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| 01:42 Uhr

Mitarbeiter im Krankenhaus Weißwasser fühlen sich wohler

Weißwasser. Wenn Ärzte und Pflegekräfte das Gefühl bekommen, nur noch zu „funktionieren“, oder wenn kaum noch Zeit für Gespräche und Zuwendung für kranke Menschen zu bleiben scheint, sollten die Alarmglocken schrillen. Im Kreiskrankenhaus Weißwasser wurden diese Signale ernst genommen. pm/ni

Geschäftsführung und Betriebsrat wollten deshalb ein betriebliches Gesundheitsmanagement aufbauen, wie die RUNDSCHAU im Herbst letzten Jahres informierte. Bei der Suche nach einem Partner entschieden sie sich für die AOK Plus.

„Bei einem ersten Gespräch im Januar wurde uns zunächst eine Krankenstandsanalyse vorgeschlagen“, erzählt Geschäftsführerein Silvia Burghardt. „Die Analysedaten, die im April vorlagen, bestätigten, dass die psychischen Beschwerden in den Focus unserer Intervention rücken mussten.“

Im September letzten Jahres unterzeichneten beide Partner eine Rahmenvereinbarung zum betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Nach anfänglicher Skepsis würden die Mitarbeiter heute die Angebote gut annehmen, sagt die Geschäftsführerin. Dazu gehören Yoga-Kurse, aber auch das Erlernen von Entspannungstechniken oder die Reflektion über Themen des Klinikalltags im (R)Auszeittag. Komplett wurde die Mitarbeiterverpflegung umgestellt, wie bereits in der Heimatzeitung zu lesen war. „Unser neues Konzept orientiert sich an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung“, erinnert Burghardt. „Wir bieten jeden Tag drei Menüs, eines davon vegetarisch, sowie ein Salatbuffet. Sechs Wochen lang gibt es kein Gericht zweimal.“ Nach einer Gutscheinaktion zum Jahreswechsel mit einer Woche Gratis-Essen sind inzwischen die Essenszahlen deutlich angestiegen. „Mehr Mitarbeiter nehmen sich jetzt Zeit, um wirklich Pause zu machen.“ Nicht zu vergessen sei die soziale Komponente: „Es wird miteinander gegessen und gelacht – eine schöne Art zu entspannen und über die Arbeit hinaus mit den Kollegen in Kontakt zu kommen.“

Noch nicht zufrieden sei die Geschäftsführerin mit dem Erfolg der kostenlosen Nichtraucherkurse. „Aber wir bleiben dran“, verspricht Burghardt.

Besonders freut sie sich, dass jetzt Ideen für weitere Maßnahmen auch direkt aus der Belegschaft kommen. So haben sich zwei Pflegemitarbeiter bei der Unfallkasse zu Trainern für rückenschonenden Patiententransport ausbilden lassen und schulen jetzt im Schneeballsystem die Kollegen im Haus selbst.

Außerdem wird zurzeit eine Betriebsvereinbarung zum Eingliederungsmanagement erarbeitet. Vorbereitet wird ebenso eine Betriebsvereinbarung zum Thema Sucht.

„Der wesentliche Erfolgsfaktor für unser betriebliches Gesundheitsmanagement scheint zu sein, dass die Mitarbeiter spüren, dass sich der Arbeitgeber für sie und ihre Gesundheit interessiert. Auf lange Sicht trägt dies hoffentlich zu einer größeren Arbeitszufriedenheit und damit zu einer verbesserten Identifikation mit unserem Unternehmen bei“, zieht Burghardt ein Fazit. Es lasse sich nicht in Zahlen messen, aber vielleicht in weniger Krankheitstagen und mehr positiver Energie für die Patienten, hofft sie.

Das Projekt mit dem Kreiskrankenhaus Weißwasser ist eines von sechs Modellprojekten der AOK Plus, die dem Bundesministerium für Gesundheit als „Gute Praxis der betrieblichen Gesundheitsförderung“ gemeldet worden sind, teilt die Krankenkasse mit.