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Mit dem Kehraus-Walzer die Herzen in Shanghai erobert

Zeißig. Die Zeißiger Trachtentanzgruppe hat das Publikum des Internationalen Folk Festivals in Shanghai mit ihrem Charme verzaubert. Die Tänzer kamen mit dem Pokal als Publikumslieblings zurück aus China. Johann Tesche

Nach über zwölf Stunden in der Luft landete die Zeißiger Tanzgruppe in der Nacht vom Sonntag zum Montag wohlbehalten auf dem Dresdner Flughafen. Sie war fast eine Woche beim "International Folk Dance Festival" in Shanghai zu Gast gewesen. Noch spüren die Mitglieder der Zeißiger Tanzgruppe die Strapazen der China-Reise ganz deutlich, aber zum Ausruhen bleibt kaum Zeit. Einige müssen schon wieder arbeiten gehen, andere haben Verpflichtungen in der Familie. So wie Heidi Forche. Sie wurde am Montagmorgen bereits ungeduldig vom Enkel Eddie gefragt: "Was hast du mir den mitgebracht?"

Es war eine anstrengende Reise. "Aber wunder-, wunderschön", sagt Adelheid Herrmann, als sie am Montagmittag ihre Enkeltochter aus der Kindereinrichtung abholt. Sie ringt nach Worten, um ihre Gefühle zu beschreiben. Sie schwärmt: "Es war ganz große Klasse, wie sich die chinesischen Organisatoren und das Personal im Hotel um uns gekümmert haben."

Im Gespräch mit Anne Holder und Heidi Forche wird klar, dass es keine Erholungsreise war. Das straffe Programm während des Festivals forderte vollen Einsatz. "Die Auftritte waren zwar nur kurz, aber wir bewegten uns fast den ganzen Tag in unserer Festtagstracht: beim Frühstück, während der Proben, bei den Besichtigungstouren und zu den Auftritten am Nachmittag oder am Abend." Noch sind die Ereignisse nicht verarbeitet, doch beim Klicken durch die vielen Fotos auf dem Laptop werden die Erinnerungen lebendig an den anstrengenden Flug, die freundliche Begrüßung durch die Dolmetscherin auf dem Flughafen in Shanghai, den feierlichen Empfang der Teilnehmer am Dienstagabend und natürlich an den Höhepunkt, den Tanzwettbewerb am Mittwoch. Ob auf der Straße oder an den Festivalorten, überall waren die Zeißiger in ihren Trachten ein gefragtes Fotomotiv.

Zu den emotionalsten Ereignissen gehörte für die Zeißiger zweifellos der eigene Wettbewerbsauftritt am vergangenen Mittwoch. Angesichts der professionellen Konkurrenz glaubte kaum jemand aus der Lausitz an einen Pokal. "Nur Heidi Forche war der Meinung, wenn wir schon zum Tanzwettbewerb nach China fliegen, dann wollen wir auch einen Pokal gewinnen", verrät Anne Holder die Ambitionen ihrer Mittänzerin.

Die straffen Zeitvorgaben des Veranstalters veranlassten die Zeißiger nach reiflicher Überlegung, alles auf eine Karte zu setzen und nur den Kehrauswalzer zu zeigen. Den Besen, das wichtigste Requisit für diesen Tanz, hatten sie sich vom chinesischen Gastgeber besorgen lassen. Als Anne Holder sich gegen Ende der Darbietung, wie in der Choreografie vorgesehen, auf eben diesen echten chinesischen Straßenbesen schwang, erhoben sich die ersten Zuschauer und Jury-Mitglieder von den Plätzen und bei Standing Ovations brachten die Zeißiger den Tanz zum Abschluss. Diese Begeisterung gab schließlich den Ausschlag für den "Best Charm Award", den die Zeißiger als bleibende Erinnerung mit nach Hause nahmen.

Das Programm der folgenden Tage war eine Mischung aus Besichtigungstouren und kurzen Auftritten. Zu diesen Touren gehörte der Ausflug auf den Fernsehturm von Shanghai, den "Oriental Pearl Tower", der mit seinen 468 Metern Höhe das zweithöchste Gebäude Chinas ist.

Zeit zum Einkauf von Geschenken und Souvenirs blieb nur am Sonnabend. Begehrt waren die typischen chinesischen Hüte und Mützen, die beim gemeinsamen Rückblick auf diese ungewöhnliche und für die Tanzgruppe sicher auch einmalige Reise bestimmt wieder eine Rolle spielen werden.