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Mal kurz zum Münchner Oktoberfest geradelt

Ziel erreicht: Henri Hänchen, Andreas Lysk und Wilfried Marko vor dem Rathaus München auf dem Marienplatz.
Ziel erreicht: Henri Hänchen, Andreas Lysk und Wilfried Marko vor dem Rathaus München auf dem Marienplatz. FOTO: privat
Weißkeißel. Andreas Lysk und Henri Hänchen aus Weißkeißel sind mit Wilfried Marko aus Sagar nach München zum Oktoberfest geradelt. Knapp 700 Kilometer steckten den Dreien am Ende der gemeinsamen Woche in den Knochen und viele fröhliche Erinnerungen. Gabi Nitsche

Wenn Lysk schmunzelnd meint: "So etwas machen wir noch mal", gibt es von den Mitstreitern keine Widerworte. Ihre Augen glänzen, Lachfalten überziehen die Gesichter, als sie zustimmen. "Es war einfach spitze", kommentiert Hänchen.

Auf die Idee kam der Weißkeißeler Bürgermeister Lysk, ein begeisterter Radler. "Ich wollte das mal machen. Hier kenne ich mittlerweile alle Wege kreuz und quer und brauchte einen neuen Reiz." München, das wäre doch was, dachte er sich. Aber nicht allein. Das stand für ihn von Anfang an fest.

"Henri hat spontan ja gesagt, aber gemeint, zu dritt wäre es noch besser." Der Dritte im Bunde sollte der umtriebige Sagarsche Wilfried Marko sein. Sie kennen sich schon seit einer halben Ewigkeit, wissen sich zu schätzen und zu nehmen - immer direkt und mit einer Portion Humor versehen.

Von Dienstag bis Dienstag war ausgemacht. "Die erste Etappe bis nach Neustadt in Sachsen haben wir als Einzelfahren absolviert. Das haute beruflich und zeitlich nicht anders hin", berichtet Andreas Lysk, der am Mittag zu Hause gestartet war. Wilfried Marko machte sich schon am Morgen auf den Weg, und Henri Hänchen ließ sich am Abend hinbringen. Denn: "Meine Frau und ich waren erst aus dem Kroatien-Urlaub zurückgekommen. Ich hab nur mal schnell die Sachen gewechselt."

Also rauf auf die Trekkingräder. Immer mit dabei die Popo-Creme für den Allerwertesten . . . Andreas Lysk rechnet zusammen: "690 Kilometer und 4360 Höhenmeter insgesamt. Die ersten 600 Höhenmeter hatte schon die erste Etappe nach Neustadt zu bieten." Und das mit jeweils 20 Kilogramm Marschgepäck am Rad. "Das merkt man schon im Gebirge . . ."

Von der Oberlausitz führte die Route durch die Sächsische Schweiz, auf dem Elberadweg nach Prag ging es immer leicht hoch. Von da sollte Plzen die nächste Station sein. "Wir wussten, der Termin für die Rückfahrt von München war fix. Der Postbus war gebucht. Doch wir merkten schnell, dass uns ein bisschen die Zeit fürs Sightseeing fehlte. Zum Beispiel in Melnik. Um etwas von Prag zu sehen, sind wir dann die 110 Kilometer nach Plzen mit dem Zug gefahren", so Lysk. So konnten sie in der Stadt des Bieres sogar noch eine Brauerei besichtigen plus Verkostung. "Das Bier schmeckte prima."

In Fürth im Wald radelten sie über die Grenze. In einer bayerischen Kneipe meinte einer zu ihnen: "Ihr seid's narrisch." Auf nette Menschen trafen die Lausitzer eigentlich überall und seien schnell ins Gespräch gekommen. "Mit Bimbo ist das ja einfach", so Henri Hänchen über Wilfried Marko.

Irgendwie war die Fahrt auch eine Flüsse-Tour. Marko zählt auf: "Wir sahen den Zusammenschluss von Elbe und Moldau oder wie die Chamb in den Regen, der Regen in Regensburg in die Donau fließt, sind an der Abens und dann an der Isar entlanggeradelt." Andreas Lysk schwärmt: "Und immer gab es etwas zu gucken - wunderschöne Landschaften, herrliche Städte."

In Regensburg trafen sich die drei Unentwegten mit Henri Hänchens Tochter Anne und Familie, die dort lebt. In München am Englischen Garten sammelte sie dann Matthias ein, der Sohn von Andreas Lysk und enthusiastischer Hobby-Radsportler. Gemeinsam gönnten sich die Herren einen Oktoberfest-Besuch als krönenden Abschluss. Nun wissen sie, wie es im Schottenhammel, im Hofbräu- oder Käfer-Zelt zugeht, genossen die Maß Bier und ließen sich deftige Hax'n oder Schweinebraten schmecken. Selbst aufs Achterbahnfahren verzichteten sie nicht.

Nach einer Woche In-die-Pedalen-Treten bevorzugten sie den Postbus für die Heimreise. "Und dann war der Fahrer, Mike Schöps, auch noch aus Bad Muskau. So klein ist die Welt", meint Andreas Lysk.

"Null Unfälle, null Pannen und Traumwetter, kein Wind, kein Regen. Keine großartigen Schmerzen außer anfangs ein bisschen Ziehen in den Oberschenkeln." Lysk berichtet, dass sie keine Übernachtungen gebucht hatten. "Wir sind meist gegen 18 Uhr angekommen, dann auf Quartiersuche gegangen. Für jeden ein Zimmer. Das musste sein. Manchmal war alles belegt, wie zum Beispiel in Plzen, da mussten wir ganz schön lange suchen." Frisch geduscht traf man sich im Wirtshaus wieder. Die Etappe musste schließlich ausgewertet und die neue besprochen werden. "Jeden Tag haben wir um 7.30 Uhr gefrühstückt und um 8 Uhr sind wir gestartet."

"Fakt ist, wir haben auf der Tour unsere Radwege in der Heimat schätzen gelernt. Bei den Tschechen sind wir nur auf Nebenstraßen gefahren, entlang der Isar auf Forstwegen. Da gab es keinen Asphalt", nennt der Weißkeißeler einige Beispiele. Wilfried Marko hört das von seinen Radlergästen in der Pension Winkelhof ja oft, wie diese von den Asphaltpisten in der Lausitz schwärmen.

"Ja, wir werden es noch mal machen", wiederholt sich Andreas Lysk am Ende ihrer Schilderungen. Wann und wohin, das wird sich zeigen.

Aber zwischendurch bekommen die rot-weißen Handballer aus Sagar ihre volle Unterstützung. Und zum letzten Auswärtsspiel wird wieder geradelt. Andreas Lysk hatte vor Jahren einmal die Idee, und seither wird daran festgehalten. Egal, ob in Radeberg, Pulsnitz oder Görlitz gespielt wird.

Zum Thema:
Andreas Lysk ist in Weißkeißel zu Hause, arbeitet bei der Niederschlesischen Verkehrsgesellschaft als Geschäftsführer. Er ist ehrenamtlicher Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde. Henri Hänchen, ebenfalls Weißkeißeler und als Gemeindearbeiter angestellt. Ehrenamtlich bringt er sich im Gemeinderat ein. Wilfried Marko hat das Berufsleben als Lehrer hinter sich gelassen, konzentriert sich auf die Winkelhof-Pension seiner Frau und den Neiße-Bootstourismus. Er ist Vorsitzender von Rot-Weiß Sagar und leidenschaftlicher Fan der Lausitzer Füchse.