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| 02:52 Uhr

Mulkwitzer erkunden ihre verschneite Kippe

Die Mulkwitzer Wanderer am Rastplatz des ehemaligen Aussichtspunktes, der sich heute komplett zugewachsen präsentiert.
Die Mulkwitzer Wanderer am Rastplatz des ehemaligen Aussichtspunktes, der sich heute komplett zugewachsen präsentiert. FOTO: amz1
Mulkwitz. Erstmals seit Jahren hat die Mulkwitzer Neujahrswanderung wieder bei Schnee und Eis stattgefunden. Bei Temperaturen um minus sechs Grad Celsius begaben sich rund 50 der insgesamt 220 Einwohner auf Tour über ihre Hochkippe. Und dabei wurden sie fündig. amz1

"Hier müsste sie doch irgendwo sein", sagt Dietmar Nousch vom Mulkwitzer Dorfklub und kämpft sich auf einem schmalen Pfad durch die verschneiten Kiefern. Tatsächlich: Dann wird der rührige Mulkwitzer fündig. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich eine alte Hütte vor den Wanderern auf. Mehr noch: Die hölzerne Tür steht offen. Im Innenraum finden die Naturfreunde neben einem Handfeger, einer leeren Zigarettenschachtel und einer "Bild am Sonntag", datiert auf den 6. August 2000, sogar ein Hüttenbuch vor. Dessen erster Eintrag stammt von Pfingsten 2011. Doch die geheimnisvolle Örtlichkeit mitten im Wald gibt es bereits wesentlich länger. Genauer gesagt, schon seit dem Jahr 1964. Damals wurde die Konstruktion durch das Jagdkollektiv Schleife gebaut und im dortigen Revier platziert. Zu Beginn der 1990er-Jahre kam die Hütte via Tieflader auf die Mulkwitzer Hochkippe zum heutigen Standort. Anschließend erfolgte eine Renovierung.

Einst, so erinnert sich Dietmar Nousch, habe es dort einen prächtigen Ausblick auf die umgebende Landschaft gegeben. Schließlich befindet sich die Hochkippe 34 Meter über Gelände. Zu sehen waren unter anderem das Grausteiner Umspannwerk sowie am Horizont das rund 40 Kilometer entfernte Kraftwerk Jänschwalde. Und heute? Ist der Ausblick komplett zugewachsen. Von der Hütte kann man maximal noch drei, vier Meter weit schauen, dann versperrt ein junger Kiefernbestand den Blick. "Eigentlich schade. Sollte hier nicht mal die Säge ran?", fragt ein Wanderer, und mehrere Mitstreiter nicken. "Geht nicht, der Wald ist Privateigentum. Da können wir nicht mal einfach sägen", macht Dietmar Nousch die Hoffnungen gleich zunichte.

Durch den dichten Wald geht es dann zum nächsten Aussichtspunkt. An dieser Stelle laden zwei überdachte Holzbänke ein. Doch dort gibt es das gleiche Desaster wie bei der Jagdhütte. Wieder keine Aussicht. Das Kraftwerk Boxberg, das noch vor ein paar Jahren deutlich zu erkennen war, ist beim besten Willen nicht auszumachen. Immerhin sind die hohen Pappeln nicht ganz so dicht wie die in die Höhe geschossenen Kiefernschonungen. So lässt sich zumindest ein wenig von der gewesenen Fernsicht erahnen. Die Boxberger Kühltürme bleiben aber im Verborgenen.

Immerhin existiert noch die rasante Abfahrt von der Kippe. Diese Gelegenheit lassen sich die Kinder mit ihren Schlitten nicht entgehen. In schneller Fahrt geht es nach unten. Etwa zwischen den Jahren 1968 bis 1974 ist die Außenhalde des Tagebaus Nochten mit dessen Aufschlussmassen gekippt worden. Direkt hinein führte eine eigens gebaute Bahnlinie. Die Züge brachten den über der Kohle befindlichen Abraum, der dann zum Mulkwitzer "Minigebirge" aufgetürmt wurde.

Vor dieser Zeit erstreckte sich dort ein großes Waldgebiet. Mittendurch führte der Weg nach Spremberg. Diesen hätten die Mulkwitzer Bauern genutzt, um ihre Waren auf dem Spremberger Markt zu verkaufen, erinnern sich die Einheimischen. Selbst heute kommt man noch über die Kippe in die Spreestadt. Eine gute Ortskenntnis sei aber vonnöten, um sich nicht zu verirren, weiß Kurt Heinze. Der 78-jährige Mulkwitzer kennt sich auf der Kippe hervorragend aus. Öfter sei er dort mit dem Fahrrad unterwegs, erzählt er.

Nach knapp zwei Stunden erreichen die Wanderer wieder ihren Ausgangspunkt an der Alten Schule, wo der Glühwein wartet. Nächster Höhepunkt im Dorfleben ist das traditionelle Zampern. Es findet am 11. Februar statt.