Von Regina Weiß

Kurz nach seinem 60. Geburtstag hat Tom Pauls Bad Muskau einen Besuch abgestattet. Das runde Jubiläum habe er gut überstanden, versichert er den Gästen beim Schlossgespräch am Donnerstagabend. Die Plätze dafür waren weggegangen, wie die sprichwörtlich warmen Semmeln. Deshalb wurden im Trauzimmer zusätzliche Plätze angeboten, wohin das Gespräch mit Tom Pauls auf Leinwand übertragen wurde. Das hatte der Förderverein und die Stiftung Fürst-Pückler-Park letztmalig bei Gregor Gysi erlebt.

Pauls war nicht das erste Mal in Bad Muskau. Mit dem Zwingertrio hat er beispielsweise für Lachmuskelkater bei seinem Auftritt in der Orangerie gesorgt. Doch das ist schon eine Weile her. Deshalb zeigt sich der geborene Leipziger – „ich bin ein Sonntagskind“ – vom jetzigen Zustand des Neuen Schlosses ganz begeistert. „Da muss ich ja ein schlechtes Gewissen haben, dass ich erst heute herkomme“, erklärt er. Da man so ein Schloss mit Leben füllen müsse, „laden wir uns schlaue Menschen ein“, so der Moderator des Abends.

In diese Rolle schlüpft Fördervereinschef und Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Und er hat wie die Menschen im Saal sichtlich Spaß an den Begebenheiten und Anekdoten, die Pauls zum Besten geben kann. Und ganz nebenbei kommt auch die Bildungsarbeit nicht zu kurz. So zum Beispiel, als der Kabarettist über das Leben von Lene Voigt spricht, die für ihre sächsischen Mundartgedichte oder die Dialekt-„Übersetzung“ der Balladen der Klassiker in sächsischen Stammlanden bekannt ist. Die Frau mit so viel Mutterwitz starb verarmt 1962 in Leipzig. Davor hatte sie Jahre in der Psychiatrie zugebracht. Das im Hinterkopf ist es um so schöner, wenn ihre Gedichte, wie „De Gogosbalme“, von Tom Pauls mit so viel Verve vorgetragen werden. Wie schön Sächsisch klingen kann...

Neben dem Singsang der Wörter ist es der Ausdruck, das Schauspielerische, was Pauls hier ausspielt. Ganz ohne Worte geht es auch und sogar noch lustiger. Wie isst man Bockwurst mit Kartoffelsalat? Darauf gibt es eine pantomimische Einlage, die sich gewaschen hat.

Schon als Kind wusste Pauls, er will Schauspieler werden. „Such Dir ein Hobby, mach es zum Beruf, dann musst Du nie wieder arbeiten“, wird sein Credo. Dabei will sein Vater, dass er was ordentliches lernt. Es geht ab in die Chemieindustrie. Die Kultur wird zu seiner Rettung. Im Kleinen Rundfunkkinderchor bekommt er neben dem Klavierunterricht bereits vorher sein Grundgerüst verpasst. In der Lehre wird daraus ein Singeclub, der mehr Platz in Tom Pauls Leben einnimmt als chemische Formeln. „Ich habe aber einen Facharbeiterbrief bekommen“, verkündet er stolz. Bei der Armee rettet ihn die Kultur sogar vorm Erfrieren beim Gefechtsschießen in Nochten. Die Socken waren schon an der Innentür im Ural angefroren. Die Armeezeit verhilft Tom Pauls übrigens zu einem besonderen Spitznamen. Genosse Hydro wird er von allen genannt, als er mit seinem Ural einen Wasserhydranten platt macht. Die Fontäne ist ähnlich groß wie die im Park Sanssouci, aber hat zur Folge, dass man sich eine Woche lang nicht duschen kann. „Die waren alle sehr gut auf mich zu sprechen“, erinnert sich Pauls.

Der feiert in diesem Jahr übrigens auch sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. 1969 tritt er mit besagtem Rundfunkkinderchor in der Görlitzer Stadthalle auf. Michael Kretschmer nimmt das sofort zum Anlass, um ihn für die Eröffnung der Stadthalle – für deren Sanierung stellen Bund und Land das Geld bereit – zu „buchen“. „Das sollte vor dem 70. Geburtstag werden“, findet Kretschmer. Wie die RUNDSCHAU munkeln hört, gibt es aller Voraussicht aber schon im nächsten Frühjahr einen Pauls-Auftritt in der Kreisstadt.

Der in der Parkstadt kommt bestens an. Das sagen Gäste aus Neißeaue, Jänkendorf, Groß Düben, Weißwasser und Bad Muskau ganz einhellig. Dafür spenden sie auch gern für den Förderverein. Es raschelt öfter im Spendenkrug als dass es klimpert. Alles Anteile am Musikpavillon im Badepark – das nächste Förderprojekt der Parkfreunde.