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Renaturierung
Die kleine Schwester mäandert nun auch

Corina Fiskal vor dem renaturierten Modergraben am Ortsrand von Neuliebel. Das Projekt, das in mehreren Abschnitten umgesetzt wurde, konnte dieser Tage abgeschlossen werden.
Corina Fiskal vor dem renaturierten Modergraben am Ortsrand von Neuliebel. Das Projekt, das in mehreren Abschnitten umgesetzt wurde, konnte dieser Tage abgeschlossen werden. FOTO: Regina Weiß / LR
Neuliebel. Tagebaue verändern seit vielen Jahrzehnten die Kulturlandschaft in der Lausitz. Aber es bleibt aber nicht Wüste, wo die Bagger durchmarschiert sind. Der Modergraben in Neuliebel musste einst dem Kohleabbau weichen. Jetzt schlängelt er wieder als neues Biotop durch die Oberlausitz. Von Regina Weiß

Die Sonne hat wieder  Platz, um sich im Pechteich zu spiegeln. Vor Jahren versank ihr Strahlen im Schilf. 2010 begann das Schöps-Projekt – die Umverlegung und Renaturierung des Flusses zwischen Rietschen und Boxberg – mit der Entschlammung und Entkrautung eben jenen Gewässers. Gleich neben dem Anfang wurde dieser Tage nun der Schlusspunkt für die Baumaßnahme Modergraben gesetzt.

„Er ist die kleine Schwester des Schöpses“, bezeichnet ihn Corina Fiskal, Projektleiterin bei der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag). Da Geschwister bekanntlich gut im Nacheifern sind, schlängelt sich nun auch der Modergraben durch die Landschaft nahe Neuliebel. Er mäandert in einem natürlichen gestalteten Flussbett, wie es der große Bruder schon seit Jahren vormacht.

Noch vor Jahren sah das ganz anders aus. Das Quellgebiet des Grabens liegt südlich von Nieder Prauske. Von dort ging es weiter durch den Pechteich in die sogenannte Wasserhaltung drei der Tagebaurand­entwässerung. Vor dem Kohleabbau mündete der Graben schließlich im Altlauf vom Schwarzen Schöps.

Als der Planfeststellungsbeschluss für das Schöps-Projekt 2011 damals noch an Vattenfall übergeben werden konnte, war klar, dass es Änderungen im Bauablauf geben wird. Das erste Planänderungsverfahren von dann insgesamt 14 betraf den Modergraben. Denn der sollte eigentlich erst viel später umgesetzt werden, erinnert sich Corina Fiskal. Nun hat sie im übertragenen Sinne nicht nur den Schöps ins neue Bett gepackt, sondern auch die kleine Schwester.

Von den neun Kilometern Länge wurden rund sieben neu gebaut oder renaturiert. Allein 3,7 Kilometer umfasst der Lückenschluss zwischen dem Pechteich und der Senke Neuliebel. Nur über diesen Neubau ist es möglich, den Graben als Vorflut wieder zu nutzen. Er ist ein wichtiges Element für die Hochwasserentlastung, unterstreicht Corina Fiskal. Im Falle eines Falles könne man den Wasserlauf durch einen Schieber regulieren. Regulär soll in freiem Gefälle die Senke Neuliebel mit Wasser versorgt werden. Das Nass kann dann nach der Senke über den neugebauten Modergraben in Richtung Reichwalde abfließen. Dafür wurde dort der Vorfluter renaturiert und ausgebaut. Laut Leag passierte das wie folgt: Es wurde das Profil aufgeweitet und Strukturelement wie Totholzstubben eingebaut. Dieser Teil des Projektes konnte bereits vor zwei Jahren abgeschlossen werden.

Rund 4,3 Millionen Euro hat sich die Leag das Projekt Modergraben, das nun bis auf einige Restarbeiten und das Monitoring abgeschlossen ist, kosten lassen. Darüber freut sich Corina Fiskal, aber sie ist gleichzeitig auch wehmütig. Das Projektbüro „Schöpsumzug“ der Leag hat bereits seine Zelte in Rietschen abgebrochen. „Mir ist es schon sehr schwer gefallen, denn wir haben uns in Rietschen sehr gut angenommen gefühlt“, gibt Corina Fiskal gegenüber der RUNDSCHAU zu. Schwer war der Auszug quasi im doppelten Sinn. Denn 250 Aktenordner wanderten ins Archiv.

Glücklicherweise lässt Corina Fiskal aber das Schöpsprojekt noch nicht los. Der letzte Teilabschnitt muss noch an die Landestalsperrenverwaltung übergeben werden. Beim Modergraben, es ist ein Gewässer zweiter Ordnung, soll die Übergabe an die Kommunen Rietschen und Boxberg im Jahr 2020 erfolgen.

Bis dahin und darüber hinaus wird geguckt, ob sich die Gewässer auch so entwickeln, wie es geplant ist. Der naturnahe Gewässerlauf mit wechselnden Böschungsneigungen und verschiedenen Strukturen soll ein mäanderer Biotopverbund werden, wo sich Insekten, Amphibien, Fische, Vögel und Co. wohlfühlen. Fakt ist, im Pechteich gedeihen Karpfen und Schleie. Und in dem ehemaligen Trafohäuschen, dem neuen Artenschutzturm, hat es nicht lange gebraucht, bis Fledermäuse, Schwalben und Turmfalken einzogen. Nur das Storchennest muss Adebar noch anlocken.

Was jetzt noch fehlt, sind Informationstafeln zum Artenschutzturm und dem Modergraben. Diese werden noch aufgebaut. Dann können nicht nur die Neuliebeler lesen, was vor ihrer eigenen Haustür gebaut wurde, sondern auch Touristen. Denn nur einen Steinwurf vom schlängelnden Wasser entfernt führt der Wolfsradweg vorbei .

Der Pechteich ist offizielles Angelgewässer des Anglerverbandes Elbflorenz. Im Zuge der Schöpsverlegung war die Entkrautung des Teiches erfolgt.
Der Pechteich ist offizielles Angelgewässer des Anglerverbandes Elbflorenz. Im Zuge der Schöpsverlegung war die Entkrautung des Teiches erfolgt. FOTO: Regina Weiß / LR
Der Fledermausturm ist zur Landmarke geworden. Mehrere Tiere nutzen es. Nur das Storchennest auf dem Dach wartet auf noch auf Adebar.
Der Fledermausturm ist zur Landmarke geworden. Mehrere Tiere nutzen es. Nur das Storchennest auf dem Dach wartet auf noch auf Adebar. FOTO: Regina Weiß / LR