Carola Geppert stammt aus Bad Muskau, aber dass es für die Region auch eine typische sorbische Tracht gibt, ist ihr erst bei einem Besuch im Sorbischen Haus in Cottbus bewusst geworden. Das Buch über die Muskauer Tracht, das die Historiker Albrecht Lange und Lothar Balke geschrieben haben, hat sie mit Interesse gelesen. „Ich wollte am liebsten so eine Tracht haben und habe mich erkundigt, was die Herstellung wohl kosten würde. Da ich gerne sticke und schon als Kind einige Techniken in der Familie gelernt habe, kam mir die Idee, es vielleicht selbst zu probieren“, sagt Carola Geppert. So besuchte sie den Stickzirkel in Cottbus und konnte sich mit anderen über die Trachtenstickerei und – schneiderei austauschen.

Von der Muskauer Tracht lagen nur historische Fotos und Zeichnungen vor. Carola Geppert hat sich intensiv damit beschäftigt und sich von Albrecht Lange und Lothar Balke, die beide mittlerweile verstorben sind, beraten lassen. „Das Besondere an der Muskauer Tracht sind der Spitzenkranz an der Haube und die Weißstickerei der Kinnschleife, die anders als bei der Schleifer Tracht fest mit der Haube verbunden ist.

Die Haube und das Schultertuch der Muskauer Tracht hat Carola Geppert mit Unterstützung von Edith Penk aus Rohne nach den alten Vorbildern nachgearbeitet. „Es gibt natürlich nicht nur eine Tracht, sondern für jeden Anlass eine ganz spezielle“, sagt Carola Geppert. Mittlerweile besitzt sie eine Ausgehtracht und eine Kirchgangstracht bis zum Abendmahl. „Von den Recherchen bis zur Fertigstellung hat es ungefähr zwei Jahre gedauert“, sagt sie. Die Schneiderarbeiten hat für sie die Trachtenschneiderei Jacobick aus Burg übernommen.

Carola Geppert wünscht sich mit den Stickarbeiten für sorbische Trachten eine berufliche Perspektive zu finden. „Ich würde gern Zuarbeiten für andere Trachten liefern. Ich weiß, dass es nur noch ganz wenige Leute gibt, die die Weißstickerei, zu der unter anderem die Lochstickerei, Tüllstickerei, Durchbruch- und Filetstickerei gehören, beherrschen“, sagt die 47-Jährige. Sie hat bereits Kinnschleifen für die Nochtener Tracht oder Spitzenhauben für die Hoyerswerdaer Tracht hergestellt.

Mit ihrem Konzept konnte sie bisher das Arbeitsamt noch nicht überzeugen und lebt von Hartz IV. „Ich habe bisher alle Kosten allein getragen und wünsche mir, dass es doch noch Fördermöglichkeiten gibt, damit ich mich selbstständig machen kann, und so vielleicht mithelfe, dass die Muskauer Tracht wieder bekannt wird“, sagt Carola Geppert.