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| 18:39 Uhr

Kultur in Görlitz
Maler Adolf Gottlob Zimmermann wird ins rechte Licht gerückt

Adolf Gottlob Zimmermann: Blick auf St. Peter in Rom im Abendlicht, 1825-1839, Öl auf Holz.
Adolf Gottlob Zimmermann: Blick auf St. Peter in Rom im Abendlicht, 1825-1839, Öl auf Holz. FOTO: Dimitar Stoykow
Görlitz. Arbeiten des Künstlers aus dem 19. Jahrhundert werden ab September erstmals öffentlich gezeigt.

Fünf Ölstudien und sieben Skizzenbücher des Malers Adolf Gottlob Zimmermann hat das Kulturhistorische Museum Görlitz mit Hilfe der Ernst von Siemens- Kunststiftung und der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen im vorigen Jahr erworben, informiert Kerstin Gosewisch vom Museum. „Bücher und Studien des Malers sind nun am richtigen Ort angekommen. Im Kulturhistorischen Museum Görlitz wird sein Werk gesammelt, erforscht und kann seine größte Strahlkraft entfalten“, sagt Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von SiemensKunststiftung.

In der Kabinettausstellung im Barockhaus Neißstraße 30 werden die Arbeiten ab September erstmals öffentlich gezeigt.

Die Skizzenbücher hat Zimmermann während seines Italienaufenthaltes 1825 bis 1830 mit Bleistiftzeichnungen gefüllt. Die ersten beiden Bände enthalten Motive aus Rom und Umgebung, von Reisen nach Neapel und Capri. Das dritte Buch dokumentiert die letzte Phase des Italienaufenthalts sowie die ersten Jahre nach der Rückkehr Zimmermanns nach Sachsen.

Die Landschaftsstudien lassen seine Reiseroute nachverfolgen – über Norditalien und die Alpen in die Schweiz und von dort weiter entlang des Rheins bis nach Freiburg im Breisgau, so Gosewisch weiter.

Sein Interesse an der italienischen Malerei des Trecento, Quattrocento und Cinquecento wrde im vierten Skizzenbuch sichtbar. Das fünfte Skizzenbuch beinhalte Zeichnungen, die während seiner Zeit in Düsseldorf (1834 bis 1846) entstanden, darunter insbesondere mehrere Kompositionsentwürfe für Historiengemälde.

Das sechste Skizzenbuch sei gefüllt mit Abbildungen von Landschafts- und Architekturmotiven aus der Oberlausitz und aus Schlesien, die aus den 1840er- und frühen 1850er-Jahren stammen. Auch Ansichten von Bauernhöfen aus seinem Heimatort Neusorge sowie vom benachbarten Herrschaftssitz Lodenau sind enthalten.

Das siebente Skizzenbuch des Konvoluts hat Zimmermanns ältester Sohn Hermann genutzt. Er war vom Vater im Zeichnen unterrichtet worden, hatte später jedoch eine juristische Laufbahn eingeschlagen. Sein Skizzenbuch enthält insgesamt 27 Zeichnungen aus den 1860er-Jahren, vor allem Porträtstudien von Familienmitgliedern und Verwandten.

In der Kabinettausstellung werden auch die angekauften Ölstudien präsentiert. Drei davon zeigen Motive aus Rom und der Campagna. Eine weitere Studie mit dem Bildnis einer jungen Frau entstand wahrscheinlich ebenfalls in Italien. Zimmermann porträtierte junge Italienerinnen, um diese Studien nach seiner Rückkehr nach Deutschland für Historien- und Genregemälde zu nutzen.

Wie Zimmermann seine Historiengemälde vorbereitete, zeigt auch die fünfte Ölstudie. Sehr wahrscheinlich handelt es sich bei ihr, so Gosewisch, um das Präsentationsmodell zum großformatigen Gemälde „Die Kreuzabnahme“, das der Künstler im Jahr 1844 auf der Ausstellung des Berliner Kunstvereins zeigte. Von dort gelangte es schließlich in einen Berliner Privatbesitz und gilt seitdem als verschollen.  Zu sehen sein wird im Graphischen Kabinett auch ein Fotoalbum aus dem Jahr 1935 mit 70 Aufnahmen nach Gemälden Zimmermanns, das der Dresdener Kunsthistoriker Hans Geller angelegt hat.

In Vorbereitung einer nie publizierten wissenschaftlichen Studie zum Porträtwerk Zimmermanns hatte er Fotografien aller Porträtgemälde zusammengetragen, derer er habhaft werden konnte. Sie befanden sich zu dieser Zeit fast durchweg in Privatbesitz und müssen heute überwiegend als verschollen bzw. als verloren gelten, teilt Kerstin Gosewisch mit.

(red/br)