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| 15:44 Uhr

Wissenschaftler erforschen Bad Muskauer Geschichte
Ein herrschaftliches Rätsel um die Lausitzer Park-Besitzer

Im südlichen Teil des Hermannsbades sah Pückler den Garten der Trinkgalerie vor, an dessen Spitze, eingerahmt von hohen Bäumen und blühenden Sträuchern, die Exedrabank platziert war und reizende Blicke in den Garten bot.
Im südlichen Teil des Hermannsbades sah Pückler den Garten der Trinkgalerie vor, an dessen Spitze, eingerahmt von hohen Bäumen und blühenden Sträuchern, die Exedrabank platziert war und reizende Blicke in den Garten bot. FOTO: Stiftung Fürst-Pückler-Park
Bad Muskau. Forscher bringen Licht ins Dunkel des Übergangs der Muskauer Herrschaft vom Fürsten Pückler zum Prinzen der Niederlande. Von Torsten Richter-Zippack

Es sind die Jahre 1845/1846, die Christoph Haase so faszinieren. Konkret meint der Experte und Gartenhistoriker, der bis Anfang 2018 in Diensten der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau stand und jetzt als stellvertretender Parkleiter in Branitz fungiert, den Übergang der Standesherrschaft Muskau vom Fürst von Pückler auf Prinz Friedrich der Niederlande. Denn direkt ist dieser Wechsel nicht erfolgt.

Pückler hatte Muskau an die Grafen von Nostitz und von Hatzfeld verkauft. Dieses Trio, bestehend aus Edmund von Hatzfeld, Ferdinand von Nostitz und Maximilian von Hatzfeld, veräußerte dann den erst ein Jahr zuvor erworbenen Besitz an den Prinzen der Niederlande. „Pückler“, so hat Christoph Haase recherchiert, „konnte sich nicht leicht von Muskau trennen“. Der Standesherr und Parkbegründer soll bereits ab dem Jahr 1820 unter Geldnot gelitten haben. Letztlich begannen 1839 die Verhandlungen mit potenziellen Käufern. Vertreter des preußischen und niederländischen Königshauses hatten Interesse an Muskau bekundet. „König Wilhelm I., der Vater von Prinz Friedrich der Niederlande, wollte diese Standesherrschaft erwerben“, berichtet Haase. Der Kaufpreis betrug 1,7 Millionen Taler, aber der Monarch hat nie einen Kaufvertrag unterschrieben. „Warum, ist unbekannt“, erklärt Christoph Haase, der sich bereits seit anderthalb Jahren mit diesem Thema befasst. Der Experte besitzt auch einen maßgeblichen Anteil an der neuen Sonderausstellung im Muskauer Schloss, in der Leben und Wirken des Prinzen der Niederlande in Muskau beleuchtet werden.

Die Grafen von Nostitz und von Hatzfeld sicherten sich dann die Muskauer Herrschaft. Der Vertragsabschluss ist auf den 22. März 1845 datiert. Zur Hälfte ging Muskau an Edmund von Hatzfeld. Ferdinand von Nostitz und Maximilian von Hatzfeld erwarben jeweils ein Viertel. Hermann von Pückler, so hat Christoph Haase herausgefunden, erwarb im Gegenzug von der Familie von Nostitz die Burg Waldstein im Glatzer Land, ohne diese vorher in Augenschein genommen zu haben. Allerdings fühlte er sich betrogen und veräußerte das Anwesen bald wieder.

Christoph Haase hat sich intensiv mit der Historie der Muskauer Standesherrschaft befasst.
Christoph Haase hat sich intensiv mit der Historie der Muskauer Standesherrschaft befasst. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Während der Zeit der Nostitz’ und Hatzfelds auf Muskau muss es ­drunter und drüber gegangen sein. „Es gab ständiges Misstrauen, jeder wollte alleiniger Besitzer werden“, erklärt Haase. Am 2. April 1846 war dann der erneute Verkauf der Standesherrschaft an Prinz Friedrich der Niederlande in Sack und Tüten. Der Monarch zahlte 1,8 Millionen Taler. Anschließend brachen für Muskau wieder bessere Zeiten an.

Christoph Haase durfte bei seinen Recherchen das Privatarchiv der Familie von Hatzfeld  im Rheinland nutzen. „Ich glaube, dass seit dem Jahr 1846 niemand mehr in diese Akten hinein geschaut hat“, sagt der Experte. „Die Familie hat mich sehr freundlich empfangen. Allerdings wusste von ihnen keiner mehr, dass es Muskau gibt.“

Im Zuge dieser Recherchen sind dennoch viele Fragen unbeantwortet geblieben. Haase hegt die Hoffnung, dass weitere Akten oder Briefwechsel gefunden werden. Dann könnte auch die These überprüft werden, ob die drei Schwager lediglich als Strohmänner für den Prinzen Friedrich der Niederlande fungierten. Dieser wiederum, und das ist belegt, war für seine zurückhaltende und eher stille Art bekannt.