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| 02:48 Uhr

Lustiges Daubitz seit mehr als 40 Jahren

Der Festumzug der Daubitzer Karnevalisten 2012 war ein riesiger Spaß für alle Beteiligten.
Der Festumzug der Daubitzer Karnevalisten 2012 war ein riesiger Spaß für alle Beteiligten. FOTO: Mader
Daubitz. Wer sorgt dafür, dass die Reichsbahn Verspätung hat? Richtig: Die Daubitzer Karnevalisten. Zum 40. Jubiläum des Karnevals im Ort blickt die RUNDSCHAU zurück auf die Geschichte, bevor es am Wochenende wieder heißt: Daubitz, wie es lacht und singt! Christian Köhler

Wer über den Karneval in Daubitz reden will, der kommt an Johannes Lehmann nicht vorbei. 2014 hat er die Präsidentschaft des Elferrates und zuvor den Vorsitz des Karnevalvereins nach über 32 Jahren ehrenamtlichen Engagement abgegeben. In mühevoller Kleinarbeit hat er nun mehrere Fotoalben der mehr als 60-jährigen Geschichte des Faschings in Daubitz angelegt. Denn der Karneval in Daubitz ist genau genommen älter als 40 Jahre.

"Für mich bedeutet Karneval und Ehrenamt zu allererst: Überzeugung und Leidenschaft. Wir haben bei uns immer alles aus eigener Kraft organisiert und bewerkstelligt", erzählt Johannes Lehmann, noch bevor er das erste Album aufschlägt. Es ist ihm wichtig zu sagen, dass die Daubitzer sich stets in Vereinen organisiert haben und so schon viele Jahre dazu beitragen, ihr Dorf noch lebenswerter zu machen. Sei es im Gesangsverein, im Dorfclub, im Turn- oder Radverein.

Johannes Lehmann erinnert sich noch genau an die Anfänge der Narrenzunft im Ort. "Nach dem Krieg hatte die Feuerwehr den Elferrat gestellt", erzählt der Alterspräsident. Festumzüge gehörten bis in die 50er-Jahre fest zum Dorfleben dazu. Eine der größten Aktien daran trug in jenen Tagen Rudolf Schwarz. Vielleicht, weil dieser eines Tages wegzog, oder aber aus irgendeinem anderen Grund hörten die Festumzüge in Daubitz auf. "Wir haben als Jugendliche in den Kneipen dann immer die alten Geschichten gehört", sagt Johannes Lehmann. "Nun wollten wir Stoff für neue und eigene liefern."

Gesagt, getan. Aus dem Dorfclub heraus sei die Idee entstanden, 1977 wieder einen Umzug und eine Karnevalsveranstaltung zu machen. "Ich habe hier noch irgendwo die Versammlungsprotokolle", sagt Lehmann mit einem herzhaften Lachen. Nichts, aber auch gar nichts hatte man damals dem Zufall überlassen wollen. Zig Vereine, Freunde und Bekannte aus dem ganzen Dorf brachten sich mit ein, bauten Umzugswagen, bastelten Kostüme, stellten Getränke und Essen zur Verfügung.

Allein die Daubitzer Oberschule machte den Narren einen Strich durch die Rechnung: Denn trotz des geplanten Umzuges und des Hofballs wollte die Schule ihre eigene Faschingsveranstaltung an jenem 12. Februar 1977 durchziehen. So kam es zu der Kuriosität, dass zwischen 11 und 14 Uhr die Oberschule ihre Faschingsveranstaltung samt Umzug veranstaltete - mit Prinzenpaar und allem, was dazu gehört - und ab 14 Uhr der Gasthof "Zur Krone" den Daubitzer Narren ein zweites Mal gehörte. "Und zu unserem Prinzenpaar wiederum wurden Cornelia Baum und der Oberschullehrer Reinhard Weiß gekürt", erinnert sich Johannes Lehmann mit einem Augenzwinkern. Beim einzigen Programmpunkt "Die lustigen Holzhacker" platzte die altehrwürdige Gaststätte bald aus alles Nähten. Bei herrlichem Winterwetter zogen zuvor knapp 400 Karnevalisten mit und ohne Fahrzeug durch das Dorf.

Aus der ursprünglich einmaligen Aktion sind nun schon 40 Jahre Karneval in Daubitz geworden. "Anfangs hatten wir keinen Arsch in der Hose, einen eigenen Verein zu gründen", erklärt Johannes Lehmann. So ist es wohl auch zu erklären, dass die Daubitzer im November 1980 begonnen hatten, mit den Rietschener Narren zusammenzuarbeiten. Mit einer denkwürdigen Einlage der "Hawaiigirls" und bei den Vorbereitungen zum 25. Jubiläumsfestumzug in Rietschen brachte man sich von Beginn an mit Herz und Seele ein. Noch heute sind die Daubitzer und Rietschener eng mit einander verbunden, unterstützen und respektieren sich. Das bestätigen sowohl der heutige RKC Präsident Matthias Mönich als auch Daniel Junge für die Daubitzer.

"In Daubitz führten wir trotzdem noch Tanzveranstaltungen durch", weiß Johannes Lehmann. Er erinnert sich noch an die Unterstützung der Daubitzer Kirchengemeinde für die Tanzabende, die regelmäßig Stühle für die Events in der "Krone" zur Verfügung stellte. "Und finden Sie mal jemanden, der am Sonntagmorgen nach dem Tanz und noch vor dem Gottesdienst die Stühle oder das Rednerpult wieder zurückbringt", sagt Lehmann mit einem Lachen.

1984 dagegen zählt zu einem der strahlendsten Jahre im Daubitzer Karnevalsleben. Denn Hans-Herbert Fechner, Lothar Höfchen und Hagen Werner stellten die "Olsenband" dar - und schafften es mit ihrer Darbietung 1985 in das DDR-Fernsehen. "Unsere Probe in Berlin und der Auftritt in Leipzig bei ,Wenn schon, denn schon' mit Wolfgang Lippert vergisst man nie", schildert Johannes Lehmann noch heute vollkommen elektrifiziert. Im Januar 1985, nach der Aufzeichnung in Leipzig, wurde die Daubitzer Delegation am Bahnhof in Rietschen empfangen - mit Blasmusik und einem Appell: "In Eurer Abwesenheit ist in Daubitz nichts passiert", habe das Empfangskommittee ihnen zugerufen. "Auf dem Bahnhof ging es so drunter und drüber, sodass die Reichsbahn wegen uns ganze acht Minuten Verspätung hatte", erzählt der Alterspräsident. Noch zahllose Auftritte der Daubitzer Olsenbande zu Feiern, Geburtstagsfeten und Hochzeiten sollen folgen.

1990 war es dann soweit: Die Daubitzer gründeten ihren eigenen Verein. Seitdem gibt es jährlich im Februar ein eigenen Prinzenpaar. "Wir sind damals von Rietschen weg und hatten im Grunde nichts. Keine Funkengarde, keine Technik und nur ein paar Kostüme", erinnert sich Lehmann. Heute haben die Daubitzer, wie Präsident Daniel Junge erklärt, wieder drei Funkengarden mit gut 45 Mitgliedern. "Wenn etwas funktioniert, dann findet man immer Leute, die mitmachen", sagt Daniel Junge. Schließlich sind die Karnevalisten auch im Country-Dorf aktiv.

Junge hat nun allerdings die Aufgabe, die vielen Generationen im Verein zusammenzubringen. Das sei nicht immer einfach, gibt er zu. "Bei uns war das früher einfacher, wir waren alle ein Alter", gibt auch Johannes Lehmann zu verstehen. Aber Daniel Junge ist bester Dinge, dass auch die 40. Veranstaltung ein riesen Kracher wird.

Weitere historische Fotos finden Sie unter www.lr-online.de/bilder

Zum Thema:
Festumzug und HofballAm Samstag können sich bereits ab 12 Uhr auf dem Marktplatz in Daubitz alle Gäste einfinden. Bei Musik kann man sich auf den Umzug vorbereiten. Um 13 Uhr sollen Elferrat und der Funkengarde aufmarschieren. Im Anschluss wird das neue Prinzenpaar würdig empfangen. Zum Hofball in den Gasthof "Zur Krone" wird am Abend um 19 Uhr eingeladen. Einlass ist ab 18.30 Uhr, teilen die Veranstalter mit. Als Live-Band treten "Die Dorfer" aus Österreich auf.