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| 17:51 Uhr

Wachsmannhaus Niesky
Museum setzt auf einfache Sprache und audiovisuelle Führung

Auch Petra Rudolph freut sich, den Erklärungen jetzt mühelos folgen zu können.
Auch Petra Rudolph freut sich, den Erklärungen jetzt mühelos folgen zu können. FOTO: Uwe Menschner
Niesky. Im Nieskyer Wachsmannhaus gibt es jetzt spezielle Angebote für Hör- und Sehgeschädigte. Neu angeschaffte Audioguides machen es möglich. Von Uwe Menschner

„Nach oben führt eine Treppe. Sie hat viele Farben.“ Die Stimme spricht langsam und sehr deutlich. Die Sätze sind kurz und sprachlich klar voneinander getrennt. Es scheint, als wolle jemand einem Kind etwas erklären. „Einfache Sprache“ – so wird diese Methode bezeichnet, die dazu beiträgt, Menschen mit Behinderungen  die Teilhabe am öffentlichen Leben zu erleichtern. Auf „einfache Sprache“ ist auch der Audioguide programmierbar, der zur Führung durch das Nieskyer Wachsmannhaus einlädt.

„Davon profitieren nicht nur Menschen mit einer geistigen Behinderung, sondern auch wir“, erklärt Ines Reimann. Sie ist Vorsitzende der Selbsthilfegruppe für Hörgeschädigte Niesky und freut sich über die neuen Möglichkeiten, die das Museum im Wachsmannhaus ihr und den anderen Gruppenmitgliedern bietet. „Hörgeschädigte hören nicht einfach nur schlechter als andere Menschen; bei uns funktioniert die gesamte Verarbeitung dieser Wahrnehmung langsamer. Deshalb hilft uns die einfache Sprache, das Gesagte besser zu verstehen.“

Ein paar Knöpfe gedrückt und die Kopfhörer wieder aufgesetzt – die Stimme spricht noch immer langsam und deutlich, die Sätze sind aber jetzt länger, enthalten mehr Eigenschaftswörter, tragen einen beschreibenden Charakter. Wenn man die Augen schließt, entsteht vor ihnen ein Bild, die durch das Gesprochene Kontur erhält. Willkommen im Modus „Audiovisuelle Führung“, dem Angebot für sehbehinderte Besucher. Er liefert eine exakte Beschreibung des Raumes, in dem sich der Nutzer gerade aufhält oder dessen Informationen er abruft.
Das kleine schwarze Gerät mit den großen Tasten ersetzt in diesem Falle das Augenlicht, ermöglicht es, den Raum, wenn schon nicht zu sehen, so ihn sich doch wenigstens vorzustellen. Für Sehbehinderte eine wertvolle Hilfe, für „normal“ Sehende eher anstrengend, doppeln sich doch für sie die Informationen. Doch an diese Zielgruppe ist ebenfalls gedacht: Genau wie jeder x-beliebige Audioguide bietet auch der des Wachsmannhauses einen ganz normalen Führungsmodus.
Neben den Guides gibt es jetzt außerdem eine FM-Anlage, mit deren Hilfe eine ganze Gruppe von Hörgeschädigten miteinander in Verbindung bleiben und gesprochenen Texten lauschen kann.

Barrieren abzubauen – dies ist das Ziel, das das Team des Museums im Wachsmannhaus mit dem neuen technischen Equipment verfolgt. „Ich habe im vorigen Jahr viel über dieses Themengebiet erfahren und gelernt, dass man Barrieren nicht immer sehen oder körperlich spüren kann“, erklärt Museumspädagogin Claudia Wieltsch. Die Eingangstreppe mit einer Rampe zu umfahren und ein Blech über die Türschwelle zu legen, bedurfte noch keiner großen externen Hilfe.  Anders die neuen Guides: „Die Texte wurden von einer spezialisierten Firma lektoriert und von professionellen Schauspielern eingesprochen“, so die Pädagogin. Große Hilfe habe auch die Zentralbibliothek für Hörgeschädigte in Leipzig geleistet.

Für Ines Reimann ist damit „ein Traum in Erfüllung gegangen. Wie oft habe ich bei den Nieskyer Oberbürgermeistern, erst Wolfgang Rückert, dann Beate Hoffmann, vorgesprochen, um auf die Problematik aufmerksam zu machen.“ Was das Wachsmannhaus jetzt ermöglicht, sei „kein Luxus, sondern sollte ganz normal sein“.

Und doch gibt es selbst in einer Kleinstadt wie Niesky noch viele Einrichtungen, in denen Menschen mit Einschränkungen rasch an Grenzen stoßen: „Im neuen Eisstadion ist die Akustik schon für Hörende schlecht; wie sollen wir da etwas verstehen?“