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| 18:05 Uhr

Unesco Weltkulturerbe
Lucie übernimmt den Regierungslöffel

Katrin Moschner wird sich zur Blauen Stunde wieder in Pücklers Gattin Lucie von Hardenberg verwandeln.
Katrin Moschner wird sich zur Blauen Stunde wieder in Pücklers Gattin Lucie von Hardenberg verwandeln. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Bad Muskau. Ab 4. Mai wird wieder zur Blauen Stunde in den Muskauer Park eingeladen. Wieder befassen sich zehn Hobbyschauspieler mit Parkschöpfer Hermann von Pückler (1785 – 1871), seinem Gefolge und der Bevölkerung vor Ort. Von Torsten Richter-Zippack

An diesem Freitag, 4. Mai, erfährt die Blaue Stunde im Muskauer Park ihre Fortsetzung. Bereits seit einem Jahrzehnt befassen sich um die jeweils zehn Hobbyschauspieler mit Parkschöpfer Hermann von Pückler (1785 – 1871), seinem Gefolge und der Bevölkerung vor Ort. Diesmal wollen die Protagonisten ihre Gäste mit auf eine Reise ins Jahr 1826 nehmen, kündigt Organisatorin Katrin Moschner an. Der Hausherr weilte zu jener Zeit in England, um nach einer solventen neuen Gattin Ausschau zu halten. Daheim in Muskau durfte seine bisherige Ehefrau Lucie von Hardenberg (1776 – 1854) den „Regierungslöffel übernehmen“, wie es Katrin Moschner aus zeitgenössischen Quellen für ihr 2018er-Manuskript erfahren hat.

„Ich möchte natürlich nicht zu viel verraten“, sagt die Cottbuserin, die bereits seit zehn Jahren als Führerin im Muskauer Park auf Achse ist. „Nur so viel: Lucie wird den ersten Brief ihres Gatten aus England verlesen. Darin berichtet er über seine Reise. So können die Gäste mit verfolgen, was es damals überhaupt bedeutete, im 19. Jahrhundert für längere Zeit auf Reisen zu gehen.“ Bereits während der Blauen Stunde anno 2017 hatte Pücklers Kutscher erzählt, was er alles für seinen Herren einpacken musste, damit dieser möglichst bequem von Muskau über Weimar zum Hafen nach Rotterdam fahren konnte. Von dort ging es dann via Dampfschiff auf die britische Insel.

Pücklers Frau Lucie, in diese Rolle schlüpft erneut Katrin Moschner, kümmert sich während der Abwesenheit ihres Ex-Gatten um die weiteren Parkarbeiten, beaufsichtigt die Diener und führt letztendlich die Geschäfte am Muskauer Hof weiter. Die Lage sei schlecht, die Kassen leer. Darüber hinaus werden in die Blaue Stunde diverse Geschichten aus Bad Muskau eingeflochten. Beispielsweise darf die Frau des örtlichen Apothekers erzählen, welche Medizin Pückler in seinem Gepäck hat. Monika Richter, die älteste des zehnköpfigen Schauspieler-Teams, übernimmt diese Rolle. Darüber hinaus kommen eine englische Lady sowie der Verleger Karl August Varnhagen von Ense, mit dem Pückler viele Briefe ausgetauscht hatte, zu Wort. Laienschauspielerin Kerstin Borchert verkörpert eine schwedische Heilgymnastikerin, die im Muskauer Badepark weilt. Was sie dort macht, sei noch geheim.

Begleitet werden die Vorführungen der Blauen Stunde von der Musikschule Weißwasser. Was die Musiker darbieten, befinde sich ebenfalls noch unter Verschluss. „Einfach überraschen lassen“, rät Katrin Moschner.

Während der Wintermonate hat die Freiberuflerin das 2018er-Manus­kript verfasst und an die Schauspieler verteilt. Die Generalprobe Mitte April habe schon mal bestens geklappt. Sechs Mal werde in dieser Saison die Blaue Stunde stattfinden. „Ich empfehle, rechtzeitig bei den Muskauer Touristikern Karten zu reservieren“, rät Katrin Moschner. Denn mehr als 50 Gäste pro Führung seien nicht möglich. Ansonsten leide die Stimmung im abendlichen Park. Das Wetter spiele ebenfalls eine maßgebliche Rolle. „Wir hatten schon alles“, sagt Moschner. „Das Repertoire reicht von Nebel über Vollmond bis zum doppelten Regenbogen.“ Sollte es zu stark regnen, könne die Blaue Stunde auch ins Innere des Neuen Schlosses verlegt werden.

Infos und Tickets gibt es bei der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau unter 035771 630 oder unter www.muskauer-park.de.