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Musicals sind ihre Welt

Die Plakate im Jugendzimmer sind Programm: Michelle Thielsch liebt Musicals.
Die Plakate im Jugendzimmer sind Programm: Michelle Thielsch liebt Musicals. FOTO: Regina Weiß
Rietschen. Erst seit zwei Jahren belegt Michelle Thielsch das Fach Gesang bei der Musikschule Dreiländereck. Trotzdem hat sie es bis zum Landeswettbewerb "Jugend musiziert" geschafft. Dort schaffte sie einen zweiten Platz in der Kategorie Musical. Regina Weiß

"Sie singt immer irgendwie rum." Als Ute Thielsch diesen Satz sagt, muss sie lächeln. Ihre Tochter nickt nur und strahlt. Mit fünf Jahren hat Michelle Thielsch das erste Mal auf einer Bühne gestanden "Ich habe die Fee im Sommernachtstraum gespielt", erzählt die jetzt 15-Jährige und erinnert sich an die Premiere bei den Rietschener Erlichthofgauklern. Seitdem sitzt das Virus fest. Hinzu kamen die schauspielerisch-künstlerischen Ambitionen der großen Schwestern, die ihr Übriges taten.

Irgendwann war klar: Neben dem Theaterspielen sollte eine Ausbildung her. Balletttraining wäre Michelle Thielsch am liebsten gewesen, doch in der ländlichen Gegend wie Rietschen schwierig umsetzbar. Also wurde Gesang gewählt. An der Musikschule Dreiländereck, Regionalstelle Niesky, wurde mit Christiane Brendler die richtige Lehrerin gefunden. Dass mit ihrer Hilfe Michelle aber so durchstarten würde, ahnte keiner der Familie Thielsch vor zwei Jahren.

Umso stolzer ist die gesamte Familie, schließlich hat es die 15-Jährige nach ihrer doch relativ kurzen Zeit der Ausbildung bis zum Landeswettbewerb "Jugend musiziert" und dort einen zweiten Platz geschafft. Zwar hat es für den Bundeswettbewerb noch nicht gereicht, aber dieser Wermutstropfen wirkt kaum noch nach.

Gesangs-Darbietungen im Fach Musical wären erst wieder in vier Jahren dran gewesen, deshalb wollte es Michelle diesmal schon wissen. Gefordert war ein Programm von zehn bis 15 Minuten, das nicht nur Gesang, sondern auch eine eigene Choreografie und einen Monolog enthalten musste. Gesangslehrerin Christiane Brendler und Lehrer Michael Syrbe, der Michelle am Klavier begleitet hat, ermöglichten für sie zusätzliche Proben. Für die Abstimmung der Tanzschritte wurde eine Lehrerin in Wilthen konsultiert.

"Ich habe die Geschichte einer Sängerin erzählt, deren Traum es ist, auf der großen Bühne zu stehen. Doch am Ende ist sie traurig, weiß gar nicht mehr, ob sie das überhaupt will", erzählt die Schülerin, die aufs Gymnasium in Niesky geht. Teil eins ihres Programms könnte auch ihre Geschichte werden. Denn vor allem die Welt der Musicals hat es ihr angetan. "Die CD ,Tanz der Vampire' habe ich immer wieder rauf- und runtergehört."

Sieben Jahre war Michelle, als sie diese geschenkt bekam. Danach hat sie das Metier nicht mehr losgelassen. "Die Broadway-Musicals haben es mir angetan. Vor allem die aus der 50er- und 60er-Jahren." Die mit dem ganz großen Auftritt eben. Da fallen Namen wie "My fair Lady", "Funny Girl" oder auch "Sound of Music".

Ein Titel der Eliza aus "My fair Lady" gehörte deshalb auch zu ihrem eigenen Programm. Vor dem sei sie beim Ausscheid überhaupt nicht aufgeregt gewesen, versichert Michelle. Umso mehr ihre Eltern. Die sind sicher, dass egal, welchen Beruf ihre Tochter einmal ausüben wird, die Musikschulausbildung einen hohen Einfluss auf ihre Persönlichkeitsbildung haben werde.

Michelle ist mit viel Spaß dabei, lernt neben dem Gesang nun auch Klavier. "Es ist nicht schlecht, wenn man sich später am Klavier mal selbst begleiten kann", sagt die 15-Jährige und schmunzelt. Doch das ist noch Zukunftsmusik.