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Aus dem Gericht
Motorrad-Dieb kommt mit einem blauen Auge davon

FOTO: Janetzko, Katrin / LR
Niesky/Weißwasser. Geständnis lässt Richter trotz vieler Vorstrafen milde urteilen gegen einen 35-Jährigen aus Niesky. Von Marlies Tieke

Durch sein umfangreiches Geständnis ist die Freiheitsstrafe von sechs Monaten für einen 35-Jährigen aus Niesky zur Bewährung ausgesetzt worden, obwohl der Diebstahlschaden sehr hoch und das Vorstrafenregister ziemlich lang sind.

Mit seinem Kumpel Frank B.* und dessen Auto war der Angeklagte Sandro K.* in einer Oktobernacht nach Uhsmannsdorf gefahren, um dort aus einem Schuppen ein Motorrad der Marke ETZ 250, Baujahr 1986, zu stehlen. Ohne im Besitz eines Führerscheins zu sein, fuhr K. dann die gestohlene Maschine zur Garage von B. nach Niesky und stellte sie dort ab. Die Staatsanwaltschaft Görlitz hatte ihn deshalb wegen Diebstahls in Tateinheit mit Fahren ohne Führerschein angeklagt. In der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht in Weißwasser legte der 35- jährige Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab und belastete dabei seinen Kumpel, weil dieser die Tat geplant und ausgeführt habe. Die Staatsanwaltschaft wird deshalb ein Verfahren gegen B. einleiten.

„Ich habe mich da reinziehen lassen“, zeigt sich K. reuig. Er habe lediglich die MZ nach Niesky gefahren. „Ab da habe ich das Motorrad nicht mehr gesehen“, erklärte er weiter. Die Schlösser am Schuppen  hat B. mit einem Bolzenschneider aufgebrochen und auch das Lenkerschloss geknackt. Das Motorrad hat dieser anschließend in seiner Garage in Einzelteile zerlegt und zum Verkauf angeboten.

Der als Zeuge geladene Geschädigte bezifferte den Zeitwert seines gestohlenen Oldtimer-Motorrades auf 3000 Euro. Nach seiner Aussage befand die Maschine sich in einem sehr guten Zustand. Den Angeklagten kannte er von früher, weil beide gemeinsam in einem Ort aufgewachsen sind. „Zwei Räder wegfinden war schon immer ein Hobby von Sandro“, sagt er. Dem  Angeklagten ist die Sache offenbar peinlich, denn er entschuldigt sich beim Geschädigten.

Die Hauptverhandlung zu diesem Diebstahl war bereits vor einigen Wochen angesetzt gewesen. Weil der Angeklagte aber nicht zum Termin erschien, kam er in Ungehorsamshaft. Von dort wurde er in Handschellen zur Verhandlung vorgeführt. Richter Ralph Rehm verurteilte ihn zu dieser Freiheitsstrafe. Die Bewährungszeit setzte er auf drei Jahre fest. Außerdem erteilte er die Auflage, dass K. innerhalb von vier Monaten 60 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten hat.