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Naturschützer der Grünen Liga wandern durch den Tiergarten Weißwasser

Die Umweltschützer wanderten im strömenden Regen über 15 Kilometer zum Weißwasseraner Tiergarten. Foto: T. Richter/trt1
Die Umweltschützer wanderten im strömenden Regen über 15 Kilometer zum Weißwasseraner Tiergarten. Foto: T. Richter/trt1 FOTO: T. Richter/trt1
Schleife/Rohne. Gut 30 Naturschützer haben am Sonnabend den Trebendorfer Tiergarten während einer Wanderung erkundet. Die zumeist jungen Leute der Grünen Liga wollten sich vom fortschreitenden Tagebau und der damit einhergehenden Zerstörung des früheren Naturschutzgebietes selbst ein Bild machen. Die meisten zeigten sich schockiert. trt1

"Es ist doch einfach irre, dass dieses wertvolle Stückchen Erde verschwinden wird. Einfach so. Mir tut es am meisten für die gewaltigen Tiergarten-Eichen leid. Sie haben vier Jahrhunderte überdauert und sollen demnächst gerodet werden", erklärt Karin Weitze von der Attac-Gruppe Cottbus. Der jungen Frau steht nach der 15-Kilometer-Tour von Schleife über den Tiergarten bis nach Rohne die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben, ebenso die Wut: "Das kann doch alles nicht wahr sein." Umweltschützerin Cornelia Reetz aus Berlin glaubt trotz der bereits vollzogenen Zerstörungen im einstigen Naturschutzgebiet südwestlich von Weißwasser in Richtung Trebendorf, dass sich unter Umständen die noch vorhandenen Reste retten lassen könnten. René Schuster von der Umweltgruppe Cottbus der Grünen Liga fallen zur Devastierung des Tiergartens sofort zwei Worte ein: "Eine Schande." Von der ökologischen Wertigkeit sei dieses Areal am ehesten mit dem bereits in Gänze verschwundenen Lakomaer Teichgebiet bei Cottbus zu vergleichen. Schuster weiß aber auch, dass eine mögliche Rettung der Reste des naturnahen Waldbildes sowie der darin befindlichen Orchideenwiesen außerordentlich schwierig ist. "Der Tiergarten befindet sich laut den Kohleplanungen in zentraler Lage im Abbaufeld des Tagebaus Nochten." Derzeit würde die Grüne Liga prüfen, wie dieses ökologisch einzigartige Gebiet doch noch gerettet werden kann.

Vielen Einheimischen scheint hingegen das Schicksal des Gebietes rund um das frühere Jagdschloss mehr oder weniger egal zu sein. Die meisten Wanderer und Teilnehmer an der Infoveranstaltung kamen nicht aus den Dörfern des Schleifer Kirchspiels. "Dabei sollte jeder wissen, welches Unheil hier geschieht", erklärt Mitorganisatorin Edith Penk aus Rohne. "Ich glaube, dass die Leute recht abgestumpft sind", vermutet Rudi Krauz. Andere hätten sich mit der jetzigen Situation abgefunden. Und wiederum andere seien nicht mehr da, weil sie der Arbeit hinterher ziehen mussten. Der Senior aus Rohne sei von kleinauf häufig im Tiergarten unterwegs. "Mir blutet das Herz angesichts dieser Zerstörungen", bekennt Krauz.

Indes will die Grüne Liga mit allen Mitteln die Abbaggerung von Mulkwitz und Rohne verhindern. Den beiden Dörfern soll nach Plänen des Bergbaukonzerns Vattenfall Europe ein ähnliches Schicksal wie dem Tiergarten drohen. Die Umweltschützer fordern in ihrer Stellungnahme zur Fortschreibung des Braunkohlenplans für den Tagebau Nochten, dass grundsätzlich auf das geplante Abbaugebiet II zu verzichten ist.

Der Mulkwitzer Ortschaftsrat Ingo Herschmann hat indes angekündigt, eine eigene Stellungnahme zum Braunkohlenplan verfassen zu wollen. Diese könne, ebenso wie das Pendant der Grünen Liga, von den Bürgern als Musterbrief verwendet werden. Die Einspruchsfrist für den Braunkohlenplan Nochten läuft am 20. Januar ab.