„Es ist ein Film, der ohne Worte auskommt und mit Bildern erzählt. Das prädestiniert ihn wahrscheinlich für die Teilnahme an der Meisterschaft“ , mutmaßt Frank Dietrich (59) von den Senftenberger Videofilmern. Der 60-Sekunden-Film wird innerhalb der WM beim „World-Minute-Movie-Cup“ teilnehmen. „Das ist der Höhepunkt für die Amateure“ , lässt Frank Dietrich wissen. In der Regel seien es 20-Minuten-Filme, die gezeigt werden. Die Spezialfilme sind jedoch nicht länger als 60 Sekunden. „Je weniger Zeit für einen Film zur Verfügung steht, desto schwieriger wird es“ , hat der Videofilmer festgestellt. Dann müssten die Dinge auf den Punkt gebracht werden, Geschichte und Schnitt müssen straff sein.

Unica richtet das Festival aus
Dem Verband „Unica“ (Union Internationale du Cinéma - Weltverband der nichtkommerziellen Film- und Videoschaffenden) sind 26 Länder angeschlossen. Sie ist ein vollberechtigtes Mitglied des Unesco-Rates und richtet jährlich das Weltfestival der unabhängigen Filme aus. Jeder Mitgliedsland ist einmal an der Reihe. „Und dieses Jahr ist es eben Südkorea“ , sagt Dietrich. Aus Deutschland würden 260 Leute aus dem Kurzfilmbereich dabei sein. Der Beitrag „Neun“ wird sich dann nicht vor einer Fach-Jury, sondern vor Publikum beweisen müssen.
Der Kleinkoschener Filmemacher Frank Dietrich (59) hat den Minutenfilm aber nicht allein erstellt. Mit ihm arbeiteten die Mitglieder des Videoclubs daran. Das Ziel bei ihrer Arbeit ist jedoch nicht der Gewinn bei den Weltfilmfestspielen, sondern der Spaß an der Arbeit. Freude bringe der Filme-Mach-Prozess, die Möglichkeit, mit einem Menschen emotional zu berühren, in den Bann zu ziehen und sich selbst zu beweisen, dass man das was die Profis machen, selbst auch kann.

Hobby nicht ganz billig
Dieses Hobby ist allerdings nicht ganz billig: Für eine Ausrüstung müsse man schon mit 10 000 Euro pro Person rechnen, sagt Dietrich. „Die Teilnahme an der WM muss auch jeder selbst finanzieren“ , erzählt der Videofilmer. Doch nebenbei falle auch ein touristisches Ausflugsprogramm mit ab und man fährt nicht nur nach Südkorea, um sich hunderte von Filmen anzuschauen. Die Ehefrau von Frank Dietrich - Jutta Dietrich - wird ihn auf der Reise begleiten.
„Jutta ist nicht nur die Sprecherin einiger Filme, sondern auch meine schärfste Kritikerin“ , gibt der Videofilmer zu. Sie teilt die Leidenschaft ihre Ehemannes, der über das Fotografieren zum Videofilmen kam. „Das ist der übliche Weg“ , sagt er. 1969 habe er sich eine tschechische Admira gekauft - eine Normal-Acht-Kamera - und als das Videofilmen alleine keinen Spaß mehr gemacht hat, schloss er sich 1980 dem Videoclub des Kulturbundes der DDR an. „Damals gab es eine richtige Tradition der nicht-kommerziellen Filmproduktion. Da haben die Profis mit den Amateuren zusammengearbeitet. Nach der Wende löste sich das auf, weil das Geld nicht mehr reichte.“ Und die Profis hätten heutzutage auch keine Zeit mehr Amateure zu betreuen, bedauert er. Zwar habe es eine Kooperation mit der Filmhochschule Babelsberg gegeben, doch das sei irgendwann abgebrochen worden. Doch wie die Nominierung für die Weltfilmfestspiele zeigt, kommt der Club der Senftenberger Videofilmer kommt auch ohne Profis aus.

Im nächsten Jahr wird abgerechnet
Am kommenden Montag startet das Flugzeug von Frankfurt nach in die südkoreanische Hauptstadt Seoul, das „Die Dietriche“ zu den Weltfilmfestspielen fliegt. Der 59-Jährige weiß schon jetzt, wie er die langen Flugstunden verbringt: Er will sich ein neues Drehbuch für einen autobiographischen Minutenfilm überlegen, denn im nächsten Jahr wird Frank Dietrich 60 Jahre alt. Pro Lebensjahr gibt er sich eine Sekunde.
Der Film soll damit abrechnen, was er in seinem Leben erreichen wollte und was er geschafft hat. „Das ist nicht nur eine filmemacherische Herausforderung“ , weiß der Kleinkoschener Videofilmer schon jetzt.