Herausgebrochene Bordsteine, tiefe Furchen am Straßenrand, zerfahrene Grünstreifen, abgesenkte Gullys und eine stark beschädigte Mittelinsel vor der Mittelschule in Krauschwitz. Bürgermeister Rüdiger Mönch (Freie Wähler) ist wahrhaftig nicht erfreut, wie sich die Geschwister-Scholl-Straße in Krauschwitz nach der Bekanntschaft mit den Panzerkolonnen der Deutsch-Französischen Brigade nun zeigt. "Uns ist zwar bekannt gewesen, dass in Sachsen eine große Übung stattfindet. Aber wir wurden nicht informiert über die genaue Bewegung der Militärfahrzeuge", sagt Mönch. Er hätte gern seinen Einwohnern nähere Informationen dazu gegeben - vor der Übung, um ihnen die überfallartige Begegnung mit Marder & Co. zu ersparen.

Vor allem über die B 115 und der S 123, das ist die Geschwister-Scholl-Straße, ratterten die Fahrzeuge am Tage und in den Abendstunden. "Beide Straßen liegen nicht in unserer Hoheit, sondern in der des Lande", erklärt Mönch. Nur einige Gullys sind Gemeindesache, andere des Wasserzweckverbandes Mittlere Neiße-Schöps. "Wir nehmen die Schäden auf und geben sie weiter." Sicherlich müssen Soldaten üben. Doch Mönch fragt sich, ob es nicht ausreichen würde, mit dieser schweren Technik über Waldwege zu fahren, statt auf wichtigen Straßen Schäden anzurichten.

Dabei hatte Presseoffizier Sébastien Isern vor einer Woche noch angekündigt: "Alle Teilnehmer an der Großübung werden selbstverständlich sämtliche gesetzlich vorgeschrieben Auflagen zum Schutz von Natur und Umwelt strikt einhalten und bei der Nutzung von Straßen, Wegen und Einrichtungen größte Sorgfalt und Umsicht walten lassen." Nun steht jedoch die Frage im Raum, ob die Straßen der Weißwasseraner Region überhaupt für so schwere und breite Fahrzeuge geschaffen sind. In aller Regel gilt in solchen Fällen das Verursacherprinzip. Nach Angaben des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen, kam die Bundeswehr schon in der Vergangenheit nach Manövern für ähnliche Schäden auf, wenn sie tatsächlich von ihr stammten. Zudem gibt es einen Schadensoffizier, der die Truppe bei ihrer Übung begleitet und jeden Fall protokolliert.

Gerd Preußing aus Weißwasser war der Panzerkolonne auf ihrem flotten Marsch durch Krauschwitz mit seinem Auto begegnet. "Das war schon verdammt eng für mein Auto", schildert er. Wie ist es erst, wenn sich ein vier Meter breiter Panzer-Koloss und ein Schwerlaster auf dieser nur 6,15 Meter schmalen Straße begegnen? Patrick Jurk aus Krauschwitz hat das beobachtet. Einigen Lkw blieb gar nichts anderes übrig, als ratzfatz auszuweichen. Dafür ging es über Bordsteinkanten und Gehwegsbegrünungen. "Die Umfahrung dieses Engpasses auf der B 115 führt außerdem zu drei Kilometer Mehraufwand. Bei einem durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch von 200 Liter auf 100 Kilometer ist der Geldwertvorteil einer solchen Abkürzung für Sparfüchse ins Budget eingerechnet", schreibt RUNDSCHAU-Leser Patrick Jurk unter anderem.

Die Deutsch-Französische Brigade mit Sitz im badischen Müllheim ist der weltweit einzige binationale militärische Großverband. In der Brigade versehen Angehörige der Bundeswehr und des französischen Heeres gemeinsam ihren Dienst, heißt es in einer Pressemitteilung. Ihre diesjährige Großübung mit dem Namen "Feldberg" findet noch bis zum 22. März in Sachsen statt.

An der Übung nehmen mehr als 2100 deutsche und französische Soldaten mit rund 400 Fahrzeugen aus allen Truppenteilen der Brigade teil. An diesem Wochenende erfolgt die Verlegung auf den Truppenübungsplatz Oberlausitz. Am 18. März sind die Bürgermeister der Region von den Militärs eingeladen.