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Mit 'nem Affen durch die Lausitz

Tim und Mark auf ihrem "Monkey Maniac", mit dem sie die Tour über 2500 Kilometer durch fünf Länder mitmachen.
Tim und Mark auf ihrem "Monkey Maniac", mit dem sie die Tour über 2500 Kilometer durch fünf Länder mitmachen. FOTO: Joachim Rehle/jor1
Weißwasser/Bad Muskau. In den Morgenstunden füllen sich die Straßen in Weißwasser mit bunten Autos. Es wird gehupt, geträllert und Sirenen heulen. Christian Köhler

Einige der bereits in die Jahre gekommenen Autos mit niederländischem Kennzeichen haben lustige Figuren auf ihren Dächern. Aufkleber, grelle Farben und skurrile Dekoteile sind überall an den Wagen. "Wir mögen die Serie ,Family Guy' mit dem Affen", erklärt Tim aus den Niederlanden den Affen auf seinem Auto. Er und Kumpel Mark fahren in fünf Tagen durch fünf Länder quer durch Europa.

Der ultimative "Road Trip": "Carbage Run" heißt die Rallye, an der die beiden teilnehmen. Jeder kann mitfahren, aber es dürfen sich nur Autos anschließen, die vor 2002 gebaut wurden und maximal 500 Euro Wert haben. Keine spießigen "Oldtimer" also, sondern "Marke Eigenbau" ist angesagt. Die Aufgabe: Europa auf ungewöhnlichen Wegen erkunden. Dabei müssen die aufgehübschten Rostlauben mehrere Tausend Kilometer zurücklegen, natürlich ganz bleiben und zudem noch möglichst originell aussehen. "Es geht nicht um Zeit oder Geschwindigkeit, sondern um den Spaß und das Abenteuer", sagt Tim.

Erst am Montag haben er und Mark sich mit gut 500 gleichgesinnten Niederländern im niedersächsischen Meppen getroffen. Von dort aus führt ihre erste Etappe auf den Bautzener Flugplatz. Dort hieß es: "Party feiern" und ausschlafen. Am Dienstag dann sind sie durch Weißwasser und Bad Muskau gezogen. "Man sieht eine Menge und fährt Wege, die man nie gefahren wäre", gesteht der 27-jährige Mark. Er nimmt zum ersten Mal an der Tour teil und hat extra Urlaub genommen. Seit zwei Monaten hat er mit Tim am Auto geschraubt - es trägt den Spitznamen "Monkey Maniac" ("wahnsinniger Affe"). "Man will natürlich auffallen und vor allem viele Leute kennenlernen", sagt Tim augenzwinkernd.

Und dazu haben die beiden jeden Abend Gelegenheit, denn der "Carbage Run" ist von langer Hand vorbereitet. Hinter der Rallye steckt eine Eventagentur, die nun seit 2009 Touren mit alten Autos über den Kontinent organisiert. Dieses Mal geht es von Meppen aus über Polen, Litauen, Lettland bis nach Estland.

Ebenfalls zum ersten Mal dabei sind Jeroen und Anita. Das junge Paar hat schon im Januar damit begonnen, ihr Auto für die Reise "vorzubereiten". "Wir wollten eigentlich einen Zeppelin auf dem Dach", erzählt Jeroen, "aber irgendwie sieht der nun aus wie eine Rakete."

Als um die Mittagszeit die Karawane über die Grenze in Bad Muskau rollt, muss selbst Bundespolizist Horst Bömig schmunzeln. "Wir kontrollieren eigentlich für den G-20-Gipfel die Einreise", sagt er, "aber heute sind die Ausreisenden auch interessant."

Zum Thema:
Was heißt "Carbage"? Der Name "Carbage Run" setzt sich aus den englischen Begriffen "Car" für Auto und "Garbage" für Schrott zusammen und beschreibt damit das Event sehr treffend. Was kostet eine ganze Woche "Carbage Run"?Das entscheidet jeder selbst. Die Organisatoren mieten zwar einen Campingplatz im Vorfeld an, aber jeder kann natürlich auch in einem Hotel übernachten. Und ob der Motor viel oder wenig Benzin schluckt, hängt vom Auto ab. Es gibt allerdings eine Startgebühr, die jeder Teilnehmer vorher zu entrichten hat.Wer kann alles mitmachen?Jeder, der über 18 Jahre alt ist, einen Führerschein hat und ein Auto, was mindestens 15 Jahre alt ist, den TÜV hat und nur 500 Euro wert ist.Was ist, wenn man unterwegs eine Panne hat?Dann heißt es: schrauben und tüfteln. Jeder Teilnehmer ist jedoch verpflichtet, einem liegen gebliebenen Teilnehmer zu helfen.Was passiert nach dem Ziel?In jedem Jahr planen die Organisatoren eine andere Strecke. Am Ziel angekommen gibt es eine Prämie für das originellste Auto. Vom Ziel aus muss allerdings jeder wieder alleine nach Hause.Wer hat "Carbage" erfunden? Bram Eigenraam, Initiator des Carbage Run, nahm 2008 selbst an einer sogenannten "Banger Rallye" in England teil, bei der er in einem alten Auto unterwegs war. In seiner Heimat, den Niederlanden, brachte er die Idee für einen Road-Trip mit. Ein Jahr später startete der erste Carbage Run in den Niederlanden und entwickelte sich zu einem riesigen Erfolg. Gibt es auch einen "Carbage Run" in Deutschland?Ja, im August 2017 startet der erste in Dresden und führt über Tschechien, Polen, die Slowakei, Ungarn und Kroatien nach Slowenien.Wo kann ich mich anmelden?Im Internet unter www.carbagerun.de .