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| 13:21 Uhr

Ungewöhnliche Begleiterin
Mit einer Waschmaschine auf Wandertour

 Ludger Bücker mit seiner Waschmaschine Mikaela bei seiner Station in Bad Muskau. Dort hat er bei der Zimmervermietung Familie Piezuch übernachtet.  Foto: Regina Weiß
Ludger Bücker mit seiner Waschmaschine Mikaela bei seiner Station in Bad Muskau. Dort hat er bei der Zimmervermietung Familie Piezuch übernachtet. Foto: Regina Weiß FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau . Ludger Bücker aus Nordrhein-Westfalen wandert mit seiner Waschmaschine Mikaela durch Ostdeutschland. Er ist nicht das erste Mal so unterwegs. Für seine Touren gab es einen Anstoß.

Die Kühl-Gefrier-Kombi war zu groß. Der Elektroherd sah irgendwie nicht so toll aus. Doch dann lachte sich Ludger Bücker eine Waschmaschine an. Im wahrsten Sinn des Wortes.

Erinnert die Front des Miele-Haushaltsgerätes doch an einen Smiley. Eigentlich war das gute Stück schon ausgemustert. Doch nun kommt es zu neuen Ehren.

Mikaela – nach dem Lied von Bata Illic – wurde vom Schrottplatz gerettet und wandert seitdem durch Deutschland. Auf einer getunten Sackkarre wird sie geschoben.

App führt Waschmaschinen-Wanderer auf falsche Fährte

„Ich kann jedem nur empfehlen Waschmaschinen-Wandern zu gehen“, sagt Ludger Bücker mit einem Lächeln im Gesicht. Er kennt sich aus. Seiner ersten Tour 2012 folgten weitere.

Derzeit ist er das vierte Mal unterwegs. Diesmal im Osten Deutschlands. In Dresden gestartet, hat ihn eine Station nach Bad Muskau geführt. Der Abschnitt in die Parkstadt hat es in sich, nicht nur wegen des Regens, der strömt. Die Wander-App lotst den 53-Jährigen aus Herzfeld (Lippetal) von Uhyst kommend auf Leag-Flächen bei Boxberg. Gelände, was kein Unbefugter, auch kein Wanderer betreten darf.

Von Sicherheitsleuten wird Ludger Bücker auf diesen Fehler hingewiesen. Also retour. Das bedeutet acht Kilometer mehr. Für einen einfachen Wandersmann sicherlich kein Problem, aber nicht, wenn man mit Mikaela unterwegs ist. Die Dame bringt es auf runde 90 Kilo. „Ich weiß nicht, ob die gedacht haben, dass ich eine Bombe dabei habe“, muss Bücker selbst lachen.

Waschmaschinen-Wanderung ist nicht sinnlos, aber sinnfrei

Seine Füße merken die acht Kilometer mehr schon. Sie müssen für den nächsten Tag besonders gut eingepackt werden. Dieser führt den Nordrhein-Westfalen nach Forst. Dort macht er Station beim Sportverein 1861. Diesen verband nach der Wende eine Partnerschaft mit einem Sportverein aus Bückers Heimat.

Weitere Stationen sind Guben, Eisenhüttenstadt, Berlin, Postdam und dann wieder rüber in die Heimat. Am 8. Mai ist er in Dresden gestartet, am 9. Juni will er wieder zurück sein. Dafür hat er sich Überstunden aufgespart. Dann möchte er wieder vielen unverwechselbaren Begegnungen im Gepäck haben.

Denn die Wanderung mit Mikaela ist nicht sinnlos, aber sinnfrei, findet der Wandersmann. Es mache einfach Spaß. Man sei jeden Tag an der frischen Luft, bewege sich, meditiere, erlebe auch seine Grenzen, lerne Land und Leute aus einer besonderen Perspektive kennen.

Dass Deutschland mehr ist als nur große Städte, war für den gelernten Krankenpfleger vor seiner ersten Tour der Anstoß gewesen. Und da schwirrte noch etwas in seinem Hinterkopf: Das Buch von Tony Hawks. Er war mit einem Campingkühlschrank um Irland gewandert.

Tagebuch von Waschmaschinen-Wanderung Grundlage für Buch

Mikaela ist seitdem der Eisbrecher. Der Einstieg ins Gespräch dreht sich immer um die Miele-Maschine. „Ich erlebe die lustigsten Geschichten, aber auch tieftraurige Sachen. Ich bin ein Ohrverleiher“, erfährt die RUNDSCHAU. Ein Spiegel der Gesellschaft, nachdenkswert.

In Bayern hat Bücker 38 Leute gezählt, die ihn nicht gegrüßt haben. Auch in Ostsachsen tue man sich damit schwer, hat er festgestellt. Senioren nach dem Weg zu fragen, sei schwierig. „Unter einer Stunde komme ich da nicht weg.“

Über das Woher und Wohin ergeben sich schnell persönliche Geschichten. Einen Teil davon hat er in seinem Buch „Mit der Waschmaschine durch Deutschland“ verarbeitet. Sein Wandertagebuch war Grundlage dafür.

Gern würde er dem ein neues Kapitel hinzufügen. „Ich möchte so gern einem Wolf begegnen“, formuliert er einen Wunsch. Er weiß, hier sind die Chancen besonders groß.