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| 02:39 Uhr

Minister will durchs Nadelöhr fahren

Rothenburg. Am Mittwoch, dem 5. (um)

November, erwartet Rothenburg/OL hohen Besuch: Der sächsische Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) will sich einen ganzen Tag lang Zeit für die Sorgen und Wünsche der Unternehmer in der östlichsten Kleinstadt des Freistaates nehmen. "Davon gibt es eine ganze Menge", weiß Bürgermeisterin Heike Böhm (SPD), die in den Wochen seit ihrem Amtsantritt am 1. August bereits zahlreiche Unternehmensbesuche absolviert hat und daher weiß, wo der Schuh drückt.

An erster Stelle steht dabei die Infrastruktur. "Zwar gibt es jetzt die Umgehungsstraße von der B 115 bis nach Deschka, aber danach stellen sich die Verkehrsverhältnisse sehr beengt dar." Spätestens ab Nieder Neundorf sei ein Begegnen zweier LKWs kaum noch ohne riskante Rangiermanöver möglich. Dieser Umstand gewinne durch die Produktionsaufnahme der Sachsenpellets GmbH im Gewerbegebiet Flugplatz an Bedeutung. "Es ist geplant, dass der Abtransport der Produkte über die Schiene, die Holzanlieferungen jedoch über die Straße erfolgen", erklärt Heike Böhm.

Die Reaktivierung der Eisenbahnstrecke Horka-Rothenburg-Lodenau soll laut der Deutschen Regionaleisenbahn GmbH bis zum November erfolgt sein. "Uns ist bewusst, dass eine Weiterführung der Umgehungsstraße über Deschka hinaus aufgrund der zu geringen Verkehrsbelegung nicht realistisch ist", so die Rothenburger Bürgermeisterin. Wegen der Größe der Fahrzeuge sei ein Ausbau der Straße jedoch dringend erforderlich, wofür man den Wirtschaftsminister am 5. November sensibilisieren wolle.

Ein weiteres gravierendes Infrastrukturproblem ist die Erreichbarkeit der Flachglaswerk Uhsmannsdorf GmbH. "Die Kreuzung mit der Uhsmannnsdorfer Straße in der Ortslage Rothenburg ist für große LKWs eigentlich zu eng", weiß Heike Böhm. Ihr Wunsch sei ein Ausbau der Kreuzung, in deren Zuge man auch eine noch vorhandene Bauruine abreißen könnte. "Minister Jurk will die Strecke selbst abfahren und sich von den Verhältnissen überzeugen", kündigt die Bürgermeisterin an. Für die Verkehrsführung innerhalb von Uhsmannsdorf wisse sie gegenwärtig selbst keine befriedigende Lösung.

Ein drittes infrastrukturelles Problem, das Heike Böhm gegenüber Thomas Jurk ansprechen will, ist die Verbindung über die Neiße nach Polen. "Es gibt im gesamten Stadtgebiet von Rothenburg keine einzige Neißebrücke, das muss sich ändern", erklärt sie. Als vordringlich betrachtet sie dabei den historischen Brückenstandort Lodenau, der zumindest für den Verkehr mit kleineren Kfz ausgebaut werden sollte.

Neben einer besseren Verkehrsanbindung gibt es allerdings noch mehr, was sich die Rothenburger Unternehmer wünschen. "Ganz wichtig ist eine größere Offenheit der Bevölkerung gegenüber innovativen Investitionen", erklärt Heike Böhm. Allzu oft würden Investoren, die etwas "Neues" ausprobieren wollen, mit Skepsis begrüßt. So habe man sich daran aufgerieben, dass für den Solarpark am Flugplatz einige Bäume gefällt werden müssen, obwohl durch die vorgesehenen Ausgleichspflanzungen viel mehr als nur bloßer Ersatz geschaffen würde. "Wenn wir für Investoren attraktiv bleiben wollen, müssen wir sie mit offenen Armen empfangen - nicht nur im Rathaus, sondern in der ganzen Stadt", fordert die Bürgermeisterin.