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Machbuba fasziniert bis heute

Pfarrerin Miriam Arndt und Prinz Asfa-Wossen Asserate enthüllen das äthiopische Kreuz an Machbubas Grab. Sie sehen es auch als Symbol der Ökumene und der Völkerverständigung.
Pfarrerin Miriam Arndt und Prinz Asfa-Wossen Asserate enthüllen das äthiopische Kreuz an Machbubas Grab. Sie sehen es auch als Symbol der Ökumene und der Völkerverständigung. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Auf dem alten evangelischen Friedhof in Bad Muskau wird das Vaterunser gesprochen. Das Gebet erklingt am Donnerstagnachmittag in Deutsch und Polnisch – und in Amharisch. Regina Weiß

Das ist eine der Sprachen, die in Äthiopien gesprochen wird.

Äthiopien und Muskau haben eine besondere Verbindung. Seit fast 177 Jahren und seit Donnerstag stärker denn je. Äthiopien ist das Land, aus dem Machbuba stammt. Seit dem 27. Oktober 1840 hat die junge Frau, die Standesherr Pückler einst in seine Heimat mitbrachte, ihre letzte Ruhestätte in Muskau gefunden. Ihr Grab schmückt nun ein äthiopisches Kreuz. 320 Varianten gibt es davon in dem afrikanischen Land, erzählt Prinz Asfa-Wossen Asserate. Der äthiopisch-deutsche Unternehmensberater und Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie hat das Kreuz in Addis Abeba anfertigen lassen. Der Wunsch zu dieser Spende entstand am 24. November 2016, als der Prinz das Grab seiner Landsmännin in Bad Muskau besuchte. Er fühle sich der jungen Frau sehr nah, so Asfa-Wossen Asserate am Donnerstag in einer kurzen Ansprache. Beide eint sie, dass sie ihrer Heimat entrissen wurden. Umso dankbarer sei er, wie seine Landsmännin hier in Muskau aufgenommen und über all die Jahre verehrt worden sei.

Dazu gehört nicht nur die große Anteilnahme, als Machbuba beigesetzt wurde, sondern auch die Pflege ihres Grabes bis heute. "Es hat sich immer jemand darum gekümmert", erinnert sich Barbara Koschkar an ihre Kindertage und Besuche auf dem Friedhof.

Die Faszination von Machbuba ist in all den Jahren nicht geringer geworden, weiß Pfarrerin Miriam Arndt zu berichten. Deutliches Zeichen dafür seien die Besuche an ihrem Grab. Deshalb sei es für die Kirchengemeinde auch keine schwere Entscheidung gewesen, als sie mit dem Wunsch nach dem Kreuz konfrontiert wurde. Vielmehr wurde die Gelegenheit genutzt, um über die Geschichte der jungen Frau zu sprechen, über das, was zum Beispiel der Fürst auch selbst überliefert hat.

Die Geschichte der Machbuba ist nach wie vor eine, die aus Bruchstücken zusammengefügt werden muss. "Es ist keine lineare Erzählung", weiß Kerstin Volker-Saad. Die Ethnologin beschäftigt sich seit 2004 mit der Verbindung zwischen Pückler und Machbuba. Damals war sie mit der großen These von einem Liebepaar in die Forschung eingestiegen. Wobei sie schon damals ein großes Fragezeichen dahinter setzte. Nach der Sekundärliteratur erschloss sie sich immer mehr neuen Quellen, um in die gemeinsame Zeit des berühmten Reisenden Pückler und dem Sklavenmädchen einzutauchen.

Allein über die genaue Herkunft gibt es schon zweierlei Angaben. Laut Kirchenbuch in Muskau ist sie an den Quellen des Blauen Nils geboren. Nach neuesten Erkenntnissen wird sie der Volksgruppe der Oromos zugeordnet. Das eine spricht für die Herkunft aus dem Norden, das andere für die aus dem Süden des Landes. Auch ihre Namen Machbuba (übersetzt die Geliebte) und Agamé/Ajiamé (die von auswärts Kommende), unter denen sie auftaucht, machen die Suche schwierig. Denn unter diesen Bezeichnungen gibt es auch andere Slavinnen. Laut Kerstin Volker-Saad ist Pücklers Machbuba ab Syrien wirklich greifbar. Deshalb hat die Ethnologin die Angaben auf den neuen Info-Tafeln gleich neben der Grabstelle vorsichtig formuliert.

1824 wird Machbuba vermutlich als Tochter eines höheren Beamten geboren. Mit ihrer Schwester wird sie nach Gonda verschleppt, dort vermutlich von ihr getrennt. Auf dem Sklavenmarkt in Karthum wird sie von Pückler erstanden.

Asfa-Wossen Asserate ist sich ziemlich sicher, dass es sich bei der 13-Jährigen "um kein kleines armes Mädchen gehandelt hat". Wer Sklaventransporte überstanden habe, der musste unabhängig und stark sein. Zudem soll sie wissbegierig gewesen sein. Neben ihrer Muttersprache konnte sie Arabisch und auch Italienisch. In Wien gelingt Volker-Saad der Nachweis, dass Machbuba bei einer höheren Lehranstalt ausgebildet wurde. Auf diese gute Bildung hatte Pückler sehr viel Wert gelegt.

Überhaupt Wien. Die Reise Volker-Saads dorthin ist ein Glücksgriff. Die österreichische Hauptstadt entpuppt sich als wahre Fundgrube. Die Ethnologin taucht in Zeitungsbeiträge und Briefe ein. Wie eine Kriminalistin erschließt sie immer neue Hinweise. Und sie würde gern dort weitermachen. Denn viele Lücken gilt es zu füllen. Neben Wien ist Budapest interessant. Auch dort machte Pückler auf seiner Rückkehr aus dem Orient Station. Hinzu kommt der Nachlass von Fürst Metternich in Prag, dessen Inhalt mehr Licht ins Dunkel bringen könnte.

Einer Geschichte möchte Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park, bei diesem außerordentlich schönen Anlass gleich mal eine Absage erteilen: die von der Mätresse Machbuba nämlich. Eine Geschichte, die dank Wikipedia immer wiederholt werde. Doch aus dem damaligen zeitlichen Geschehen heraus betrachtet, stünden Aussagen über seine Entourage und damit auch über Machbuba in einem anderen geschichtlichen Kontext.