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Neu-Mühlrose soll in Schleife sein

Trebendorf. Es hat den Anschein, als ließen die Mühlroser in dieser Sache nicht mit sich reden. Sie haben sich einmal für die Umsiedlung nach Schleife entschieden, und dabei sollte es auch bleiben. Gabi Nitsche

Das ist der Wille der meisten Einwohner in dem 200-Seelen-Ort. Bei einer Befragung, die jetzt der Beirat Umsiedlung noch einmal durchführte, habe sich das bestätigt. 78 Prozent hätten sich für den Gruppenstandort Schleife ausgesprochen.

Indes würde die Leag kräftig die Werbetrommel für die Ansiedlung von Neu-Mühlrose in Trebendorf rühren. Als es kürzlich in einer nicht öffentlichen Informationsveranstaltung um dieses Thema ging, berichtete Ortschaftsratsmitglied Enrico Kliemann, empfanden das die Mühlroser mehr als Werbeveranstaltung. Ein von der Leag beauftragter Planer habe die Vorzüge der Fläche in Trebendorf wie sauer Bier angepriesen, auf der anderen Seite die Genehmigungsfähigkeit für den Standort am Rande von Schleife als Problem dargestellt. Für die Mühlroser unverständlich, nachdem die vergangenen Jahre alles klar schien.

Ortsvorsteher Waldemar Locke brachte es am Mittwochabend in der Gemeinderatssitzung in Trebendorf auf den Punkt: "Wir haben genug Gehirnschmalz in den letzten Jahren in die Vorbereitung der Umsiedlung nach Schleife gesteckt." Jetzt plötzlich solle sich die Fläche nicht mehr eignen, soll ein Niedermoorgebiet sein. Für Locke steht fest: "So kann man mit den Menschen nicht umgehen. Vor allem nicht mit den Älteren." Von Holger Freymann, den Kreisentwickler im Landkreis Görlitz, erhoffen sie sich Klarheit, was den auserkorenen Wohnort in Schleife angeht. Sie haben ihn in den Ortschaftsrat eingeladen. Die Mühlroser sind bereit, um Schleife zu kämpfen.

Enttäuscht zeigte sich Ortschaftsrat Peter Krause nicht nur vom angeschlagenen Ton der Leag-Vertreter, sondern auch von Bürgermeisterin Kerstin Antonius (WV). Er habe von ihr erwartet, dass sie den Menschen im Ortsteil Mühlrose Rückendeckung gebe. Aber sie habe gesagt, sie sollten nach Trebendorf kommen.

Die Gemeindechefin widersprach dem. Es sei natürlich die Entscheidung der Mühlroser, aber sie seien in Trebendorf willkommen, und nur das wolle sie betonen.

Für Ratsmitglied Tilo Niemz sei das "Ringen" um die Mühlroser ein Zeichen, "wie fahrlässig mit dem Gut Umsiedler umgegangen wird". Nach seiner Meinung würden die Mühlroser in die Gemeinde und nach Trebendorf gehören. Schleife sei damals nur ins Spiel gekommen, weil in Trebendorf kein Platz mehr war, sollte doch Klein-Trebendorf die vorhandenen Bauflächen füllen. Tilo Niemz kritisierte heftig, dass über die Köpfe der Gemeinderäte ein Plan für den Umzug von Mühlrose nach Trebendorf gemacht werde. Kerstin Antonius versicherte, dass sie genauso überrascht worden sei, dass es einzig ein Vorschlag der Leag sei.

Indes hat Jörg Funda, stellvertretender Bürgermeister in Schleife, den Mühlrosern versichert, als aufnehmende Gemeinde nach wie vor bereit zu sein. Die Unterstützung, die Mühlrose braucht, erhalte der Ort von Schleife.

Wie es in dem emotional geladenen Spannungsfeld nun weitergeht, das hängt von den Informationen ab, die sich die Mühlroser zeitnah einfordern. Sie wollen eine sozialverträgliche Umsiedlung, und das so schnell wie möglich.

Zum Thema:
Weil die Leag ihr Revierkonzept auf den Kopf gestellt hat und vom Tagebau Nochten II nur noch das Sonderfeld Mühlrose ausgekohlt werden soll, muss lediglich dieser Trebendorfer Ortsteil umsiedeln. Von 1700 Menschen in fünf Dörfern haben nur noch etwa 200 in Mühlrose den Umsiedlerstatus. Leag vertritt die Auffassung, dass dem Rechnung getragen werden müsse, was den Umsiedlungsstandort für diese angeht.