ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:29 Uhr

Strukturwandel
Machbarkeitsstudie für Lausitzmagistrale

FOTO: Angelika Wuntke
Bad Muskau. Landtagsabgeordnerter Thomas Baum: Ein Fachplaner widmet sich ab Juli der B 178 n zwischen Weißenberg und Roggosen. Von Regina Weiß

Beim Thema Verkehrsprojekte macht dem Bad Muskauer Thomas Baum so schnell keiner was vor. Da kommt der Ingenieur durch, der in seinem Leben vor dem SPD-Landtagsmandat an Großprojekten beteiligt war. Dazu zählt auch die A 71 – die Thüringen-Autobahn. Die Bedenken waren damals groß, Eier und Tomaten flogen, erinnert sich Baum. Nach zehn Jahren war aus einem Plan eine Autobahn mit mehreren Tunneln geworden. Baum ist sicher, keiner möchte sie mehr missen.

Das könnte die Blaupause für die Nordverlängerung der B 178 n sein, was die relativ zeitnahe Umsetzung des Projektes betrifft. Vor gut zwei Jahren hatte Baum das Projekt erstmals thematisiert. Die Idee selber ist schon über 20 Jahre alt und damals im Zittauer Raum entstanden. Es geht um die Verbindung A 4 bei Weißenberg zur A 15 bei Roggosen. Der Linienverlauf einer möglichen Trasse ist laut Thomas Baum jetzt noch einmal optimiert worden.

 Damit fällt ein mögliches Totschlag-Argument weg: eine mögliche Durchschneidung des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Das bedeutet auch, dass die neue Bundesstraße näher an Niesky heranrückt, relativ nah an Rietschen vorbeiführt, dann auf die vorhandene B 156 schwenkt. So umgeht man laut Baum mögliche Konfliktpunkte mit Tagebau und Bundeswehr. Westlich von Weißwasser müsse es dann gelingen, eine guten Korridor für Trebendorf und Schleife zu finden. „Wir brauchen die Abstimmung mit beiden Orten“, so Baum. Westlich an Döbern vorbei endet die neue Trasse dann an der Anschlussstelle Roggosen. Rund 80 Kilometer Straßenbau wären dafür notwendig. Aller 1,5 Kilometer sollten wechselseitig Überholspuren gebaut werden. Bei Tempo 100, so Baum, wäre man in einer Stunde von Zittau nach Cottbus unterwegs.

Doch das ist Zukunftsmusik. Jetzt ist Baum erst mal froh, dass das Wirtschaftsministerium kurz davor steht, eine Machbarkeitsstudie für die Lausitzmagistrale in Auftrag zu geben. Noch im Juli soll der Fachplaner dafür grünes Licht bekommen. Der Bad Muskauer Abgeordnetet rechnet damit, dass im ersten Halbjahr 2019 die Ergebnisse vorliegen. Danach wird man wissen, ob der Kosten-Nutzen-Faktor passt, was es kosten soll und wie sich die Verkehrsprognosen darstellen. Thomas Baum geht von 10 000 Fahrzeugen pro Tag aus, die ohne Ortsdurchfahrten und autobahnähnliche Auf- und Abfahrten selbst die Autobahnen entlasten könnten. Denn das wäre auch bei einem Ausbau der B  156 und der B 115 nicht zu erreichen.

Von einem möglichen Rückbau von Straßen, was mancher Umweltverband zum Thema Strukturwandel schon getönt hat, will Baum erst recht nichts wissen. Im Gegenteil, auch wenn die Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht ist, soll im September im Landtag über das Verkehrsprojekt gesprochen werden. SPD und CDU bereiten einen Koalitionsantrag vor. Dann will Baum hören, welche Argumente die Grünen und die Linken gegen das Projekt vorbringen werden, und will gegenhalten.

Dabei steht für Baum eins außer Frage. Die Lausitz braucht eine viel, viel bessere Verkehrsinfrastruktur. „Das ist der Preis, den Bund und Land zu zahlen haben, damit die Region den Kohleausstieg verkraftet. Wir brauchen es, damit es gelingen kann“, unterstreicht Baum. Dabei blickt er nicht nur auf die B 178 n. Genauso wichtig sind der Ausbau und die Elektrifizierung der Strecken Dresden-Görlitz und Cottbus-Görlitz. für die Region.

Will die Region etwas, dann muss sie zusammenstehen. Deshalb ist Thomas Baum froh darüber, dass sich nicht nur die Bürgermeister-Runde aus dem Altkreis Weißwasser, sondern auch weitere Stadtchefs aus dem Landkreis für das Vorhaben ausgesprochen haben. 2030, im besten Fall, so der Abgeordnete, könnten die Autos über die neue Strecke rollen. Denkbar ist das aber nur, wenn so etwas wie das Bundesverkehrs-Beschleunigungsgesetz greift. Dass das Thema in Berlin angekommen ist, davon geht Baum aus.

Wo das wichtige Straßen-Projekt noch nicht angekommen ist, ist der Bundesverkehrswegeplan. „Kann es ja auch noch nicht“, so Thomas Baum. Deshalb bringt es ihn richtig auf die Palme, wenn der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Stephan Kühn, danach fragt und die ablehnende Antwort aus Berlin erhält. Der Bund hätte gar nicht anders antworten können, weiß Baum. Er will, dass ein Schritt nach dem anderen gemacht wird. Und die Machbarkeitsstudie ist ein ganz wichtiger.

Auch im Süden des Landkreises Görlitz beschäftigt die B 178 die Gemüter. Der verzögerte Ausbau zwischen Oderwitz und Oberseifersdorf und der unklare Baubeginn für die Anbindung an die A 4 seien vor allem eine Schlappe für Verkehrsminister Martin Dulig (SPD), sagt die FDP. Baum hält dagegen: „Wäre der Bau damals – wie von den Liberalen versprochen – durchgedrückt worden, wäre das Projekt vor Gericht krachend gescheitert.“ Im Abschnitt zwischen Oderwitz und Oberseifersdorf sollen die Plankorrekturen bis Ende 2018 abgeschlossen sein.