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Mit 3,6 Promille vor Gericht

Weißwasser. Die Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht in Weißwasser beginnt mit einem "würdelosen Spektakel", so der vorsitzende Richter Ralph Rehm. Denn der zur Verhandlung vorgeladene 50-jährige Klaus P. Marlies Tieke / mtk1

* aus Weißwasser erschien betrunken und in ziemlich verwahrlostem Zustand vor Gericht, und das in Begleitung seines Betreuers. Die Verhandlungsfähigkeit des 50-Jährigen wurde angezweifelt. Richter Rehm ordnete deshalb an, dass ein Beamter aus dem Polizeirevier bei dem Angeklagten vor Ort eine Alkoholkontrolle vornimmt. Der wenig später ermittelte Wert ergab bei P. 3,6 Promille. Damit war er nicht verhandlungsfähig und wurde nach Hause geschickt. Staatsanwaltschaft, Verteidigung und der vorsitzende Richter berieten anschließend die weitere Vorgehensweise in dieser Sache. P. soll im April 2016 in den späten Nachmittagsstunden in der Bushaltestelle an der Muskauer Straße in Weißwasser einem Trinkkumpan eine Bierflasche auf den Kopf geschlagen haben. Dabei hatte dieser Schnittwunden an der rechten Hand erlitten. P. wurde deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

Eine jetzt von Richter Rehm vorgeschlagene Einstellung des Verfahrens lehnte die Staatsanwaltschaft ab, weil der Angeklagte noch unter Bewährung wegen fahrlässigem Vollrausch steht. Eine Neuansetzung der Verhandlung würde in Anbetracht der Tatsache, dass P. sich durch seinen täglichen Alkoholkonsum in einem desolaten psychischen und körperlichen Zustand befindet, wenig Sinn machen. Richter Ralph Rehm zog deshalb das Bewährungsheft mit zur Beratung hinzu. Dort hieß es unter anderem: Nach Einschätzung der Suchtberatung, zu der P. seit 18 Jahren in unregelmäßigen Abständen geht, hilft eigentlich nur noch die Unterbringung in einer stationären Einrichtung. Dies lehnte der Angeklagte bisher ab.

Sein Bewährungshelfer bestätigt in den Berichten, dass in den lückenhaften Gesprächen mit P. keine Einsicht in seine Sucht vorhanden ist und er sich hilflos gibt und nichts dagegen tun könne. Das Gericht regte deshalb an, das Strafverfahren gegen Klaus P. in einen Strafbefehl umzuwandeln. Dem stimmten die Verfahrensbeteiligten zu. P. wird einen Strafbefehl erhalten, in dem er eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je zehn Euro zu zahlen hat.