Die Ungewissheit macht den Mühlrosern arg zu schaffen. Wolfgang Martins Appell an den Gemeinderat war deshalb eindeutig. "Bitte unterstützt Mühlrose", forderte er vor einigen Tagen. Denn die Menschen in dem Trebendorfer Ortsteil befürchten, ihr Dorf steht kurz davor, geteilt zu werden.

Denn es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die Kohlebagger die Grundstücke am Damm von Mühlrose schlucken. Diese liegen im genehmigten Abbaufeld I vom Tagebau Nochten. Der Großteil des Dorfes aber gehört zum Abbaufeld II, hinter dem derzeit bekanntlich riesige Fragezeichen stehen. Dafür hat das Unternehmen Vattenfall gesorgt, weil es seine Braunkohlensparte verkaufen will.

Bereits im Jahr 2006 hatten sich die Mühlroser die Zusage von Politik und Vattenfall erkämpft, bereits vorzeitig - sprich mit den Leuten vom Damm - umzusiedeln. Sie wollten einfach nicht noch jahrelang dem Dreck und Lärm des Bergbaus ausgesetzt sein. Denn auf seinem Weg von Trebendorf-Hinterberg würde der Tagebau Nochten I Mühlrose regelrecht von der Außenwelt abschneiden. Die verbliebenen Zufahrtsstraßen und Wälder würden verschwinden. Wenn der Tagebau bei Mulkwitz endet, ließe dieser Mühlrose als Halbinsel zurück. Das lehnten die Mühlroser konsequent ab.

Die jetzige Situation ist für die Mühlroser wie ein Déjà-vu. Denn niemand wisse, ob sich der neue Eigentümer der Braunkohlen sparte an die alten Abmachungen halte.

"Die Lage, die bei der Umsiedlung vom Damm entsteht, ist eine Katastrophe. Nur noch eine Straße würde aus dem Ort führen", so Wolfgang Martin, der ergänzte: "Das wäre keine Lebensqualität." An Bürgermeisterin Kerstin Antonius (Wählervereinigung) gewandt bat Martin, die Bedenken der Mühlroser gegenüber der Staatsregierung zu vertreten. "Ich kann dir nur zustimmen, es ist eine unhaltbare Situation", entgegnete die Trebendorferin. Sie berichtete von Gesprächen mit den Familien, die am Mühlroser Damm zuhause sind und umsiedeln könnten, aber das eigentlich mit dem gesamten Dorf machen wollten. "Sie wollen warten, bis zu Nochten II eine Entscheidung gefallen ist. Ich kann nur den Hut ziehen vor diesen Menschen", unterstrich Kerstin Antonius.

In ihrer Stellungnahme zum Hauptbetriebsplan 2016/2017 des Tagebaus Nochten hat die Gemeinde Trebendorf gegenüber dem sächsischen Oberbergamt eine klare Position bezogen, was Mühlrose angeht: Entgegen bisheriger Aussagen erfolge keine sozialverträgliche Umsiedlung. Einschränkungen bei der Waldnutzung, in der Naherholung, sowie durch Wind-, Staub- und Lärmbelastungen nehmen zu. In der Kritik stehen ebenfalls eingeschränkte Verkehrswege. Rettungskräfte würden längere Anfahrtswege haben, als vom Land Sachsen vorgeschrieben.