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Musiktheater produziert fünf Premieren

Die Neue Lausitzer Philharmonie gibt in der Spielzeit 2017/2018 wieder mehrere philharmonische Konzerte.
Die Neue Lausitzer Philharmonie gibt in der Spielzeit 2017/2018 wieder mehrere philharmonische Konzerte. FOTO: Agentur
Görlitz/Zittau. Die Spielzeit 2017/18 am Gerhart-Hauptmann- Theater Görlitz-Zittau greift aktuelle gesellschaftliche Tendenzen auf und verarbeitet diese vielfältig. Darüber haben die Geschäftsführer sowie die Leiter der vier Sparten dieser Tage in informiert. red/br

Das Musiktheater

Generalintendant und Künstlerischer Geschäftsführer Klaus Arauner hat fünf Premieren und drei Wiederaufnahmen angekündigt, teilt Pressesprecherin Franziska Springer mit. Eröffnet werde die neue Spielzeit im Oktober mit der Premiere der Offenbach-Operette "Die Großherzogin von Gerolstein". Es ist eine Parodie auf einen deutschen Zwergenstaat, die vortrefflich alles Kriegerische aufs Korn nimmt.

Mit "Der Konsul" ist eine Flüchtlingstragödie für die Opernbühne des US-Amerikaners Gian Carlo Menotti als zweite Premiere zu erleben. "Wir wollen das Werk neu interpretieren", so Arauner.

Eine große Wagner-Oper ist ab März zu erleben. "Nur wenige Wagner-Werke sind für ein Theater von der Größe des Görlitzer Hauses überhaupt geeignet. ,Tannhäuser' und ,Der Sängerkrieg auf der Wartburg' gehören dazu", erklärte der Generalintendant. Dabei haben Wagners Kompositionen eine eigenwillige Tradition in Görlitz: "Bauabschnitte an unserem Haus wurden bislang noch immer von Wagner-Opern umrahmt", sagt Arauner schmunzelnd. "Als wir den zweiten Bauabschnitt vor 17 Jahren beendeten, stand Wagner das letzte Mal auf dem Spielplan. Nun beginnen wir mit dem dritten - der Unterbühne - und haben ihn wieder im Repertoire."

Alle großen Mozart-Opern wurden in den zurückliegenden 30 Jahren in Görlitz gespielt. Lediglich "Die Entführung aus dem Serail" stand zum letzten Mal im Jahr 1968 auf dem Spielplan. Das ändert sich in der kommenden Spielzeit. Damit ist Mozarts Plädoyer für Toleranz und Aufgeschlossenheit gegenüber fremden Kulturen "genau das richtige Stück zur richtigen Zeit", wie Arauner findet.

Das zentrale Werk für das Sommertheater im Stadthallengarten wird das Musical "Der Zauberer von Oz", das beim Publikum für heitere Sommerabende sorgen soll.

Wiederaufgenommen wird der Filmliederabend "Der Notenflüsterer", das in der kommenden Spielzeit auch an den Theatern in Görlitz und Zittau laufen soll, sowie das Musical "The Producers" und die Operette "Frau Luna", die am 16. Juni Premiere im Görlitzer Stadthallengarten feiert.

Neuen Lausitzer Philharmonie

Generalmusikdirektor Andrea Sanguineti stellte den Konzertplan der Neuen Lausitzer Philharmonie vor. Beim 1. Philharmonischen Konzert der Saison wird der im Februar begonnene Beethoven-Zyklus mit fünf Klavierkonzerten mit Beethovens letztem, dem fünften Klavierkonzert abgeschlossen.

Das 2. Philharmonische Konzert steht unter dem Motto "Requiem" und beinhaltet mit ,Ein deutsches Requiem', von Johannes Brahms ein echtes Mammutprojekt", so der Generalmusikdirektor. In diesem Konzert werde die erfolgreiche Zusammenarbeit des Hauschores des Görlitzer Theaters mit Kantoreien und Kantoren fortgeführt.

Das Neujahrskonzert wird sehr künstlerisch. Eröffnet wird es mit der Puccini-reich komponierten Orchesterrhapsodie op. 11 von Alfredo Casella. Es folgen Verdi und Richard Strauss.

Im 4. Philharmonischen Konzert "Grünen und Blühen" wird die Uraufführung von Frank Zabels "Konzert für Klarinette und Orchester" umrahmt mit sehr schöner Musik von Antonín Dvoøák.

"Das 5. Philharmonische Konzert habe ich Anna Karenina und der großen russischen Seele gewidmet", erklärte Sanguineti. Die Zuhörer erwartet viel romantische Musik der Verfilmung und eine Suite aus dem entsprechenden Ballett. Der Generalmusikdirektor verspricht: "Wir werden dank Schlagwerk und Orchester den Zug hören, der auf Anna Karenina zurollt und auch den Moment, in dem sie stirbt."

"Meeresluft", herbeimusiziert durch Harfenklänge, verspricht Sanguineti für das 6. Philharmonische Konzert. In Nummer sieben gibt er seinen Abschied als Generalmusikdirektor des Gerhart-Hauptmann-Theater: "Dafür hätte ich mir kein besseres Stück wünschen können, als die fünfte Mahler-Sinfonie. In den letzten fünf Jahren stand dieser Komponist noch nie auf dem Spielplan, und ich freue mich schon jetzt auf diese große Herausforderung und das groß besetzte Orchester."

Einen weiteren Schwerpunkt legte Sanguineti auf den Ausbau der Unterhaltungskonzerte in Zittau. Auf eines, das auch in Görlitz und Bautzen zu sehen sein wird, freue er sich besonders: "Unter dem Motto ,Die Neue Lausitzer Philharmonie trifft Deep Purple' erklingt das Konzert für Orchester und Band von Jon Lord. Ich verspreche schon jetzt interessante, aber absolut ungewöhnliche Klänge!"

Schauspiel

Schauspielintendantin Dorotty Szalma kündigte zwölf Schauspielpremieren an, "alle gespickt mit Themen, die uns auf der Seele brennen", so die Schauspielchefin.

Der Monolog "Am Boden" werdederzeit relativ oft gespielt, ganz im Gegenzug zu "Der Fleck", das am Zittauer Schauspielhaus als Uraufführung zu sehen sein wird. Dabei bekommt das Zittauer Theater die Möglichkeit, die beim Dramenwettbewerb "Talking about Borders" als zweitbestes Stück ausgezeichnete Inszenierung, die Sinn und Nutzen gesellschaftlichen Effizienzdenkens hinterfragt, exklusiv zu zeigen.

Die klassische Tür-auf-Tür-zu-Verwechslungskomödie "Liebe Diebe" bringt das Theater außerdem als Deutsche Erstaufführung.

Rund um die Weihnachtszeit zeigt das Zittauer Ensemble in diesem Jahr die Zauberposse "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" von Michael Ende."Ein fabelhaftes Märchen", findet Szalma.

Mit “Oleanna„ zeigt der TheaterJugendclub ein Zwei-Personen-Stück, in dem ein Mitglied des Clubs mit einem Mitglied des Schauspielensembles gemeinsam auf der Bühne steht. Darüber hinaus ist der Club in ein trinationales Jugendprojekt eingebunden, an dessen Ende die Inszenierung "House on a Crossroad" steht.

Mit "Goethe hatte Humor!" leitete die Zittauer Schauspielchefin ihre Einführungen zur zweiten Komödie "Die Mitschuldigen" ein. Neben wunderbaren Verquickungen, die Goethe zweifellos als Meister der Komödie enttarnen, lässt sich in dem Frühwerk auch bereits Goethes sprachliche Gewandtheit erahnen.

Ein Stück, das unter die Haut geht, ist "Am schwarzen See". Die Inszenierung beschäftigt sich mit der Frage, wie man am besten jene Geschichten verarbeitet, die das Leben aufzwingt.

Die “Frühlingsfreilichtspiele„, wie Dorotty Szalma das traditionell sehr früh beginnende Zittauer Sommertheater nannte, werden in der kommenden Spielzeit eröffnet durch die Komödie "Venedig im Schnee". Durch die Sanierung des Zittauer Klosterhofes ist das Theater aktuell noch auf der Suche nach einer neuen Freiluftspielstätte.

Über die nächste Inszenierung auf der Waldbühne verrät die Schauspielintendantin nur: “Es wird wieder Spannung, Spektakel und Abenteuer geben - aber dieses Mal jagen wir Geister!„.

Neben all diesen Premieren stehen darüber hinaus noch sechs Inszenierungen der jetzigenSpielzeit auf dem gut gefüllten Spielplan des Schauspiels.

Tanz

Zwei neue Inszenierungen möchte die Tanzcompany realisieren. "Typisch" setzt sich mit der Schubladendenken und Generalisierungen auseinander:

Frische neue Handschriften und einzigartige, exotische Ästhetik verspricht Dan Pelleg für die zweite Premiere des Tanzes: ",Männer sind vom Mars, Frauen sind von der Venus' behauptet zumindest John Grays berühmter Bestseller der 90er-Jahre: Das seien zwei verschiedene Spezies, und auf beiden Sternen herrschen jeweils völlig verschiedene Bräuche und Mentalitäten. Das führt dazu, dass Verständigung zwischen ihnen oft zum Scheitern verurteilt ist. Es bleibt also spannend…", so Pelleg.

Mit "iHome" kommt ein, für die beiden Leiter des Görlitzer Tanzes und die gesamte Tanzcompany wichtiges Stück auch nach Zittau. Bereits in der vierten Spielzeit ist das sehr erfolgreiche Tanzstück "Aqua" zu sehen, das in dieser Spielzeit sogar in Israel gezeigt werden soll.

Familien können auch in der Spielzeit 2017/18 die beliebte tänzerische Bearbeitung von Andersens "Die kleine Meerjungfrau" erleben.