das Tempo beibehalten, dann würden sechs Meter in der Stunde geschafft und so nähere sich die Brücke immer mehr der anderen Spreeseite. Mehr als 30 Mitarbeiter unterschiedlichster Firmen haben am Mittwoch auf der Bahnbaustelle in Uhyst zu tun, um den Einschub der Brücke zu begleiten. Zuschauer sind noch mehr da. Da warten die Steppkes aus der Kita Uhyst ganz aufgeregt, wann es denn endlich losgeht. Einen Steinwurf weiter auf dem Spreedamm nehmen ältere Herren das Geschehen ungleich gelassener. Alle sind ehemalige Stahlbauer. Die wollen nun sehen, ob ihre Nachfolger gute Arbeit leisten, bestätigen sie der RUNDSCHAU lachend.

Nachdem die Brücke schon am Morgen um acht Meter weiter gen Spree geschoben wurde, greift nun auch ein Kran ein. Er kann bis zu 500 Tonnen heben, in Uhyst muss er nur die Hälfte des Brückengewichts halten. "Kein Kinderspiel", sagt Kranführer Ralf Rudisch. Da kommt es den Bauleuten am Mittwoch gar nicht recht, dass Petrus für starke Windböen sorgt. Schließlich ist der Zeitplan eng gestrickt. Der Kran kann keinen weiteren Tag am Ufer in Uhyst stehen bleiben.

Ambitioniert ist auch der Zeitplan auf der Strecke zwischen Knappenrode bis kurz vor Niesky. "Ende August soll das erste durchgängig befahrbare Gleis hier liegen. Ab September wird neben den Bauzügen auch der Waggonbau Niesky über diese Strecke bedient", kündigt Bahn-Projektleiter Ulrich Mölke von der Deutschen Bahn AG an. Zwischen Niesky und Horka soll zu diesem Zeitpunkt der Bahnbau starten und das geht natürlich am Besten ohne Bahnverkehr. 55 Millionen Euro werden in diesen Abschnitt investiert. 120 Millionen sind es in den zwischen Knappenrode und Niesky. Insgesamt kostet der Ausbau der Niederschlesischen Magistrale 520 Millionen Euro. Ab Dezember 2018 sollen auf zwei elektrifizierten Gleisen die Güter- und Personenzüge rollen.

So auch über die neue Spreebrücke. Seit Herbst letzten Jahres wurden deren Teile beim Stahlbau Niesky gefertigt. Ende Februar begann die Montage gleich neben der Spree. Dass das Brückenbauwerk wie ein Kunstwerk von Christo eingehüllt wurde, war wegen der Schweiß- und der Korrosionsschutzarbeiten notwendig, erklärt Bauleiter Robert Unger. Aus vier Einzelteilen wurde die 40,50 Meter lange Brücke zusammengefügt. Diese landete gestern Punkt 15 Uhr auf der anderen Spreeseite. Es sei ein perfekter Verschub gewesen, hieß es auf der Baustelle.

Dort wird übrigens am 9. Juni gefeiert. Im Rahmen der 675-Jahr-Feier von Uhyst gibt es eine richtige Brückenweihe. Um 12 Uhr geht diese los.