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| 02:58 Uhr

Mildernde Umstände für Krücken-Schläger

Weißwasser. Mit einer Krücke soll ein junger Mann aus Zittau im Sommer 2012 seine damalige Lebensgefährtin im Streit auf den Kopf, den Arm und in den Bauch geschlagen haben. Die 35-Jährige Mutter einer kleinen Tochter musste daraufhin mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus behandelt werden. aml

Der Täter hat sich am gestrigen Dienstag vor dem Amtsgericht Weißwasser wegen schwerer Körperverletzung verantworten müssen. Er wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro verurteilt. Zum Tathergang wollte sich der 28-Jährige nicht äußern.

Einmal mehr sei es zum Streit über die Kinder gekommen, schildert seine Ex-Freundin, die neben der gemeinsamen Tochter drei Söhne aus einer früheren Beziehung hat, im Zeugenstand. Als sie die gemeinsame Wohnung in Uhsmannsdorf mit der damals einjährigen Tochter verlassen wollte, habe sich der Angeklagte in den Weg gestellt und ihr mit einer Gehhilfe auf den Kopf geschlagen. Einen zweiten Schlag habe sie mit dem Arm abwehren können. Ein weiterer Hieb trifft sie in den Bauch. Auf der Flucht aus dem Haus habe die Frau "reflexartig" die Haustür von außen abgeschlossen. Ihre Tochter habe sie zurücklassen müssen. "Ich war in Panik", so die junge Frau, "er kam hinterher und hat mit der Krücke gegen das Auto geschlagen."

In Begleitung der Polizei und einer Mitarbeiterin des Jugendamtes konnte sie ihre kleine Tochter wenig später aus der Wohnung holen. An das weitere Geschehen könne sie sich nur schemenhaft erinnern, gibt die Geschädigte an. Auf dem Weg ins Krankenhaus habe sie sich mehrmals übergeben müssen. "Ich hatte noch eine ganze Weile nach dem Vorfall Gedächtnislücken", sagt sie.

Der Angeklagte, zum Tatzeitpunkt nach einer Operation auf Gehhilfen angewiesen, war nicht alkoholisiert und habe den Übergriff auf seine Partnerin beim Eintreffen der Polizei umgehend eingeräumt, teilt eine Beamtin mit. Während der Verhandlung kämpft der junge Mann mit den Tränen. Gegenüber der Polizei hat er zu Protokoll gegeben, von seiner Ex-Freundin vor dem Schlag umgestoßen worden zu sein. Diese bestreitet das, räumt jedoch ein, der Streit hätte sich zugespitzt und wäre dann eskaliert.

Doch selbst wenn, erläutert Richter Ralph Rehm, rechtfertigt das nicht den Schlag mit einer Krücke. Die Gehhilfe sei, so Rehm, ein gefährliches Schlagwerkzeug gewesen. Die Staatsanwaltschaft plädierte daher auf schwere Körperverletzung mit mindestens sechsmonatiger Freiheitsstrafe.

"Er hat sich tausendmal entschuldigt", berichtet die Geschädigte. Die Beziehung zum Angeklagten sei zwar mit dem Vorfall beendet gewesen, doch sie hätten sich ausgesprochen und wollten auch in Zukunft gemeinsam für die Tochter sorgen. Dieser Umstand bewegte das Gericht zu einem milderen Urteil.