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| 17:30 Uhr

Bäuerliches Brauchtum
Mit Töpfen und Schüsseln zum Schlachtfest

Die Schlachteplatten mit Hackepeter und Grützwurst werden von Inge Muschalek, Ursel Domaschk, Veronika Jentho und Gudrun Stankalla (v.l.) in original Tracht aufgetischt.
Die Schlachteplatten mit Hackepeter und Grützwurst werden von Inge Muschalek, Ursel Domaschk, Veronika Jentho und Gudrun Stankalla (v.l.) in original Tracht aufgetischt. FOTO: Arlt Martina
Rohne. 300 Besucher erleben bäuerliches Brauchtum auf dem Njepila-Hof in Rohne. Hackepeter als Spezialität.

„Kak to jo bylo“ (Wie es einmal war) - unter diesem Motto stand das Schlachtschüssel-Essen am Sonnabend auf dem Njepila-Hof in Rohne. Mehr als 300 Gäste sind mit Töpfen und Schüsseln zum Njepila-Hof gepilgert, um eine alte Tradition am Leben zu halten.

Bereits seit Montag war der Vereinsvorsitzende Manfred Nickel  mit seiner Crew am Vorbereiten des Festes. Verarbeitet wurden diesmal 300 Kilogramm Schweinefleisch. Leberwurst, Grützwurst, Wellfleisch und Brühe gehörten zu den Spezialitäten des Tages. Besonders gern wurde der frische Hackepeter gekauft oder gleich vor Ort verspeist. Ronny Zehring erhielt von dem erfahrenen Fleischer Dieter Reddo viele Tipps, um diese Funktion später einmal in jüngerer Generation zu übernehmen.

Die Besucher indes ließen ihre  mitgebrachten Töpfe und Schüssel bis zum Rand füllen. „Wir verwenden noch Buchweizengrütze, wie es früher üblich war. Gewürzt wird nach altem Rezept mit Pfeffer, Salz, Piment und Majoran“, erklärt der 74-jährige Vereinsvorsitzende. 120 Schlachteplatten wurden verputzt.

Für die 40 Vereinsmitglieder und die ehrenamtlichen Helfer ist der  große Schlachttag immer ein Kraftakt. Als wichtige Utensilien für das Schlachtfest hat sich der Verein auch eine Füllmaschine, einen Rührbehälter und Fleischwolf angeschafft.

Besonders zur Mittagszeit war am Samstag der Hof voll bei Njepilas. Zu den Stammgästen gehören die Rohn´schen Einwohner aus der Gartenstraße. Sie kennen das Hausschlachten noch aus eigener Erfahrung. „Es ist wirklich ganz toll, was der Verein hier auf die Beine stellt. Zu unserem Trupp gehören zehn Leute. Wir genießen den Tag und bleiben einige Stunden, weil es so gemütlich ist“, sagen Sven, André und Henry Mischke aus der Gartenstraße.

Zum zweiten Mal kommen auch Carmen und Christian Handrick aus Bautzen nach Rohne zum Schlachtfest: „Es ist einfach ein tolles Schlachtfest, wie man es heute kaum noch erlebt. Wenn wir die schönen genähten Trachten der Frauen sehen, dann schlagen unsere Herzen höher.“

Marita Kavelmann (50) gehört seit drei Jahren dem Njepila-Verein an. Am Sonnabend war sie fürs Bedienen zuständig. 14 Frauen waren insgesamt im Einsatz, um die Gäste mit den Schlachtspezialitäten zu verwöhnen. In der Küche haben die Frauen eine original Arbeitstracht an. „Wir als Bedienung tragen heute unsere Blaudruckschürze und die Haube, so wirken wir etwas vornehmer“, sagt Marita Kavelmann lächelnd. Ihre Tochter Dana (28) ist ledig und trägt daher eine rote Schnorka, eine rote Haube und rot/weiße Bänder an der Schürze.„Das ist der feine Unterschied“, erklärt Marita Kavelmann.

Gudrun Janke (65) aus Weißwasser war zum ersten Mal beim Schlachtfest zu Gast: Sie nimmt in Kauf, für die hausschlachtenen Spezialitäten eine halbe Stunde lang anzustehen. Zur Schlachteplatte genehmigt sie sich später einen reinen Tropfen vom Njepila -Hof, den „Njepilic C’ipaty“.

Ralf Hermann schenkt als Vereinsmitglied diesmal die Getränke aus. Er erinnert sich an Kindheitserlebnisse bei zünftigen Schlachtefesten. Dass Traditionen und Bräuche so von Generation  zu Generation weitergegeben werden, erfüllt ihn mit Stolz.

(mat)