Eva-Maria Bergmann, die Leiterin des Raschkehauses am Zinzendorfplatz in Niesky, war selbst erstaunt, „wie lange noch Ruinen in der Stadt zu sehen waren“. Damit spielt sie auf den Ausgang des Zweiten Weltkrieges an, der für die heutige Große Kreisstadt erhebliche Folgen hatte. Etwa 100 Wohnhäuser, öffentliche Bauten und Industrieanlagen waren vernichtet oder schwer beschädigt worden.

Im Stadtmuseum Niesky wird eine Sonderausstellung eröffnet

Wie diese geschlossen wurden, das kann man anhand der neuen Sonderausstellung, die am Freitag, 14. Februar, um 17 Uhr im Stadtmuseum eröffnet wird, nachvollziehen. „Momentaufnahmen“ heißt ihr Titel. Mit diesen Bildern können die Menschen in die jeweiligen Kapitel der Stadtgeschichte eintauchen. Vor allem jüngeren Generationen dürfte sich damit ein ganz anderes Bild vermitteln lassen...

„Die Idee hat schon lange geschlummert“, gibt Eva-Maria Bergmann zu. Mit dazu beigetragen haben die regelmäßigen Beratungen der aktiven AG Stadtgeschichte und schließlich der Fundus an historischen Bildern. Dass dieser gewachsen ist, dazu hat nicht nur der Geschichtskreis, sondern auch so mancher Nieskyer mit seinem privaten Fotoalbum beigetragen.

Nieskyer zeigten einen starken Willen zum Wiederaufbau

Mit Blick auf die Ruinen im Stadtbild krempelten die Nieskyer die Arme hoch und beräumten die Trümmer. „Trotz zahlreicher Entbehrungen vereinte die Nieskyer der Starke Wille zum Wiederaufbau“, heißt es in der Einladung zur Ausstellungseröffnung. So ging in der zweiten Hälfte der 50er-Jahre der Wiederaufbau zügig voran. Am 7. Oktober 1959, anlässlich des zehnten Jahrestages der DDR, fand die feierliche Schlüsselübergabe der ersten neuen Wohnblocks am Zinzendorfplatz/Ecke Poststraße statt. Stolz sei man damals auf die Läden im Erdgeschoss gewesen.

Da die Lösung der Wohnungsnot allein durch den stattlichen Wohnungsbau aussichtslos war, hatte sich in der damaligen Kreisstadt eine Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft (AWG) gegründet. So entstanden im Stadtgebiet in den 1960er-Jahren eine große Anzahl an AWG-Bauten.

Niesky macht mit Experimentalbauten von sich reden

In den 1970er-Jahren erregten Nieskyer Bauleute und Ingenieure mit ihren Experimentalbauten republikweit große Aufmerksamkeit. Aus vorgefertigten Raumzellen entstanden eine Reihe von Wohn- und Sozialbauten. Allerdings stand das Wohnungsproblem noch bis Ende der 80er-Jahre, erinnert das Museum. 1989 fehlten in Niesky noch 250 Wohnungen. Für den Bau der Wohnblöcke mussten viele vorhandene alte Häuser weichen. Das alles ist anhand der Momentaufnahmen festgehalten.

Die Ausstellung im Raschkehaus ist Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Sonntag von 14 bis 17 Uhr zu sehen.