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| 01:36 Uhr

Majestätische Greifvögel und Eulen zum Anfassen

Hans-Peter Schaaf präsentiert den Senioren den sibirischen Uhu „Olga“. Einige Senioren im Kursana Domizil nutzten die Möglichkeit, den Uhu zu streicheln. Fotos: Anja Guhlan
Hans-Peter Schaaf präsentiert den Senioren den sibirischen Uhu „Olga“. Einige Senioren im Kursana Domizil nutzten die Möglichkeit, den Uhu zu streicheln. Fotos: Anja Guhlan
Weißwasser. In einer eindrucksvollen Vorführung stellte der Falkner Hans-Peter Schaaf seine majestätischen Greifvögel im Kursana Domizil vor. Den 30 Senioren gewährte er spannende Einblicke in die Tradition der Falknerei – und eine hautnahe Begegnung. Von Anja Guhlan

Erwartungsfroh sitzen 30 Senioren des Kursana Domizils im Speisesaal des Gebäudes und warten auf den Falkner. Hans-Peter Schaaf, der schon seit 30 Jahren mit Greifvögeln arbeitet, hat für sein Publikum ein Programm vorbereitet, das viel Wissenswertes über Greifvögel-, aber auch Eulenarten vermittelt. Durch Schaafs aufgeschlossene und sympathische Art führt er die Besucher in das Reich von Adler, Eule, Falke und Co.

Als Erstes bringt Falkner Hans-Peter Schaaf den Steinadler „Shiva“ in den Raum. Die Steinadler-Dame ist am vergangenen Mittwochvormittag das größte Exemplar gewesen, das Falkner Schaaf den staunenden Zuschauern vorführte. „Steinadler sind die kräftigsten Greifvögel und werden um die 70 bis 80 Jahre alt. Die Flügel der Steinadler haben eine Spannweite von über zwei Metern“, erklärt Hans-Peter Schaaf.

Dann hat der kleinste Greifvogel, der Buntfalke seinen Auftritt. „Er ist nicht nur der kleinste, sondern mit 70 Gramm auch der leichteste Greifvogel“, erläutert der 39-jährige Falkner. Der Buntfalke zeigt auch die erste Attraktion: Den freien Flug. Hans-Peter Schaaf warnt noch die Besucher, dass der Buntfalke als Landeplatz gerne auch mal andere Personen anvisiert. Da ist es schon geschehen: Der Falke hat auf Christa Tschöpels Arm Platz genommen. Christa Tschöpel reagiert ruhig und freut sich regelrecht über den kleinen Besucher. Sie ist die Ergotherapeutin des Hauses und verantwortlich für den Beschäftigungsbereich und Veranstaltungen im Haus. Durch sie kam die Kooperation mit dem Falkner zustande: „Herr Schaaf hatte unserem Seniorenheim das Angebot unterbreitet. Und ich fand es interessant“ schildert Christa Tschöpel. Tierbegegnungen gehören schon fest zum Unterhaltungsprogramm des Seniorenheims. Bisher hatten die Senioren lediglich die Gelegenheit, in der hauseigenen Vogelvoliere Vögel zu beobachten oder bei Veranstaltungen Hunde oder Katzen hautnah zu erleben.

Besonderes Erlebnis

„Greifvögel erleben zu können, ist für die Senioren ein absoluter Höhepunkt“, resümiert Christa Tschöpel. Viele Senioren trauen sich an diesem Tag unter anderem, die Schleiereule „Frieda“ anzufassen. Noch behutsam und vorsichtig heben die Senioren die Hand, um „Frieda“ zu streicheln, und sind anschließend ganz erstaunt, dass das Gefieder der Eulen so weich ist. Ein älterer Herr in der dritten Reihe fragt: „Wie alt wird denn so eine Schleiereule?“ Hans-Peter Schaaf ist auf die Fragen gut vorbereitet und antwortet gleich: „In Gefangenschaft werden Schleiereulen bis zu 20 Jahre alt.“

Dann ziehen „Paul“ und „Otto“ die Aufmerksamkeit auf sich. Die beiden einheimischen Uhus, die in Gefangenschaft bis zu 50 Jahre alt werden können, finden Platz auf der Lehne einer weißen Gartenbank. Hans-Peter Schaaf gibt zu, dass es sich bei „Otto“ eigentlich um ein Weibchen handelt. Eine ältere Frau aus dem Publikum ruft: „Dann müsste sie also Ottoline heißen“ und lacht. Hans-Peter Schaaf stimmt ihr zu und erklärt: „Anfangs hatte ich das Geschlecht der Eule nicht richtig definieren können. Doch jetzt, wo man die Größe der Eulen miteinander vergleichen kann, weiß ich, dass es sich bei Otto um ein Weibchen handelt.“ Weibliche Eulen sind nämlich um ein Drittel größer als das männliche Geschlecht. „Frauen sind halt besser gefragt“, schallt es wieder aus dem Publikum und Gelächter erklingt.

Tierische Traditionen

Es folgt ein kurzes Intermezzo mit dem sibirischen Uhu „Olga“. Auch Uhus können in Gefangenschaft bis zu 50 Jahre alt werden. Ihr weißes Gefieder lässt „Ahs“ und „Ohs“ im Raum erklingen und viele der Senioren wollen das weiße, geheimnisvolle Tier einmal streicheln. Hans-Peter Schaaf erfüllt den Senioren den Wunsch: Behutsam tritt er an jeden einzelnen Senior heran. „Olga“ auf dem linken Arm. Die rechte Hand wird an Olgas Kopf herangeführt, damit der Greifvogel keine Angst bekommt.

Schaaf räumt bei der Vorführung auch den Irrglauben aus dem Weg, dass Eulen nur nachts gut sehen können. Dank ihrer hervorragend ausgeprägten Augen sind sie auch tagsüber zu fast unglaublichen Sehleistungen fähig: „Aber auch ihre Hörleistung ist unwahrscheinlich ausgeprägt. So kann eine Eule unter einer Schneedecke ihre Beute hören und lokalisieren. Ohne zu sehen, wo sich die Beute unter der Schneedecke befindet, kann sie es schaffen das Beutetier zu erlegen“, erklärt Schaaf.

Dann ist der pfiffige „Waldi“, ein Steinkauz, an der Reihe. Die kleine, kurzschwänzige Eule ist die bedrohteste Eulenart. In Mitteleuropa gehen die Steinkauzbestände seit einigen Jahren stark zurück. Hauptursache dieses Rückgangs ist die Zerstörung von Lebensräumen, die dem Steinkauz geeignete Umweltbedingungen bieten. Hans-Peter Schaaf setzt sich für die Nachzuchtprojekte von Steinkauzen besonders ein.

Am Ende der Vorführung hat noch die Jagdfalkin „Emma“ die Gelegenheit, sich vor den Senioren zu präsentieren. Jagdfalken sind zwar nur die zweitgrößte Falkenart, dafür aber die schnellsten Greifvögel. Im Sturzflug erreichen sie eine Höchstgeschwindigkeit von 380 Kilometern pro Stunde. Hans-Peter Schaaf erklärt, dass die Jagdfalken vor allem in arabischen Staaten einen hohen Stellenwert besitzen. Auf die Jagdfalken geht nämlich eine rund 3000 Jahre alte Tradition zurück: Bereits damals wurden die Tiere für die Jagd eingesetzt und sind Bestandteil der ältesten Jagdmethode. Hans-Peter Schaaf besitzt zu Hause um die 30 Greifvögel. „Bei einer Schau zeige ich aber meistens nur um die acht bis zehn Tiere“, erklärt Schaaf. Der Falkner, der früher im Leipziger Zoo gearbeitet hat, ist deutschlandweit mit seiner Vogelschau unterwegs. Vor allem die Seniorenheime in der Region sieht der Falkner als gute Möglichkeit, seine geliebten Tiere zu präsentieren.