ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:10 Uhr

Globetrotter auf Achse
Sieben Monate auf Tour: „Europa, wir kommen!“

Das Reisefieber hat sie wieder gepackt: Martina und Roberto Burghardt aus Sagar gehen am Montag auf große Europa-Reise mit dem Fahrrad. In ihren jeweils fünf Radtaschen müssen sie alles unterbringen, was sie für die nächsten sieben Monate zum Leben brauchen: Kleidung, Zelt, Schlafsäcke, Mini-Küche und natürlich Fotoapparat, Handy und Navigationsgerät.
Das Reisefieber hat sie wieder gepackt: Martina und Roberto Burghardt aus Sagar gehen am Montag auf große Europa-Reise mit dem Fahrrad. In ihren jeweils fünf Radtaschen müssen sie alles unterbringen, was sie für die nächsten sieben Monate zum Leben brauchen: Kleidung, Zelt, Schlafsäcke, Mini-Küche und natürlich Fotoapparat, Handy und Navigationsgerät. FOTO: LR / Catrin Würz
Sagar. Martina und Roberto Burghardt aus Sagar hat das Fernweh wieder gepackt. Zum zweiten Mal gehen sie auf eine sieben Monate andauernde Reise, die sie diesmal bis zum Atlantik und wieder zurück führen wird – auf dem Drahtesel. Von Catrin Würz

Die zehn Radtaschen sind schon seit Tagen gepackt mit den wenigen Dingen, die mit auf Tour gehen können. Das kleine Häuschen in Sagar ist winterfest gemacht – und die Nachbarn sind genau instruiert. Sie werden auch die Hauskatze füttern. „Es ist alles vorbereitet. Jetzt können wir es kaum noch erwarten, dass es endlich los geht.“ Martina und Roberto Burghardt kribbelt es sozusagen schon in den Beinen. Am Montag werden sie auf ihre zweite große Tour quer durch ganz Europa starten – mit dem Drahtesel und nur mit dem Allernötigsten ausgestattet.

Vor vier Jahren hatte das Ehepaar zum ersten Mal solch ein Abenteuer gewagt. „Wir waren immer fasziniert, wenn andere Globetrotter in Reisevorträgen von ihren unglaublichen Erlebnissen berichteten“, erinnert sich Roberto Burghardt, wie bei den beiden Sagarern der Wunsch immer stärker wurde, einfach einmal ins Ungewisse aufzubrechen. „Wir waren damals Anfang 50 und haben uns gesagt. Wann, wenn nicht jetzt?“, bestätigt auch seine Frau Martina. Damals – im Frühjahr und Sommer 2014 – lenkte das Paar seine Tourenräder zunächst bis nach Paris, um von dort südlich der Alpen bis ans Schwarze Meer und von dort zurück in die Heimat zu strampeln. Genau 8747 Kilometer kamen damals in fünf Monaten zusammen. „Das war eine wahnsinnige Erfahrung – und das wollen wir jetzt noch einmal“, sagt die 56-Jährige mit dem feuerroten Lockenschopf schmunzelnd.

Das ist die Route, die Martina und Roberto Burghardt in den kommenden sieben Monaten abradeln wollen - einmal rund um Süd-Westeuropa. An welcher Stelle sie zu Weihnachten sein werden, ahnen sie heute noch nicht.
Das ist die Route, die Martina und Roberto Burghardt in den kommenden sieben Monaten abradeln wollen - einmal rund um Süd-Westeuropa. An welcher Stelle sie zu Weihnachten sein werden, ahnen sie heute noch nicht. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau

Ganz klar, das zweite Abenteuer der Burghardts wird nun noch größer und verrückter. „Denn wir werden ja durch die Wintermonate reisen. Daraus ergeben sich zwangsläufig schwierigere Bedingungen als vor vier Jahren“, bestätigt Roberto Burghardt. Erst Ende März – also in sieben Monaten – werden die beiden zurückkehren. Und wenn alles gut geht, haben sie dann mehr als 10 000 Kilometer auf dem Tacho.

Dass die beiden Weltenbummler diesmal erst im Herbst und in den Winter hinein ihr Abenteuer starten können, hat mit dem Wunsch ihrer Arbeitgeber zu tun. „Wir freuen uns sehr, dass uns unsere Arbeitgeber nun schon zum zweiten Mal für unseren Traum ein halbes Jahr lang freistellen. Das ist nicht selbstverständlich“, freut sich Martina Burghardt. Sie arbeitet als Betreuerin im Haus am Hain beim Sozialteam Weißwasser. Ihr Mann, der wie sie auch 56 Jahre alt ist, ist im Betonwerk Europor in Kringelsdorf beschäftigt. Burghardts Chef Armin Hoffmann dachte kurz nach, als er von dem Wunsch hörte und sagte: Im Winter geht das.

Nun also Radfahren in der Ferne über Weihnachten, Silvester und den 33. Hochzeitstag der beiden. „Natürlich haben wir uns deshalb eine Tour herausgesucht, die uns so weit wie möglich auch in den Süden Europas führt“, bestätigt Roberto Burghardt. Zunächst werden die Eheleute ihre Räder streng nach Westen lenken – bis zur französischen Atlantikküste. Von dort soll die Tour an den Küsten von Spanien und Portugal südwärts bis nach Gibraltar führen – teilweise auf dem Jakobsweg. „Wenn wir Glück haben, schaffen wir es vielleicht sogar, in die spanische Exklave Ceuta an der marokkanischen Grenze einzureisen – und damit bis nach Afrika zu kommen“, schildert Roberto Burghardt seinen insgeheimen Wunsch.

Die iberische Halbinsel mit Spanien und Portugal wollen die beiden Radler nahezu ganz umrunden, um dann mit der Fähre auf die Insel Sardinien und von dort nach Sizilien überzusetzen. Dann soll es den italienischen Stiefel hoch und langsam Richtung Deutschland gehen. Ob zum Schluss noch die Alpen überquert werden – oder vielleicht doch nicht – „das können wir heute überhaupt noch nicht sagen.“

Das ist ja auch ganz klar. Denn eigentlich wissen die Eheleute auf ihrer Reise jeden Morgen nicht mal, wo sie am Abend schlafen werden. Ob sie ihr kleines Bergzelt auf einem Campingplatz oder einfach irgendwo an einem schönen Platz neben dem Weg aufschlagen werden. Ob sie in einem Städtchen ihre Essensvorräte für die Mini-Campingküche auffüllen können oder nicht. Ob sie an diesem Tag 120 Kilometer schaffen oder nur 30.

Diese Ungewissheit würde so manchen ängstigen. Aber nicht die Burghardts: „Das macht ja gerade den Reiz aus: das pure Freisein. Und jeden Tag an seine körperlichen Grenzen gehen“, bestätigen die beiden, die von Freunden und Verwandten „Rob und Mart auf Reisen“ genannt werden.

Angst ist dem Ehepaar auch aus dem Grund fremd, weil es schon bei seinem Abenteuer 2014 keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht hat. Nicht mal im tiefsten Osteuropa auf dem Balkan. „Wir haben tolle Menschen aus aller Welt kennengelernt, die uns – wenn nötig – auch geholfen haben. Sogar in den ärmsten Regionen von Rumänien sind wir auf Menschen gestoßen, die uns beschenkt oder eingeladen haben“, erinnern sich die beiden 56-Jährigen zurück. Sie gehen offen und beherzt auf die Menschen zu, auch wenn sie die Sprache meist gar nicht verstehen.

Auf solche ergreifenden Begegnungen mit Menschen aus anderen Ländern, aber auch auf die herrlichen Landschaften, die „man auf dem Fahrrad ganz anders wahrnimmt“, freuen sich Rob und Mart nun schon unbändig. An diesem Wochenende werden sie noch ihren Abschied von lieben Freunden und Angehörigen mit einem kleinen Fest feiern, bevor es am Montag dann endlich heißt: Rauf aufs Fahrrad, Gartentürchen zu und links rum! Martina Burghardt: „Wir können es kaum noch erwarten.“