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| 14:42 Uhr

Seenland
Mit 15 km/h durch den Findlingspark

 Ulrich Klinkert schiebt Elke Köhler ins Elektromobil. Danach beginnt die Testfahrt durch den Nochtener Findlingspark.
Ulrich Klinkert schiebt Elke Köhler ins Elektromobil. Danach beginnt die Testfahrt durch den Nochtener Findlingspark. FOTO: Regina Weiß
Das neue Elektrofahrzeug bietet Platz für Rollstuhlfahrer und Personen mit Gehbehinderung. Sie können sich auf Parkrundfahrt begegeben. Von Regina Weiß

Elke Köhler ist am Dienstag zum ersten Mal im Findlingspark in Nochten, und dann wird sie gleich zur „Testpilotin“. Sie darf als erster Gast das Parkmobil nutzen. „Es war sehr schön“, freut sich die Bewohnerin vom Betreuten Wohnen in der Alten Post (Familienunternehmen Kunze) in Weißwasser. Und sie wird wiederkommen. Denn nach der ersten Turborundfahrt gibt es einen Gutschein für eine weitere Tour. Die bekommt auch Cindy Tobias aus Hoyerswerda. Sie ist „Testpilotin“ Nummer zwei. „Sehr schön. Ich werde das weiterempfehlen“, so die junge Frau.

Beide Testerinnen eint eins, sie sitzen im Rollstuhl. Zwar sind die Wege im Findlingspark breit, doch es geht eben auch hoch und runter. Wer einmal einen Gast mit dem Rollstuhl durch die Anlage geschoben hat, wisse, was er geleistet hat, so Hannelore Balko vom Vorstand des Fördervereins Findlingspark aus eigener Erfahrung. Deshalb habe die Anschaffung eines solchen Mobils schon sehr zeitnah auf der Wunschliste gestanden. Noch dazu, wo auch Besucher entsprechend nachgefragt haben. Doch manchmal müssen Wünsche langsam reifen ...

Doch dann geht alles recht schnell. Im vergangenen Jahr haben die Nochtener den Antrag bei Elvira Mirle, Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen im Landkreis Görlitz, eingereicht. Konkret geht es um das Förderprogramm „Lieblingsplätze für alle“ vom Sozialministerium. 231 000 Euro werden nach jetzigem Stand dem Kreis Görlitz für 2019 zur Verfügung gestellt. 13 Projekte profitieren davon. Eins davon ist das Parkmobil. Das Elektrofahrzeug zur Beförderung von Rollstuhlfahrern und Personen mit Gehbehinderungen wurde durch den Landkreis aus eben jenen Fördermitteln des Freistaates Sachsen finanziert. Die Anschaffung hat rund 25 000 Euro gekostet. Die Förderung beträgt 100 Prozent. Nicht nur das freut Ulrich Klinkert, Vorsitzender des Fördervereins Findlingspark, sondern auch die Schnelligkeit, mit der der Förderantrag bewilligt wurde. Dafür bekommt Elvira Mirle ein extra großes Dankeschön. Die Fachfrau weiß aus Erfahrung und der jährlichen Antragsflut, dass der Nachholbedarf bei öffentlichen Einrichtungen groß ist. „Es geht um die Teilhabe aller Menschen“, unterstreicht Elvira Mirle das Grundanliegen.

„Mit dem Einsatz dieses Fahrzeuges unterstützen wir den barrierefreien Zugang zum Findlingspark“, so Ulrich Klinkert. Bisher hatte man „nur“ Rollstühle in der Ausleihe. Mit dem Elektromobil können eine Person mit einem Rollstuhl und drei Begleitpersonen oder fünf Personen (ohne Rollstuhlfahrer) mitgenommen werden. Auf diese Weise bekommen auch Menschen mit Gehbehinderung die Möglichkeit, alle Parkbereiche kennenzulernen und die schönsten Aussichtspunkte des Findlingsparks zu genießen. Wie gut der Park für das Mobil tauglich ist, habe man in mehreren Touren getestet. Allein der „Feldherrenhügel“ bleibt außen vor. Die Rede ist vom Aussichtspunkt oberhalb von Klein-Skandinavien. „Aber wir haben auch von unserem Haltepunkt einen schönen Blick dorthin“, weiß Anita Schwitalla vom Park-Marketing. Bei mehreren Halts sollten die Mitfahrenden über die Entstehungsgeschichte der steinreichen Anlage sowie ihre blühenden Schönheiten informiert werden. Alles wie bei einer Parkführung eben.

 Blick aus dem Elektromobil auf den blühenden Lavendel im Findlingspark Nochten.
Blick aus dem Elektromobil auf den blühenden Lavendel im Findlingspark Nochten. FOTO: Regina Weiß

Zwischendurch nimmt dann das Mobil, das in Polen gebaut wurde, mit 15 km/h Fahrt auf. Es ist übrigens die geringere der beiden möglichen Geschwindigkeiten. Die Batterien haben eine Reichweite von 40 Kilometer und sind laut Ulrich Klinkert an jeder Steckdose aufladbar.

Gefahren wird das Auto von einem Mitarbeiter des Findlingsparks. Deshalb ist es zusätzlich zum Parkeintritt buchbar. Für die einstündige Tour kostet es 30 Euro, so Ulrich Klinkert. Denkbar sind auch Kooperationen mit Pflegeunternehmen. „Es muss sich alles einspielen“, so Klinkert.

Elvira Mirle bringt dann schon mal die nächste Idee ins Spiel: ein Rundgang mit Audioguides in leichter Sprache sowie für sehgeschädigte und blinde Menschen. Ein Beispiel zum Ausprobieren ist gar nicht weit weg. Über das Förderprogramm „Lieblingsplätze für alle“ gibt es seit 2017 solche Guides im Konrad-Wachsmann-Haus in Niesky.

www.findlingspark-nochten.de

 Ulrich Klinkert schiebt Elke Köhler ins Elektromobil. Danach beginnt die Testfahrt durch den Nochtener Findlingspark.
Ulrich Klinkert schiebt Elke Köhler ins Elektromobil. Danach beginnt die Testfahrt durch den Nochtener Findlingspark. FOTO: Regina Weiß