Weinanbau auf der Tagebaukippe? Was vor knapp zehn Jahren als ein Experiment mit unbekanntem Ausgang begann, ist heute inzwischen schöne Realität. Schließlich gedeihen auf dem Wolkenberg inmitten der Rekultivierungsflächen des Tagebaus Welzow-Süd seit drei Jahren 26 000 Rebstöcke auf sechs Hektar künstlich angelegter Südhangfläche. Die erste Ernte wird momentan gekeltert und kommt ab Sommer in Flaschen auf den Markt.

Damit dies alles möglich wird, haben Vattenfall und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus (BTU) seit acht Jahren gemeinsam geforscht und experimentiert. Unweit des heutigen Wolkenberges entstand 2005 eine kleine Versuchsfläche, auf der die drei besonders robusten Rebsorten Merzling, Ortega und Rondo angepflanzt und genau beobachtet wurden. "Das war die Kinderstube für den Weinanbau auf rekultivierten Bergbauflächen. Eine wichtige Grundvoraussetzung für den jetzigen Erfolg", sagt Doris Wüstenhagen von der Vattenfall-Abteilung Rekultivierung und Naturschutzmanagement. Allerdings sei der Versuchsstatus am Mini-Weinhang nun beendet und eine weitere Bewirtschaftung der Fläche zieht Vattenfall nicht in Betracht. "Deshalb freuen wir uns, die Anlage in die liebevollen Hände der Drebkauer Winzerfreunde legen zu können", so Doris Wüstenhagen.

Der vor einem Jahr gegründete Winzerverein Drebkau hat sich die Wiederbelebung der jahrhundertealten Weinbautraditionen in der Lausitz auf die Fahnen geschrieben. "Und zum zweiten wollen wir die Anlage für touristische Angebote öffnen. Am 1. Mai soll es zum Beispiel die erste Radtour vom Steinitzhof zum Weinhang geben", erklärt Vorsitzender Dieter Wilk. Natürlich soll die Geselligkeit bei der Pflege der Rebstöcke auch eine große Rolle spielen. Die meisten der derzeit elf Vereinsmitglieder haben im heimischen Garten selbst erste Erfahrungen mit Rebstöcken gesammelt. Noch viel wichtiger ist jedoch: Die Mehrheit der Vereinsmitglieder sind Menschen, die einst in den für den Tagebau abgebaggerten Dörfern Stradow, Buckow und Wolkenberg gelebt haben. "Hier auf dem Weinhang sind wir der alten Heimat ganz nah", sagt Hubert Gatz, der auch Vorsitzender des Stradower Heimatvereins ist.

Als erste Arbeiten im Winzerjahr haben die frisch gebackenen Weinbauern in den nächsten Wochen den Rebschnitt zu organisieren. "Dafür haben wir dem Fachmann Uwe Zeihser von der BTU Cottbus schon voriges Jahr über die Schulter geschaut", erklärt der zweite Vereinsvorsitzende Hans-Joachim Balkow. Dem Winzerverein liegen mit der Übergabe der Fläche von Vattenfall nun auch die offiziellen Reb rechte aus der Brandenburgischen Staatsreserve vor. Im vergangenen Jahr wurden an dem kleinen Weinhang 360 Kilogramm Trauben geerntet und daraus zirka 200 Flaschen Wein gekeltert. Das Keltern des Weines von der einstigen Versuchsfläche wird in Zukunft die Winzervereinigung Grano bei Guben übernehmen.