Von Regina Weiß

Auf Plänen gleich durchzusehen, ist so eine Sache. Doch die Fragezeichen beim Blick auf das Kartenmaterial in der Feuerwehr Riet­schen müssen am Mittwochnachmittag nicht groß und größer werden. Beim zweiten Bürgerdialog zur neuen Bahnstrecke zwischen Weißkeißel und Rietschen stehen genug Fachfrauen und -männer von der Deutschen Bahn (DB) und Leag bereit, um die Gäste mit den entsprechenden Informationen zu versorgen. Und zur Not hilft ein Lineal, um genau zu zeigen, wie weit die neue Bahnstrecke von der Wohnbebauung in Weißkeißels Ortsteil Haide weg ist. Zum Friedhof sind es vier Zentimeter. Umgerechnet bedeutet das 40 Meter. Zum ersten Haus sind es mehr als 150 Meter.

Fakt ist, es ist nicht die Vorzugsvariante, die sich die Bewohner des Ortsteils im Sommer beim ersten Bürgerdialog gewünscht haben. Für sie wäre die Trasse mit der weitesten Entfernung zur Wohnbebauung gerade recht gewesen. Doch das hätte auf der anderen Seite bedeutet, dass die Bahntrasse die Kommandantur des Truppenübungsplatzes Oberlausitz (TÜP) durchschneidet.

Uwe Berger, Projektleiter der DB Netz AG, erklärt der RUNDSCHAU, dass sowohl für den nördlichen als auch den südlichen Abschnitt der Neubaustrecke Kompromisse gefunden werden mussten. So hat sich eine rote Linie (siehe Grafik) herauskristallisiert. Diese ist aus vier Varianten (Haide) und drei Varianten (Rietschen) übrig geblieben. „Alle Varianten sind in der gleichen Detailtiefe betrachtet worden“, erklärt Uwe Berger. So gab es technische Kriterien für die Verkehrsanlagen, die Ingenieurbauwerke, den Straßenbau, die Betroffenheit der Anwohner (Lärm und notwendiger Grunderwerb) sowie ökologische Maßgaben. So durfte das Teich- und Naturschutzgebiet Niederspree/Hammerstadt vor Rietschen nicht zerschnitten werden. Klar war auch, dass eine Streckenführung direkt durch Haide nicht machbar gewesen wäre.

Aus technischer Sicht wurde festgelegt, dass die Strecke perspektivisch mit 160 Stundenkilometern befahren werden soll. Hinzu kam der Blick auf eine mögliche Elektrifizierung sowie ein zweites Gleis. Das alles sei zugrunde gelegt worden, um die nun herausgekommene Vorzugsvariante zu ermitteln.

Die bedeutet für die Leag, dass sie kurz vor Rietschen doch die Bahn durch ihren Tagebau fahren lassen muss. Heißt, durch Gelände, wo Kohle gewonnen werden sollte. „Das Leben ist voller Kompromisse“, kommentiert es Martin Klausch, Leiter für Bauwesen und Umsiedlungsmanagement bei der Leag. Das bedeutet, dass an der Stelle rund 2,5 Millionen Tonnen Kohle weniger aus der Erde geholt werden können, als ursprünglich geplant. Tagebau-Referent Mathias Kuhle setzt das auf Nachfrage der RUNDSCHAU mal ins Verhältnis. „Im Tagebau Reichwalde werden pro Jahr 14 Millionen Tonnen Kohle abgebaut.“

Nachdem nun die Linie der neuen Bahnstrecke feststeht, soll dieselbe 2019 weiter geplant werden. Die nächsten Phasen wären die Entwurfs- und Genehmigungsplanung, so Uwe Berger. Das sei dann auch die Zeit, wo alle Träger öffentlicher Belange (Behörden etc.) das Verfahren mit Hinweisen oder Auflagen begleiten. Danach werde entschieden, ob gebaut wird. Womit die Bahn nun bei der Politik gelandet ist. Stichwort Strukturwandel und Kohlekommission. Martin Klausch hofft, dass das Revierkonzept der Leag auch künftig noch Bestand hat. Entscheidet die Bundesregierung anders, dann steht auch die Bahnverlegung auf dem Prüfstand.

Diese wird notwendig, weil der Tagebau Reichwalde in gut zwölf Jahren ins Nordostfeld einschwenkt. Im Winterfahrplan 2026 müsste die neue, dann auf 13 Kilometer gewachsene Strecke, die in Großteilen parallel zur B 115 geht, in Betrieb gehen. Der Braunkohleplan von 1994 bestätigt die Streckenverlegung.

Heute gibt es von 15 bis 19 Uhr den Bürgerdialog zu der neuen Bahnstrecke im Dorfgemeinschaftshaus Weißkeißel.