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Mehr Sicherheit für Neiße-Anrainer

So friedlich fließt die Witka nicht immer durch Radomierzyce. Deshalb wird der Hochwasserschutz jetzt weiter verbessert. Der Witka-Staudamm soll nach der Sanierung im Frühsommer dieses Jahres wieder in Betrieb gehen.
So friedlich fließt die Witka nicht immer durch Radomierzyce. Deshalb wird der Hochwasserschutz jetzt weiter verbessert. Der Witka-Staudamm soll nach der Sanierung im Frühsommer dieses Jahres wieder in Betrieb gehen. FOTO: Uwe Menschner/ume1
Hagenwerder. () Die Republik Polen will den Hochwasserschutz für den Ort Radomierzyce unmittelbar gegenüber dem Görlitzer Ortsteil Hagenwerder verbessern und plant dafür umfangreiche Baumaßnahmen am Fluss Witka, der hier in die Neiße mündet. Der Name "Witka" hat für manchen Bewohner der grenznahen Region an der Neiße noch heute einen bedrohlichen Klang. Uwe Menschner / ume1

() Die Republik Polen will den Hochwasserschutz für den Ort Radomierzyce unmittelbar gegenüber dem Görlitzer Ortsteil Hagenwerder verbessern und plant dafür umfangreiche Baumaßnahmen am Fluss Witka, der hier in die Neiße mündet.

Der Name "Witka" hat für manchen Bewohner der grenznahen Region an der Neiße noch heute einen bedrohlichen Klang. War es doch jener kleine Fluss, der beim verheerenden Hochwasser im August 2010 das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen brachte und die heranrollende Flutwelle auf dem Grenzfluss noch verstärkte. Vorangegangen war dem der Bruch des Staudamms der Talsperre Niedow, die die Witka unweit ihrer Mündung in die Neiße aufstaut.

Der Staudamm ist mittlerweile fast wieder hergestellt, die offizielle Inbetriebnahme soll im Frühsommer 2017 erfolgen. Doch noch immer sieht die zuständige polnische Generaldirektion für Umweltschutz den Ort Radomierzyce unzureichend geschützt und hat daher der Landesdirektion Sachsen umfangreiche Arbeiten am Lauf der Witka sowie am Ulga-Kanal, der diese bereits oberhalb des Ortes mit der Neiße verbindet, angezeigt.

"Die Planung sieht vor, an der in Fließrichtung rechten Seite des Flusses Witka die Hochwasserschutzmauer und die daran anschließenden Dämme auf einer Länge von 824 Metern um maximal einen Meter zu erhöhen. Des Weiteren ist geplant, Abschnitte des Entlastungskanals Ulga zu befestigen", fasst der zuständige Abteilungsleiter der Landesdirektion, Frank Drechsel, den Inhalt der vorgesehenen Maßnahmen zusammen.

In unmittelbarer Nähe des Planungsgebietes befindet sich das kulturhistorisch äußerst wertvolle Schloss Joachimstein (Palac Radomierzyce), das 1722 durch den Kammerherrn Augusts des Starken als "Fräuleinstift" errichtet und 2003 als Hotel und Kongresszentrum saniert wurde. Das auf einer Insel zwischen den verschiedenen Flussarmen liegende Schloss ist lediglich auf einer Seite durch eine Brücke mit dem umliegenden "Festland" verbunden, die im Zuge der Planungen eine wesentliche Rolle spielte. "Die Konstruktion der Brücke verursacht einen Rückstau des Hochwassers, was zur Folge hat, dass der Hochwasserschutzdamm auf der rechten Seite der Witka nicht den Anforderungen entspricht", heißt es dazu im Bericht der Generaldirektion für Umweltschutz. Deshalb sei als "alternative Variante" ein Umbau der Brücke betrachtet worden, nach dem diese den Wasserablauf nicht mehr so stark behindert hätte.

Diese Variante werde jedoch nicht favorisiert, da die Brücke "einen Bestandteil des historischen Schlosskomplexes darstellt" und ihre Erhöhung "die Sichtachse und kompositorische Anlage der Schlossanlage beeinträchtigt." Als unumgänglich hingegen betrachtet die Behörde die Sanierung des beim Hochwasser 2010 komplett zerstörten Kanals Ulga, da sonst die Böschung der über polnisches Gebiet führenden Bahnstrecke Görlitz-Zittau gefährdet wäre. Der Kanal liegt normalerweise trocken und führt nur in Hochwassersituationen Wasser.

Auswirkungen durch die geplanten Arbeiten auf die Hochwassergefahr am Unterlauf der Neiße sieht die polnische Umweltbehörde nicht: "Das geplante Vorhaben hat keinen Einfluss auf den Wasserstand der Neiße unterhalb der Witka-Einmündung mit den Ortslagen Hagenwerder und Leuba auf deutscher Seite." Ein Fischadlernest, das sich auf einem Strommast zwischen Witka und Ulga-Kanal befindet, soll während der Bauarbeiten besonders geschützt werden.