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Naturparadies Niederspree ist bedroht

Impression aus dem Niederspreer Teichgebiet, hier vom Großteich.
Impression aus dem Niederspreer Teichgebiet, hier vom Großteich. FOTO: amz1
Rietschen. Das Teichgebiet Niederspree östlich von Rietschen gilt als eine der wertvollsten Naturschutzflächen in Sachsen. Mindestens 434 Pflanzenarten sind dort heimisch, unter anderem auch das europaweit gefährdete Schwimmende Froschkraut. amz1

Darüber hinaus wurden mehr als 1150 Tierarten nachgewiesen. Insbesondere für Libellen, Amphibien, Otter und Vögel gilt das Naturschutzgebiet Niederspreer Teichgebiet und Kleine Heide Hähniche, so die offizielle Bezeichnung, als Paradies. Mit einer Fläche von mehr als 2000 Hektar zählt es zu den größten Naturschutzgebieten Sachsens. Doch über der Idylle sind dunkle Wolken aufgezogen. Denn unzählige Vogelfamilien können ihren Nachwuchs nicht mehr ausbrüten beziehungsweise großziehen. Nach Angaben der Naturschutzbehörde des Landkreises Görlitz ziehen vor allem Wasservögel wie Enten, Rallen und Taucher nur noch vereinzelt Junge auf.

Der Grund: Die Nester werden regelmäßig geplündert. Dafür sind fremdländische Arten wie Waschbär, Mink und Marderhund verantwortlich. Diese Tiere gelten als äußerst geschickt, besitzen hierzulande keine natürlichen Feinde und bilden längst große Populationen, die eine ernsthafte Gefahr für die heimische Tierwelt darstellen. Inzwischen, so die Naturschützer, gelinge die Jungenaufzucht nur noch größeren, wehrhaften Vogelarten wie der Graugans und dem Höckerschwan. Inzwischen werde mithilfe der Jäger versucht, die Zahl der invasiven Neozoen, so die wissenschaftliche Bezeichnung für nicht gebietsgerechte Tierarten, einzugrenzen und wenn möglich zu reduzieren. Das Vorhaben sei vorerst auf drei Jahre angelegt. Ursprünglich stammen Waschbär und Mink als bedeutendste Vertreter der Neozoen aus Nordamerika, der Marderhund aus dem östlichen Asien. Sie wurden in Europa in Farmen gezüchtet, um die wertvollen Pelze zu gewinnen. Gefahr droht dem Niederspreer Naturparadies auch von nicht einheimischen Pflanzen, so die Görlitzer Naturschutzbehörde. Besondere Sorgen bereite der Filzige Spierstrauch, der in den Mooren die einheimischen Pflanzen überwuchert und sie somit zum Absterben bringt. Innerhalb des abgeschlossenen Naturschutzgroßprojektes (1997 - 2006) wurden an Schwerpunkten die Pflanzen ausgerissen. Zudem bedrohen weitere Neophyten, so die wissenschaftliche Bezeichnung, das Naturschutzgebiet. Dazu gehören unter anderem die Spätblühende Traubenkirsche, mehrere ostasiatische Knöterich-Arten sowie der Schlitzblättrige Sonnenhut. Als mit Abstand größte Gefährdung des Areals werden jedoch Einflüsse infolge der laufenden Klimaveränderung gesehen. Die von Experten berechneten zukünftigen niedrigeren Niederschlagsmengen, einhergehend mit langen Trockenperioden, wären für Niederspree mit hoher Wahrscheinlichkeit von Nachteil. Längst werden die Wasserstände in den Teichen regelmäßig kontrolliert und die Stauanlagen in Ordnung gehalten.

Aktuell gilt das Interesse der Experten in erster Linie den Insekten. Untersucht würden ausgewählte Artengruppen auf Flächen mit unterschiedlicher Bewirtschaftung. Letztendlich leitet sich aus den gewonnenen Daten eine Aussage zum gegenwärtigen Zustand des Naturschutzgebietes ab.

Immerhin: Durch den näher rückenden Tagebau Reichwalde sind die wertvollen Flächen nicht bedroht. Denn durch den Bau der Dichtwand südöstlich und östlich der Grube könnten Gefährdungen in Form von Grundwasserabsenkungen ausgeschlossen werden. Indes soll das Niederspreer Gebiet auch zukünftig dem sanften Tourismus vorbehalten werden. Es ist durch den von der Neiße zum Findlingspark Nochten führenden Wolfsradweg erschlossen. Das darüber hinaus vorhandene Wegenetz ist aus Sicht der Naturschutzbehörde ausreichend. Weitere Erschließungsabsichten seitens der Anliegerkommunen seien nicht bekannt.