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| 18:33 Uhr

Pücklers Gartenreich
Damit die Enten nicht mehr laufen müssen

Idylle pur am Eichsee im Muskauer Park. Zwei Jahre liefen die Entschlammungsarbeiten in diesem Abschnitt der Hermannsneiße.
Idylle pur am Eichsee im Muskauer Park. Zwei Jahre liefen die Entschlammungsarbeiten in diesem Abschnitt der Hermannsneiße. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Muskauer Park schließt Projekt Entschlammung ab. Hiesige Erfahrungen in anderen Anlagen sind sehr gefragt. Von Regina Weiß

Das fast schon vorfrühlingshafte Wetter haben am Samstag viele Spaziergänger genutzt und ihre Strecke im Muskauer Park absolviert. So mancher drehte dabei auch eine Runde um den Eichsee.

Dass der See wieder in seiner ganzen Schönheit wirken kann, ist auch einem Projekt zu verdanken, das die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau fünf Jahre lang beschäftigt hat: die Entschlammung der Hermannsneiße samt Seen. Das Projekt konnte nun abgeschlossen werden.

53 500 Kubikmeter Nassschlamm wurden innerhalb von 67 Wochen aus dem Flusslauf und den Seen abgetragen, wobei die Arbeiten allein im Eichsee in zwei Abschnitte und damit in zwei Jahresscheiben aufgeteilt waren. Rund 2,04 Millionen Euro hat das Vorhaben insgesamt gekostet, kann Holger Daetz, Betriebsleiter Park und Technischer Assistent, gegenüber der RUNDSCHAU bilanzieren.

Wo es gar nicht anders ging, musste beim Entschlammen auch auf Handarbeit gesetzt werden.
Wo es gar nicht anders ging, musste beim Entschlammen auch auf Handarbeit gesetzt werden. FOTO: Holger Daetz / Stiftung Fürst-Pückler-Park

Die Stiftung geht jetzt davon aus, dass sie bei dem Thema die nächsten zwei Jahrzehnte Ruhe haben wird. Das heißt aber auch, dass Hochwasser um den Muskauer Park einen Bogen machen müssen. Kleinere Einspülungen  von Sedimenten werden die Mitarbeiter der Stiftung weiter beschäftigen. Denn über die unterirdischen Regeneinläufe der Stadt, die zum Beispiel im Schlossteich münden, können solche Probleme nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

1981 war letztmalig eine groß angelegte Aktion zur Entschlammung im Pücklerschen Gartenreich gelaufen. Damals wurde das schwere Nass mittels Lore zur Neiße transportiert. Ein ähnliches Vorgehen wäre aber in der heutigen Zeit nicht denkbar gewesen. Nassen Schlamm zwei Jahre auf Wiesen zum Trocknen liegen lassen und das mitten im Weltkulturerbe? Ein absolutes No-Go. Zudem zeigte sich der Schlamm noch aus DDR-Zeiten mit Sedimenten belastet und wies einen hohen organischen Anteil auf. Dann kam 2010 das Hochwasser und machte alles noch schlimmer.

„Da floss ja die Hermannsneiße teilweise aufwärts“, erinnert Holger Daetz. Die Folge war nicht nur jede Menge Sand, der eingetragen wurde, sondern auch die Beschädigung der Wasserfälle. Sie bekamen durch die Massen und den Druck sozusagen den letzten Rest verpasst und brauchten dringend eine Sanierung. „Das haben wir dann angemeldet, als es darum ging, die Hochwasserschäden in Angriff zu nehmen“, so Daetz.

Der Einsatz eines Amphibienfahrzeugs auf dem Eichsee gehörte viele Wochen zum Erscheinungsbild im Park.
Der Einsatz eines Amphibienfahrzeugs auf dem Eichsee gehörte viele Wochen zum Erscheinungsbild im Park. FOTO: Holger Daetz / Stiftung Fürst-Pückler-Park

Heraus kam eine Variante, die durchaus auch anderswo Schule machen kann. Amphibienfahrzeugen kamen auch anderswo schon zum Einsatz, doch die Kombination mit Rohrtrassen und Schläuchen, in denen das Material transportiert und gesammelt wurde, war Neuland. 85 Schläuche wurden auf dem Hof des Kavalierhauses verlegt. Über 2,4 Kilometer lange Rohre wurden Schlamm und Wasser in die Schläuche geleitet. Flockungsmittels sorgte dafür, dass die festen Bestandteile ausfielen. Das übrige Wasser wurde gesammelt und wieder der Neiße zugeführt. Am Ende blieben 10 500 Tonnen Schlamm übrig, der weggefahren werden musste.

Von den nun in Muskau gemachten Erfahrungen profitiert demnächste eine Gartenanlage in Kassel und das Welterbe Pruhonice bei Prag. Die Anlage erstreckt sich über eine Fläche von rund 200 Hektar und ist mit seinen exotischen Pflanzen, Teichen, Spazierwegen und Blumenanlagen ein beliebtes Ausflugsziel der Prager. Vor rund zehn Jahren wurde dort schon einmal entschlammt. Damals wurden die Massen auf die Wiesen gepackt. Die vernässten und machen nun Probleme. Das muss nun rückgebaut werden, weiß Holger Daetz.

Nach der Sanierung der drei Wasserfälle und des Wassereinlaufs an der Neiße lässt sich das System Hermannsneiße mit weniger Wasser betreiben. Und die Enten haben dennoch genug Nass unterm Bauch. 70  Zentimeter im Oberlauf und bis über zwei Meter am Eichsee.

Apropos Tiere. Auf Libelle und Biber, Wasserschnecke und Co. ist bei allem immer Rücksicht genommen worde. „Und wenn wir die Tiere vom Grün abgesammelt haben“, so Daetz. Denn bevor das Amphibienfahrzeug überhaupt zum Einsatz kommen konnte, wurde tonnenweise Wasserpest aus dem Gewässer geholt. Die hatte durch den vielen Schlamm lange Zeit bestens gedeihen können.