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Nach der Feier ist vor der Feier

Den Auftakt des Festumzuges bildete der Spielmannszug aus Rothenburg/OL.
Den Auftakt des Festumzuges bildete der Spielmannszug aus Rothenburg/OL. FOTO: amz
Uhyst. Mit einem dreitägigen Festprogramm haben die Uhyster mit tausenden Gästen ihre 675-Jahr-Feier begangen. Höhepunkte waren die Weihe der neuen Bahnbrücke über die Spree, ein großer Trödelmarkt, das traditionelle Maibaumwerfen, ein buntes Kulturprogramm und insbesondere der farbenfrohe Festumzug. amz

Schirmherr der Feier war die Gemeinde Boxberg.

Anno 1342, also vor 675 Jahren, tauchte Uhyst erstmals aus dem Dunkel der Geschichte auf. Allerdings in keiner offiziellen Urkunde, sondern im Rahmen eines Gottesdienstes, den der Kaplan von Klix, in Uhyst hielt. Das Spreedorf gehörte damals kirchlich zu Klix. Der Erstbeleg des Ortsnamens als "Ugezd" ist dagegen auf das Jahr 1418 datiert. Soll also heißen, dass seit diesem Ereignis nunmehr 599 Jahre vergangen sind. Oder anders ausgedrückt: 2018 steht das nächste Jubiläum ins Haus. "Ich kann mir grundsätzlich vorstellen, in zwölf Monaten eine 600-Jahr-Feier zu begehen", erklärt Johanna Gruner, die mit ihrem Mann Jürgen sowie Ortsvorsteher Frank Knobloch die Fäden für die jetzige 675-Jahr-Feier in den Händen hält. "Dann allerdings nicht so groß wie jetzt", stellt Gruner klar. Denn für die dreitätige Veranstaltung im Juni 2017 wurden in mühevoller Arbeit zahlreiche Sponsoren gewonnen. Andere Geldquellen habe es indes nicht gegeben.

Außerdem brauche es Zeit für die Vorbereitung, für das jüngste Fest bedurfte es zwölf Monate, wie sich Johanna Gruner erinnert. Allerdings seien die Uhyster in Bezug auf Jahrfeiern "alte Hasen", schließlich waren viele bereits in den Teams rund um 650 Jahre Uhyst anno 1992 sowie zehn Jahre später. Doch seitdem hat sich im rund 880 Einwohner zählenden Ort eine Menge getan. Beispiele gefällig? Der Bärwalder See lädt nunmehr ein, und Uhyst ist Teil der Gemeinde Boxberg geworden. Letzteres Ereignis jährt sich übrigens am 1.Oktober zum zehnten Mal.

Jetzt tragen über 100 Helfer zum Gelingen der 675-Jahr-Feier bei. Im Vorfeld des Jubiläums wurden 15 000 Faltblätter gedruckt und unters Volk gebracht, 100 Plakate angebracht und mehrere Banner platziert.

Alle 15 Uhyster Vereine und Institutionen beteiligten sich unter dem Dach des Fördervereins Adelspädagogium-Dannenberghaus Uhyst an der Organisation. Neben den Veranstaltungen sorgt die Galerie alter Aufnahmen des Ortes am Rathaus für Furore. Darüber hinaus haben sich sechs Frauen des Fördervereins um das Ausschmücken des Dorfes einen Namen gemacht. Unzählige Papierblumen wurden gebastelt und an verschiedensten, gut sichtbaren Stellen angebracht.

Neben der Weihe der neuen Spreebahnbrücke bildet der sonntägliche Festumzug den absoluten Höhepunkt. Mehr als 500 Mitwirkende präsentieren in 54 Bildern das Leben damals und heute in der Region. Den Auftakt macht der Spielmannszug Rothenburg/OL. Erster Uhyster ist indes "Graf von Gersdorff" alias Karsten Kunaschk. Gersdorff war von 1725 bis 1751 Schlossherr im Spreedorf.

Darüber hinaus wird der Maibaum geworfen. Maikönig und Maikönigin 2017 sind Sebastian Wolf und Nicole Schöbel. Die jungen Leute stammen aus Uhyst, leben jetzt aber in Dresden. Wolf ist der erste, der sich vom gefallenen Baum den ersten Preis sichert.

Darüber hinaus begrüßt Ortsvorsteher Knobloch die Neu-Uhyster auf traditionell lausitzisch-sorbische Art mit Brot und Salz. Dazu gehört auch Tony Funke. Der im Spreedorf aufgewachsene junge Mann lebte rund zehn Jahre fern der Lausitz und ist im April mit großen Plänen zurückgekehrt. Funke hat nämlich die beiden Müllerteiche in Uhyst übernommen und will dort für Angler verschiedenste Angebote schaffen. Sogar Rollstuhlfahrer sollen dort zu ihren Fischen kommen, kündigt der 30-Jährige an. Die vielen Besucher zeigen sich mit der 675-Jahr-Feier rundum zufrieden. Sie loben die ausgewogenen Angebote sowie das reizvolle und gepflegte Ambiente sowohl in der Ortsmitte als auch im Volkspark an der Spree. Zudem schauen auch viele Touristen vom nahen Bärwalder See vorbei.

Bei allen Veranstaltungen dabei ist Maik Ssycko. Der junge Mann, der in Uhyst zur Schule gegangen ist, und jetzt als Freiberufler in Dresden lebt, hält die Jahrfeier mit seiner Kamera fest. Ergebnis ist ein etwa 30-minütiger Film, den die Festorganisatoren in Auftrag gegeben haben. Zudem entstehen Clips für die Internet-Plattformen Facebook und Youtube. Der komplette Streifen, so kündigt Ssycko an, solle in den kommenden zwei Wochen vollendet werden.

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Für Furore sorgte auch die Vorführung der Waldhundeschule Tennstädt auf dem Uhyster Dorfplatz.
Für Furore sorgte auch die Vorführung der Waldhundeschule Tennstädt auf dem Uhyster Dorfplatz. FOTO: amz