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| 12:22 Uhr

Freie Schule Rietschen im Fokus
Nachfrage nach Abi auf dem Land steigt

 Antonia Kanwischer von der 9. Klasse führt den Gästen beim Tag der offenen Tür der Freie Schule in Rietschen ein Experiment vor.
Antonia Kanwischer von der 9. Klasse führt den Gästen beim Tag der offenen Tür der Freie Schule in Rietschen ein Experiment vor. FOTO: Christian Köhler
Rietschen. Die Freie Schule Rietschen hat zur Erkundungstour geladen. Die 5. Klasse für das nächste Schuljahr ist so gut wie voll. Von Christian Köhler

Die kleine, familiäre Freie Oberschule in Rietschen stößt auf immer größere Resonanz. Davon jedenfalls ist Fördervereinsvorsitzender Wolfgang Schmidt überzeugt. Und die Zahlen geben ihm Recht: „Wir kratzen jetzt schon an der Marke von 100 Schülern“, erzählt er. Auch bei den Neuanmeldungen für das kommende Schuljahr ist so gut wie alles in trockenen Tüchern. „Wir hatten schon vor dem Tag der offenen Tür zehn Anmeldungen“, berichtet Lehrerin Jana Fest. Schon am frühen Nachmittag am vergangenen Freitag sind weitere fünf hinzugekommen.

Eine davon stammt von Familie Noack aus Gablenz. „Uns gefällt das Schulkonzept“, erzählt Vater Martin Noack, „gerade, dass man sich hier an Montessori orientiert und zahlreiche Ganztagsangebote vorhält.“ Tochter Larasati soll auf jeden Fall im kommenden Schuljahr täglich mit dem Zug von Weißwasser nach Rietschen fahren. Auf Erkundungstour durch die Schule dagegen ist auch Katja Wussack mit Tochter Klara aus Weißwasser. „Wir wollen uns in den nächsten Wochen mehrere Schulen anschauen und vergleichen“, sagt die Weißwasseranerin. „Und ich schaue mir auch Krauschwitz an“, verspricht die Zehnjährige.

Unterdessen wird Lehrerin Jana Fest – sie ist für das geplante berufliche Gymnasium in Rietschen verantwortlich – von mehreren Besuchern umlagert. Die Nachfrage nämlich nach der Möglichkeit, in der Gemeinde Rietschen sein Abitur zu machen, sei enorm gestiegen, wie Wolfgang Schmidt bestätigt. „Wir haben recht viele Anfragen“, erzählt er. Einerseits stammen diese von Eltern, deren Kinder im kommenden Schuljahr die fünfte Klasse besuchen werden – „Sie sehen das Abitur auch als Voraussetzung dafür, ihr Kind bei uns anzumelden“, so der Vereinsvorsitzende. Andererseits gibt es auch mehrere Schüler, die gegenwärtig noch die neunte Klasse besuchen, aber jetzt schon sicher sind, ihr Abi in Rietschen machen zu wollen.

Noch im Dezember hatte die Schule den wichtigen Antrag für das Berufliche Gymnasium bei der Schulbehörde gestellt – ihren inzwischen dritten. Denn bereits zwei Mal hatte die Freie Schule sich darum bemüht, ein Gymnasium zu etablieren. Inzwischen ist in der Sache auch ein Gerichtsverfahren anhängig, denn der Landkreis Görlitz hatte untersagt, dass die Gemeinde den Schulträger finanziell unterstützen darf. Das allerdings sah der Förderverein und die Gemeinde ganz anders – und klagten gegen die Entscheidung. „Wir gehen davon aus, dass noch in diesem Jahr ein Urteil vom Oberverwaltungsgericht in Bautzen gefällt wird“, so Schmidt.

Unabhängig davon sei man in Rietschen guter Dinge, dass der dritte Antrag in Sachen Gymnasium durchgebracht wird. „Es ist ja auch Wahljahr“, gibt Wolfgang Schmidt mit einem Augenzwinkern zu verstehen, „und auch unsere Anerkennung als staatliche Ersatzschule hat erst beim dritten Anlauf alle Bedenken der Behörden ausgeräumt.“

Dass nämlich die Schule – die es nach dem beschlossen Schulnetzplan eigentlich gar nicht mehr geben dürfte – es bis 2018 geschafft, sich fest zu etablieren und dank dem Einsatz vieler helfender und ehrenamtlicher Hände heute aus dem Ort nicht mehr wegzudenken ist, sei „aller Ehren wert“, wie Wolfgang Schmidt nicht müde wird hervorzuheben. Darauf seien alle in der Gemeinde mehr als stolz.