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Mit Nase am Boden geht Orientierung verloren

Pilzsammler zieht es wieder in die Wälder. Das merkt auch die Polizei, die verirrte Pilzsucher suchen muss.
Pilzsammler zieht es wieder in die Wälder. Das merkt auch die Polizei, die verirrte Pilzsucher suchen muss. FOTO: dpa
Bernsdorf/Ralbitz-Rosenthal/Malschwitz. Sie wollten gemeinsam in die Pilze. Ob das Ehepaar in dem Wald bei Zerna fündig wurde, ist dem Polizeibericht nicht zu entnehmen. red/dh

Aber der 62-jährige Ehemann fand plötzlich seine Frau nicht mehr. Beide hatten sich aus den Augen verloren. Die Frau hatte ihr Handy vergessen. Also rief der Mann das Polizeirevier Kamenz zu Hilfe. "Als die Streife die Gesuchte eine Stunde später schließlich im Wald entdeckte, trennten sie nur noch wenige Bäume und rund 75 Meter Wegstrecke von ihrem Gatten", schildert Polizeisprecher Thomas Knaup den Fall, der sich am Donnerstag ereignet hat.

Insgesamt gleich drei derartige Fälle haben an diesem Tag die Polizei im Landkreis Bautzen über viele Stunden beschäftigt. So auch bei Zeißholz. In dem Bernsdorfer Ortsteil vermisste eine Frau zur Mittagszeit ihren 61-jährigen Ehemann. Er war von der Pilzsuche nicht nach Hause gekommen und hatte kein Handy bei. Während Streifen des Polizeireviers Hoyerswerda die Umgebung absuchten, Lautsprecherdurchsagen machten und einen Fährtenhund einsetzten, hatte sich der Vermisste dann am Nachmittag Hilfe suchend an einen Gastwirt gewandt. Die Streifen konnten den Einsatz beenden.

Deutlich aufwendiger war eine Suche bei Malschwitz in der Nacht zu Freitag: Die Frau eines 62-Jährigen meldete sich erst am späten Abend - kurz nach 22.30 Uhr - bei der Polizei. Sie machte sich große Sorgen, weil ihr Gatte von der "Pilzjagd" noch immer nicht heimgekommen war. Ein spezieller Fährtenhund begann seine Suche, auch die Rettungshundestaffel Sachsen-Ost wurde alarmiert. Die ganze Nacht über suchten mehrere Streifen und Hunde in den ausgedehnten Waldstücken rund um das Malschwitzer See- und Spreegebiet nach dem 62-Jährigen. "Sie fanden auch das Fahrrad und den Pilzkorb des Mannes, von ihm selbst aber fehlte jede Spur", so Thomas Knaup. Die Ehefrau informierte dann am Freitag gegen 6.30 Uhr die Polizei, dass der Gesuchte zwischenzeitlich zu Fuß nach Hause gekommen war.

"Zahlreiche Menschen gehen im Herbst ihrer Leidenschaft nach und begeben sich in ausgedehnte Waldstücke. Die Nase bleibt dabei sprichwörtlich am Boden haften, um jeden Pilz zu entdecken, doch dabei verlieren sie den Blick für die Umgebung und allzu schnell die Orientierung", so Thomas Knaup. "Plötzlich stehen sie irgendwo in einem Wald voller Bäume und wissen nicht mehr weiter." Er rät: Pilzsucher sollten in die Areale gehen, die sie kennen; nicht allein unterwegs sein; Sichtkontakt halten und ein Handy - mit vollgeladenem Akku - mitnehmen. So könnten sie notfalls geortet werden.