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Mit Spürsinn gegen Schmuggler und Diebe

Polizeirat Stephan Fischer ist seit wenigen Monaten Chef von 360 Mitarbeitern der Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf.
Polizeirat Stephan Fischer ist seit wenigen Monaten Chef von 360 Mitarbeitern der Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf. FOTO: Regina Weiß
Ludwigsdorf. Im Einzugsbereich der Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf sind im vergangenen Jahr 5322 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten festgestellt worden. Das ist gegenüber dem Jahr 2013 eine Steigerung von 15 Prozent. Regina Weiß

Der Freitag ist erst wenige Stunden alt, als die gemeinsame deutsch-polnische Streifengruppe zehn russische Staatsangehörige bei Kodersdorf aufgreift. Bei den Personen handelt es sich um einen 27-jährigen Mann, eine Frau mit drei sowie eine weitere Frau mit vier Kindern. Die Jüngsten sind ein Jahr alt. In einem Van waren sie auf der Autobahn bei Ludwigsdorf unerlaubt nach Deutschland gelangt, so die Bundespolizei.

Das Auto steuerte der 27-Jährige, auch wenn er nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis ist. Bei der Durchsuchung wird ein auf seinen Namen ausgestellter, gefälschter Führerschein in einer Windel eines Einjährigen gefunden. Den aufgefundenen Dokumenten zufolge stellten sowohl der Mann als auch die Frauen bereits in der Republik Polen Asylanträge.

Polizeiliche Erfahrung und Spürsinn sind es, die die Beamten der Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf in die Waagschale werfen, wenn es darum geht, unerlaubt eingereiste Menschen oder Autoschmuggler festzustellen. "Oft bleiben den Beamten nur zwei, drei Sekunden, um zu entscheiden, ob ein Auto angehalten wird", so Polizeirat Stephan Fischer.

Details und Hinweise

Dabei spielen nicht nur die Intuition eine wichtige Rolle, sondern auch Details. Das können ein besonderer Autotyp, zugehangene Fenster oder ein bis dato unbekanntes Kennzeichen sein, was den Beamten auffällt und was letztlich den Ausschlag für eine Kontrolle gibt. "Oder wir bekommen Hinweise von anderen Dienststellen", so Stephan Fischer. Dann können Autoschmuggler auch schon mal mit Nagelgurten auf der Autobahn gestoppt werden.

Dass es die Beamten dabei oft mit jungen und recht radikalen Fahrern zu tun haben, wissen sie. "Im vergangenen Jahr hatten wir einen Fall, da wurden bei der Durchfahrt im Tunnel die Fußmatten aus dem Auto geworfen. So wollte man uns abschütteln", erzählt Pressesprecher Michael Engler über einen Vorfall im Königshainer Tunnel der Autobahn 4. Diese bildet das Schwerpunktgebiet. Schließlich rollen täglich 9000 Pkw von und nach Polen, 6000 Lkw und 110 Reisebusse.

Sachverhalte "wandern"

2014 wurden 5322 Gesamtstraftaten festgestellt. Das sind 15 Prozent mehr als 2013. Damals waren es 4636 Fälle. "Wir stellen sie fest, bearbeiten sie aber nicht alle", so Stephan Fischer. Die Sachverhalte "wandern" zur Landespolizei, zum Zoll oder dem Landeskriminalamt.

Absoluter Schwerpunkt mit 3096 Fällen waren Anzeigen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz. Allein dieser Bereich, der von der unerlaubten Einreise bis zu erschlichenen Visa reicht, stieg im Vergleich zu 2013 um 27 Prozent. Allerdings geben die Beamten in Ludwigsdorf zu bedenken, dass das kein Vergleich zu der Vielzahl an Fällen sei, die beispielsweise den Direktionsbereich München betreffen.

Zum Thema:
Die Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf ist für den 65 Kilometer langen Grenzabschnitt zwischen Köbeln und Hagenwerder zuständig. 399 Eigentumsdelikte nahmen die Beamten 2014 auf. Als Erfolg werten sie 35 sichergestellte Pkw/Transporter und drei Traktoren. Spektakulär war dabei im März 2014 der Fall eines Traktors, den Diebe im Gleis der Odeg stehen ließen. An der Bahn gab es damals einen Sachschaden von rund 150 000 Euro.418-mal wurden Zigaretten- oder Tabakschmuggel aufgedeckt. 76 Prozent der Fälle wurden in Bad Muskau oder nördlich von Rothenburg festgestellt.2436 Fahndungstreffer erzielten die Beamten. Hier gab es eine Steigerung um elf Prozent gegenüber dem Jahr 2013. Dabei handelt es sich unter anderem um solche Fälle, in denen Personen wegen nicht gezahlter Geldstrafen gesucht werden.