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| 02:50 Uhr

Mobile Jugendarbeit lädt Bürger ein

Weißwasser. Die Mobile Jugendarbeit in Weißwasser verfügt über eine vielfältige Vereinsarbeit. Inzwischen tritt sie zudem die Funktionsnachfolge der Turmvilla Bad Muskau an. Sie ist einer von sieben Trägern der Freien Jugendhilfe in der Stadt. Christian Köhler

Als die Mobile Jugendarbeit in Weißwasser 1992 als Projektgruppe angefangen hatte, war das spätere Alternative Jugendzentrum in der Garage (AJZ) zunächst als Cliquentreffen gedacht. "Wir als Streetworker hatten damals noch eine ganz andere Problemlage als heute", erklärt Christian Klämbt vom Verein der Mobilen Jugendarbeit in Weißwasser. Damals bestand die Arbeit des Vereins hauptsächlich darin, Jugendliche auf der Straße zu erreichen, an die über herkömmliche Jugendangebote nicht mehr heranzukommen war. "Wir hatten es seinerzeit mit vielen Gruppen rechtsorientierter Jugendlicher zu tun", erinnert sich Klämbt.

Der Streetworker weiß, dass es nicht so einfach ist, als Einzelner auf eine größere Gruppe zuzugehen und das Gespräch zu suchen. "Das war damals schwierig und ist es auch heute noch", beschreibt er. Dabei bieten die beiden Weißwasseraner Streetworker vor allem Beratung und Unterstützung - "und zwar für alle Altersklassen." Während die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus nie ganz verschwunden ist, geht es heute viel mehr um Motivation und den "Kampf gegen Schwellenängste". "Es geht darum, dass manche Menschen motiviert werden müssen, beispielsweise Ämtergänge zu erledigen, ihren Drogenkonsum zu therapieren oder zumindest einzuschränken", sagt Christian Klämbt.

Aus Cliquentreff wird "Garage

Dabei entwickelte sich die mobile Jugendarbeit zunächst aus einem Treffpunkt heraus: Über die Jahre sind immer mehr Jugendliche zum Cliquentreff gekommen, die jeweils ganz verschiedene Interessen hatten. 1997 wurde, um den Bedürfnissen der Heranwachsenden gerecht zu werden, deshalb die Garage eröffnet. Dort wurden seitdem ganz unterschiedliche Konzerte über Hip-Hop bis Punk und Hardcore geboten. "Uns ging es damals darum, vor allem eine Subkultur jenseits des Mainstreams zu etablieren", berichtet Klämbt. Von daher habe er sich bemüht, von Anfang an die Jugendlichen in die Arbeit des Vereins mit einzubeziehen. Sie wüssten schließlich am besten, welche Band angesagt und welche Veranstaltungen interessant wären. So konnten damals Jugendliche selbst Konzerte organisieren, Graffiti-Workshops initiieren oder Veranstaltungen auf die Beine stellen. "Das Konzept verfolgen wir noch bis heute", beschreibt Christian Klämbt. Beispielsweise können sich Schüler an die Mobile Jugendarbeit wenden, um Veranstaltungen wie das "Splash" in der Schwimmhalle oder den Kindertobetag im Jahnbad zu organisieren und anschließend darüber ihre Belegarbeiten in der gymnasialen Oberstufe anzufertigen.

Ausbau der Vereinsarbeit

Im Laufe der Jahre hat sich das Tätigkeitsfeld des Vereins stark erweitert. Als beispielsweise der Betreiber des Weihnachtsmarktes seine Arbeit eingestellt hat, übernahm kurzerhand die Garage gemeinsam mit dem Stadtverein die Organisation. Ähnlich verhält es sich seit einigen Jahren mit dem Stadtfest, welches jährlich Anfang Juli in Weißwasser stattfindet. "Die Entwicklung bei der Tätigkeit geht seit einigen Jahren weg von der reinen Arbeit für und mit Jugendlichen", erläutert Streetworker Klämbt. Gerade die Entwicklung der Bevölkerung in der Stadt sei dafür maßgeblich verantwortlich. "Auch die Gewerkschaft ist vor einigen Jahren auf uns zugekommen, ob wir sie nicht beim Organisieren des Hexenbrennens unterstützen könnten", beschreibt Klämbt eine der Folgen der Bevölkerungsentwicklung und des veränderten Bedarfes in Weißwasser. Ähnlich verhält es sich mit "Agathe Bauer", einer Veranstaltung im Innenhof des Rathauses, die die Mobile Jugendarbeit gemeinsam mit der Feuerwehr durchführt.

Als größte Veranstaltung des AJZ und der Mobilen Jugendarbeit in Weißwasser zählt das Crossing Christmas, das in abgewandelter Form seit gut zwei Jahrzehnten am ersten Weihnachtsfeiertag stattfindet und Tausende Besucher anzieht. So eine Veranstaltung sei sehr kosten- und vorbereitungsintensiv, beschreibt Christian Klämbt. Allerdings würden damit auch andere Projekte und Veranstaltungen gegenfinanziert, die eher kein breites Publikum ansprechen.

Noch breitere Angebote werden künftig eine noch größere Rolle spielen, immerhin ist die Mobile Jugendarbeit seit dem 15. Juni des vergangenen Jahres in die Fußstapfen der Turmvilla Bad Muskau getreten und seit Mitte November Mitglied im Landesverband für Soziokultur Sachsen. "Wir als Funktionsnachfolger der Soziokultur verfolgen dabei das Konzept, auch das Umland von Weißwasser und Bad Muskau miteinzubeziehen", erklärt Klämbt. Dazu sollen einzelne Veranstaltungen in Weißwassers Umlandgemeinden stattfinden. Außerdem könnten regionale Vereine sich an die Mobile Jugendarbeit wenden, um ihrerseits Projekte auch finanziell gefördert zu bekommen. Das ist vor allem über die Kulturraumförderung möglich, die die Mobile Jugendarbeit von den Landkreisen Görlitz und Bautzen erhält. Mehrere Vereine hätten sich bereits gemeldet oder sind seit Jahren an Projekten beteiligt, die zum Teil über die Kulturraumförderung finanziert werden. "Die Station Junger Naturforscher und Techniker wird beispielsweise den künstlerischen Bereich weiterhin abdecken", erklärt Klämbt.

Arbeitsfeld Familie

"Seit 1998 haben wir unser Angebot auf Hilfen zur Erziehung erweitert, beschreibt Christian Klämbt, der im Verein ebenfalls als Sozialpädagoge tätig ist. Mit drei Sozialpädagogen unterstützt so die Mobile Jugendarbeit Eltern bei der Erziehung ihrer Sprösslinge. "Solche Hilfen zur Erziehung benötigen einen besonderen Vertrauensschutz", schildert Christian Klämbt. Daher habe man sich entschieden, die Räumlichkeiten für die Sozialpädagogen ins Begegnungszentrum in die Lutherstraße in Weißwasser zu legen. Dort könnten die Mitarbeiter auch gezielt angesprochen werden.

Da das AJZ in der Berliner Straße aufgrund baulicher Mängel seit Langem nicht mehr für Konzerte zugelassen ist, hatte es sich die Mobilie Jugendarbeit zudem zur Aufgabe gemacht, nach Alternativen zu suchen. "Das Vorhaben eines Mehrgenerationenhauses in der ehemaligen Turnhalle in Weißwasser-Süd ist noch nicht vom Tisch", sagt Klämbt. Allerdings müssten dafür noch einige Vorarbeiten und Finanzierungen abgesichert werden. "Die Menschen müssen mehr mitgenommen werden und sich auch stärker einbringen", fordert der Sozialpädagoge. Leider herrsche in Weißwasser oft die Meinung vor, so Christian Klämbt, es sei nichts los. Dabei gebe es zahlreiche Angebote zur Freizeitgestaltung.

Daher wünscht sich der Streetworker, "dass mehr junge Menschen von einer Konsumenten- in eine Macherrolle" kommen. Klämbt könne sich nicht vorstellen, dass die Leute kein Interesse haben, immerhin würden sich in zahllosen Vereinen Leute engagieren, "die die Angebotspalette in Weißwasser und darüber hinaus vergrößern".

Zum Thema:
Die Mobile Jugendarbeit Weißwasser ist einer der freien Träger der Jugendhilfe im Landkreis Görlitz. Sie sitzt im Alternativen Jugendzentrum Garage "AJZ" an der Berliner Straße und im Begegnungszentrum in der Lutherstraße in Weißwasser. Der Verein ist unter Telefon 03576 28960 und im Internet unter www.garagewsw.de zu erreichen.Die Mobile Jugendarbeit ist der sechste von sieben Trägern der freien Jugendhilfe in Weißwasser, den die RUNDSCHAU in einer losen Folge vorstellt.