Von Regina Weiß

Der Bärwalder See ist regelrecht von Rinnen umzingelt. Wer jetzt überlegt, wo sich wohl die Kascheler oder Boxberg-Krebaer Rinne konkret befinden, dem sei gesagt, man kann sie nicht sehen. Es sind unterirdische Formationen, die zu Eiszeiten entstanden sind. Glück­licherweise muss man heute sagen, denn aus einem dieser unterirdischen Gebirge wird künftig das Wasser stammen, was in Weißwasser, Schleife oder Sagar aus dem Hahn läuft und das die Versorgung von rund 35 000 Einwohnern und Betrieben sichert.

Petra Brünner, Geschäftsführerin, und Rüdiger Mönch, Vorsitzender vom Wasserzweckverband Mittlere Neiße-Schöps (WZV), können nach einer Beratung in Boxberg verkünden, dass sich die neue Wasserfassung auf der Zielgeraden befindet. Endlich! Denn das Thema beschäftigt die Fachleute seit 2007. Brünner und Mönch erinnern sich, dass es bei dem ganzen Thema zwischenzeitlich ganz schön zerrig zuging. Doch diese Zeiten seien vorbei. „Es ist viel Bewegung drin“, so Petra Brünner. Derzeit erarbeiten Planer aus Cottbus/Dresden/Hannover die Unterlagen für die weitere Planung für die Uferfiltratfassung am See, die notwendigen Leitungen sowie den Um- beziehungsweise Neubau des Wasserwerks Boxberg. Rechnet man das Genehmigungsverfahren ein, dann sollte Ende 2019, Anfang 2020 der Bau beginnen. „Wir wissen, das ist ein straffer Zeitplan“, sagt Petra Brünner. Auch wenn man bis Ende 2021 Zeit habe – dann läuft der Liefervertrag der Leag aus Schwarze Pumpe aus – wolle man trotzdem auf die Tube drücken. Ende 2020 soll der Probebetrieb in Boxberg anlaufen.

Der Bärwalder See hat einen unterirdischen Zu- und Abfluss von rund 20 Millionen Kubikmeter im Jahr. „Zwei Millionen Kubikmeter brauchen wir im Jahr“, erklärt Petra Brünner. Damit ist klar, dass die Brunnen eine gute Ergiebigkeit haben werden. Gleichzeitig werde die Uferfiltratfassung keine Einflüsse auf die Wasserbilanz des Sees haben. Das war ausführlich untersucht worden, um dem Tourismus im wahrsten Wortsinn nicht das Wasser abzugraben.

Auch über die Wasserqualität sind Mönch und Brünner des Lobes voll. Eine Top-Qualität habe es. Ermittelt wurde das durch umfangreiche Untersuchungen. Dazu gehören auch neun Grundwassermessstellen und zwei Pilotbrunnen, die in Ufernähe, sozusagen an Bärtas Schnauze – aus der Luft gesehen ist der See eine Ente – ihre Arbeit tun. Zwei  Brunnen werden künftig die Hauptarbeit leisten. Ein dritter bleibt für Notfälle parat. Sie werden von Trinkwasserschutzzonen umgeben sein, die zum Teil bis ins Wasser reichen. Die Boxberger treibt um, was das für Auswirkungen haben könnte. Deshalb wird Petra Brünner am Montag dazu im Gemeinderat Rede und Antwort stehen.

Eine Antwort muss es auch geben, was das Ganze kosten wird. In zwei Wochen soll eine Grobkostenschätzung vorliegen. Petra Brünner geht von fünf bis sechs Millionen Euro aus. Im Vergleich dazu: Die einst angedachte Leitung nach Sdier wäre vielfach teurer geworden. Sie ist nun definitiv vom Tisch.

In die Finanzierung von Wasserwerk, Brunnen und Rohrleitungen werden Paragraf-3-Mittel fließen. Brünner und Mönch bestätigen, dass das politische Ziel weiterhin Bestand hat, dass das Wasser nach der Investition nicht mehr als fünf Cent pro Kubikmeter teurer werden darf. Das umfasse die sogenannten Sowiesokosten. Das ist Geld, das der WZV in Wasserwerke hätte investieren müssen, wären sie nicht zum Teil aufgrund des Tagebaus und seiner Einflüsse außer Betrieb gegangen.