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| 11:35 Uhr

Aus dem Görlitzer Kreistag
Mobilfunknetz gleicht Flickenteppich

 Mit dem Handy zu telefonieren, kann an einigen Stellen im Landkreis Görlitz zur Herausforderung werden. Zum zweiten Mal hat die Kreisverwaltung die Lage analysiert.
Mit dem Handy zu telefonieren, kann an einigen Stellen im Landkreis Görlitz zur Herausforderung werden. Zum zweiten Mal hat die Kreisverwaltung die Lage analysiert. FOTO: dpa / Hauke-Christian Dittrich
Görlitz. Seit 2014 hat sich im Landkreis Görlitz in Sachen Netzabdeckung nicht viel getan. Der Leiter des Kreisentwicklungsamtes wünscht sich mehr politischen Druck auf die Anbieter. Von Uwe Menschner

Der Landkreis Görlitz gleicht hinsichtlich der Mobilfunkversorgung nach wie vor einem Flickenteppich. Dies geht aus einer diesbezüglichen Erhebung hervor, die der Leiter des Kreisentwicklungsamtes, Holger Freymann, jetzt vor dem Kreistag vorgestellt hat. „In einigen Teilen des Kreises muss im Vergleich zur ersten Erhebung von 2012 sogar eine Verschlechterung festgestellt werden“, so der Amtsleiter. Dazu zählten vor allem der nördliche Teil sowie das Grenzgebiet zu Polen. Im Stadtgebiet Görlitz sowie im Bereich Großschönau/Seifhennersdorf gebe es hingegen leichte Verbesserungen.

Die Versorgung mit stabilen und leistungsfähigen Mobilfunknetzen stellt laut Holger Freymann keineswegs einen dem Zeitgeist geschuldeten Luxus, sondern eine lebenswichtige Notwendigkeit dar. „In der Folge der Hochwasserereignisse von 2010 mussten wir erhebliche Kommunikationsdefizite feststellen“, blickt der Amtsleiter zurück. Deshalb habe sich der Landkreis 2012 zu einer ersten Analyse entschlossen. Dazu schaltete er ein Portal, auf dem von Oktober bis Dezember 2012 circa 2000 Störungsmeldungen eingingen.

Diese Vorgehensweise sorgte für überregionales Medieninteresse, in dessen Ergebnis die zwei größten Anbieter, Telekom und Vodafone, das Gespräch mit der Kreisverwaltung suchten. In diesem Zuge konnten laut Holger Freymann „einige lokale Einzellösungen“ durch die Nutzung von Feuerwachtürmen als Sendestandorte gefunden werden. „An der Grundsituation der Unterversorgung änderte sich aber nichts“, so der Amtsleiter ernüchtert. Insbesondere an der Grenze zu Polen sowie im dünn besiedelten ländlichen Raum im Norden des Kreises, speziell an den Bundes- und Staatsstraßen, kam es teilweise sogar zu Verschlechterungen. Holger Freymann zitierte hierzu einen Telekom-Sprecher mit dem Ausspruch: „Wir versorgen Menschen, nicht Fuchs und Hase.“ Mit dem dritten Anbieter, Telefonica (O2), sei noch kein Kontakt zustandegekommen.

Die derzeitige Situation hat der Landkreis aufwendig in einem dreistufigen Verfahren evaluiert. Zunächst fuhren Mitarbeiter des Kreisentwicklungsamtes den Landkreis ab und stellten Messungen mit handelsüblichen Tablets an. In einem zweiten Schritt maß die Viridas GmbH wissenschaftlich Feld-
stärken und Empfangsbedingungen der drei großen Anbieter. Den dritten Schritt bildete – ähnlich wie 2013/2014 – eine Bürgerbefragung.

Als Schwerpunkte kristallisierten sich dabei die Gebiete Rothenburg/Rietschen/Niesky, Groß Düben/Gablenz, Reichwalde/Kringelsdorf sowie Mücka/Quitzdorf am See heraus. Entlang der B 115, B 156, S 127 und K 8481 gibt es demnach im Bereich des Truppenübungsplatzes Oberlausitz über weite Strecken gar keinen Empfang. Keine Probleme gebe es hingegen im Korridor entlang der Bundesautobahn 4. Im Süden des Landkreises zeigen sich die Defizite vor allem in den Tälern des Oberlausitzer Berglandes und des Zittauer Gebirges. Generell sei es außerhalb der Ortslagen schwierig, mobil zu telefonieren. „Damit ist in weiten Teilen des Landkreises ein Grundbaustein der Daseinsfürsorge nicht abgesichert, der in Notfall- und Katastrophenfällen von existenzieller Bedeutung ist“, so das erschreckende Fazit des obersten Kreisentwicklers.

Was kann getan werden? Holger Freymann sieht in klaren politischen Vorgaben an die Netzbetreiber die einzige Möglichkeit, die Situation entscheidend zu verbessern. „Neben einer Verpflichtung, Mobilfunk als Daseinsvorsorge flächendeckend zu sichern, wären eine Kooperationsverpflichtung zur gemeinsamen Nutzung von Maststandorten und ein Planungsvorrang mögliche Lösungsansätze.“ Doch auch in der Bevölkerung selbst müsse ein Umdenken stattfinden: „Wir alle wollen eine stabile Netzabdeckung, aber keinen Sendemast vor der eigenen Haustür.“ Kommunen müssten stärker als bisher Bereitschaft zeigen, Grundstücke und Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Hinsichtlich der von der Kohlekommission vorgeschlagenen Etablierung einer Testregion für den modernen 5G-Standard erklärt Landrat Bernd Lange (CDU): „Außer diesen Vorschlägen ist mir dazu noch nichts bekannt.“