Von Regina Weiß

Klein und fein – das passt Freitagabend gleich im doppelten Sinn. So lässt sich die Ausstellung von Judith Wetzka aus Heidelberg kurz zusammenfassen. Gleiches trifft aber auch auf die Eröffnung der Ausstellung zu. Diese ist übrigens Weltpremiere und Auftakt in einem, stellt Schleifes Pfarrerin Jadwiga Mahling bei ihrer Eröffnungsrede fest. Denn zwischen den Fresken aus der vorreformatorischen Zeit und den Schnitzereien, die ebenfalls schon Jahrhunderte das Aussehen der Schleifer Kirche prägen, ist nun erstmals zeitgenössisches Kunst in der Kirche zu sehen. Diese Schau ist gleichzeitig der Start für den ersten Schleifer Kirchen-Kultur-Sommer. Dieser hält neben Malerei auch Musik und Sommerkino parat.

Apropos Musik, die gibt es auch Freitagabend schon. Eleni Kourotzis von der Musikschule Dreiländereck umrahmt mit Stücken auf der Querflöte.

Pfarrerin Jadwiga Mahling ist total überzeugt davon, dass die Malereien eine Bereicherung für die Kirche sind. „Sehen Sie sich doch nur hier das Pult an. Man sieht es doch gleich anders an, wo jetzt das Bild daneben steht.“ Überhaupt findet sie, das Kirche heutzutage viel zu wenig in Kunst investiert. „Dabei waren die Fresken, als sie damals hier entstanden sind, auch modern.“

Dabei sind Kunst und Religion Geschwister, bedient sich Mahling eines bekannten Ausspruchs. Beide wollen auf ihre Weise dahinter schauen, was sozusagen hinter den Dingen steckt.

Persönliche Kontakte führen Judith Wetzka, die in Heidelberg arbeitet, nach Schleife. Bei ihrem ersten Besuch hatte sie ein Bild mit. Es kam die Idee auf, es im Gottesdienst zu zeigen. Doch daraus wurde nichts. Dafür stand plötzlich die Idee im Raum, eine Ausstellung zu machen. Mit der Vorbereitung war es dann nicht so schnell getan. Fast ein Jahr hat es gedauert, bis alles fest war. Gearbeitet an der Präsentation wurde dann noch bis Freitag. Zu sehen sind Arbeiten aus den letzten zehn Jahren. Gezeigt werden sie im Altarraum, im Kirchenschiff und im Turmraum. „Sehr schön“, lautet das Fazit von Eröffnungsbesuchern.

„Es ist ein sehr besonderer Ort“, findet die Künstlerin. Sie hat jüdische Studien und Philosophie in Heidelberg, Tel Aviv und Jerusalem studiert. Seit 2008 beschäftigt sie sich verstärkt mit Zeichnung und Fotografie. So hat sie sich mit den Synagogen in Süddeutschland beschäftigt und ein Fotobuch dazu gemacht. In Schleife zeigt sie Porträts, Detailmalereien oder Pflanzenbilder. Das Motiv zu Letzterem hat meist am Wegesrand gestanden. „Die Malerei bleibt aber hinter der Natur zurück“, nimmt sich die Künstlerin zurück. Bis in den August sind ihre Arbeiten in Schleife zu sehen. Und das im Rahmen des offenen Gotteshauses.

Dass dieses nun auch Ausstellungsdomizil ist, müsse sich rumsprechen. Doch das sei auch anderswo gelungen, wird an die Anfänge der Ausstellungen im Sorbischen Kulturzentrum gedacht. Sie seien quasi jetzt ein Selbstläufer.

Ob das auch auf den Kirchen-Kultur-Sommer zutrifft, bleibt abzuwarten. Jadwiga Mahling sieht das ganz pragmatisch: „Das Ganze ist ein Experiment.“