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Nach einer Woche Bedenkzeit "Ja" gesagt

Elferratspräsident Stephan Enax und sein Vize René Keule Koinzer haben das 62. Prinzenpaar in ihre Mitte genommen und schunkeln zum Muskauer Karnevalslied.
Elferratspräsident Stephan Enax und sein Vize René Keule Koinzer haben das 62. Prinzenpaar in ihre Mitte genommen und schunkeln zum Muskauer Karnevalslied. FOTO: Martina Arlt/mat1
Bad Muskau. Volles Haus hatten die Bad Muskauer am Samstag zu ihrem 62. Hofball im Lindenhof. Mehr als 500 Besucher legten dafür ihre schönsten Kostüme an. In diesem Jahr heißt es: "Der EBM will's wagen - Götter, Mythen, Heldensagen" . Martina Arlt / mat1

In gewohnter Manier führten Zeremonienmeister René Koinzer und Julia Kamenz durch das lange Programm bis Mitternacht. Mini- und Kinderfunken sowie zahlreiche Tanzgarden zeigten, was sie in den letzten Monaten mit viel Fleiß einstudiert hatten. Die Herren der Schöpfung konnten es kaum erwarten, ihre Tänze im tollen Outfit präsentieren zu dürfen.

Doch zu fortgeschrittener Stunde stieg die Spannung, wer das neue Prinzenpaar werden wird. Als die Verkleidung fiel, rieben sich manche im Saal wieder die Augen. Das 62. Prinzenpaar in Bad Muskau heißt Anett Engelmann (42) aus Bad Muskau-Köbeln und Gert Uhlemann (47), der aus Gablenzer Gefilden kommt. Mit Krone und Zepter übernehmen sie als Jupp LXII. und seine Lieblichkeit Anett nun die Regierungsgeschäfte. Das natürlich im entsprechenden Outfit. Die Kostüme des Paares wurden aus Satin, Waschleder und Spitze geschneidert.

Gert Uhlemann ist in Bad Muskau geboren und musste berufsbedingt 1997 die Lausitz verlassen. Er arbeitet in Vellmar bei Kassel als ICE-Lokführer. Er gehört seit 25 Jahren dem Elferrat in Bad Muskau an und ist jederzeit für einen Spaß zu haben.

Seine Lieblichkeit Anett Engelmann wurde ebenfalls in der Grenzstadt geboren. Sie arbeitet als medizinisch-technische Radiologieassistentin und ist Mitglied der Muskauer Freizeitunion. Die Beiden kennen sich schon mehr als 20 Jahre. Im September 2016 wurden sie gefragt, ob sie sich der hoheitsvollen Aufgabe stellen wollten. Eine Woche Bedenkzeit gab es.

"Diese Anfrage ließ ich mir in meinem ICE durch den Kopf gehen und kam bald zu dem Entschluss, das mache ich. Das ist eine einmalige Chance, denn Karneval ist mein Ding", so Gert Uhlemann. "Ein paar Lügen musste ich mir vorher schon Zuhause einfallen lassen, damit es nicht auffällt. So wurde aus einer Spätschicht auch mal eine Nachtschicht. Einmal sind wir mit Anett und unserer Schneiderin Christel Lehnigk nach Berlin gefahren, um Stoffe für unser Outfit auszusuchen. Man musste schon genau überlegen, wie man das anstellt", fügte Gert Uhlemann hinzu. Seinen "persönlichen Fahrplan des ICE" legte nun der neue Prinz so, dass er die vielen Termine mit der Prinzessin in seiner Heimat wahrnehmen kann. Natürlich gehen aber auch ein paar Urlaubstage drauf.

Auch für Anett war es nicht einfach, alles geheimzuhalten. "Meine Arbeitskollegen wunderten sich schon, dass ich Rosenmontag frei machen möchte. Die Friseurin stutzte, als ich immer sagte, meine Haarfrisur muss etwas mehr Pepp bekommen. Wollen wir doch mal bunte Strähnchen probieren. Heute hat sich hier im Lindenhof alles aufgelöst, alles gut", so Anett Engelmann.

Seit 17 Jahren sucht René Keule Koinzer die Prinzenpaare aus. "Manchmal sagt es mir mein Bauchgefühl. Ich spreche auch mal Leute auf der Straße an. Wer mitmachen will, dessen Herz sollte schon für Karneval schlagen, sonst hat es keinen Sinn. Wer einmal Prinzenpaar war, das ist ein Erlebnis für das ganze Leben. Daran erinnert man sich immer gern zurück", so Keule.

Auf Anett und Gert wartet in diesem Jahr eine abwechslungsreiche, aber auch anstrengende Saison. Allein vier Umzüge sind zu bewältigen. So geht es nach Daubitz und Sagar, bevor der bunte Tross durch Bad Muskau zieht. Hinzu kommt der Umzug durch Cottbus.

Natürlich kam beim Hofball im Lindenhof das Tanzen nicht zu kurz. Ein weiterer Höhepunkt war die Kostümprämierung. Dort war zu erleben, dass nicht nur die Gäste aus der Region gern an der Neiße feiern. Bei den Karnevals-Göttern schauten Besucher aus Karlsruhe, Stuttgart, Dresden und Leipzig vorbei. Sie alle hatten viele Ideen in ihre Kostüme investiert.

Vielleicht möchte sich ja ein Paar freiwillig für eines der nächsten Karnevalsjahre melden, dafür hat Keule schon die Telefonnummer parat: 0175 6238851.