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| 15:50 Uhr

Mühlrose
Mühlroser Christkind besucht die Senioren

Das Mühlroser Christkind brachte den Einwohnern zur Seniorenweihnachtsfeier im Gasthaus Glück und Segen.
Das Mühlroser Christkind brachte den Einwohnern zur Seniorenweihnachtsfeier im Gasthaus Glück und Segen. FOTO: Arlt Martina
Mühlrose. Sorbische Tradition im Trebendorfer Ortsteil wird fortgeführt. Tagebau-Thema beschäftigt die Einwohner massiv. Von Martina Arlt

Nach alter Tradition hat es auch in diesem Jahr eine Weihnachtsfeier für die Mühlroser Senioren im Gasthaus „Zur Erholung“ gegeben. So soll es auch bleiben, so lange es dieses Dorf am Tagebaurand noch gibt. Dafür setzt sich der Vereinschef Ernst-Gerd Paufler vom Kultur- und Sportverein Mühlrose mit seinen 52 Mitstreitern ein. Diesem Gremium gehören alle weiteren Vereine des Ortes an, die an einem Strang ziehen.

38 Senioren kommen zur Weihnachtsfeier. Silvia Seitz sorgt dafür, dass das Mühlroser Christkind im Ort und zur Seniorenweihnachtsfeier unterwegs ist. Bereits am Nachmittag wurden jene Menschen in Mühlrose besucht, die nicht mehr an der Weihnachtsfeier teilnehmen können. Am späten Nachmittag erreicht das Christkind mit seinen Begleiterinnen das Lokal. Jedem Gast werden Glück und Segen gewünscht.

Allerdings müssen sich die Mühlroser mit der Umsiedlung ihres Ortes aufgrund des Tagebaus Nochten befassen. Auch darüber wird während der Weihnachtsfeier diskutiert. Liesbeth Fabian ist 74 Jahre alt und in Mühlrose geboren: „Seit vielen Jahrzehnten leben wir mit dem Tagebau, sind von der Kohle umgeben. Es rückte die Umsiedlung in Richtung Schleife immer näher, und wir mussten uns damit einfach abfinden. An den Häusern wurde nichts mehr gemacht. Ich wünsche mir jetzt eine schnelle Entscheidung, ich möchte einfach zur Ruhe kommen. Doch langsam fehlt uns der Glaube an die Politik, wie man mit uns umgeht.“

Frust kommt bei Annemarie Urbank (70) auf, wenn sie an die Umsiedlung denkt: „Auch ich bin in Mühlrose geboren. Wir lebten mit dem Tagebau und waren stets von Dreck und Lärm umgeben. Wir sind nur von einem Grubengelände umgeben, von einem Loch. Nun stehen wir vor einer Umsiedlung, die besonders in diesen Tagen in Frage gestellt wird. Wir alle haben kein Land, keinen Wald mehr, wir besitzen nur noch unser Grundstück. Fast alle Wege nach außen sind uns genommen. Auch die Straße nach Schleife soll noch folgen. Ich frage mich, was der Grund ist, dass dazu nun keine Entscheidung fällt. Im März 2018 wurde sogar im Fernsehen von unserer Umsiedlung berichtet, die beschlossene Sache war. Sollte sie nicht kommen, sind die letzten jungen Leute auch noch weg“, vermutet Annemarie Urbank.