ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:52 Uhr

Löbaus Kampf gegen die Vorurteile

Am Beispiel des Gewandhauses hat die Initiative "Löbaulebt" bereits gezeigt, dass sie Akzente zu setzen vermag. Mittlerweile wurde es von einem Investor erworben.
Am Beispiel des Gewandhauses hat die Initiative "Löbaulebt" bereits gezeigt, dass sie Akzente zu setzen vermag. Mittlerweile wurde es von einem Investor erworben. FOTO: Uwe Menschner/ume1
Löbau. Wenn in überregionalen Medien von der Tristesse ostdeutscher Kleinstädte die Rede ist, dann wird als Beispiel gern Löbau ins Feld geführt. Erst unlängst wieder beschrieb der "Spiegel" Löbau als eine "Stadt im Niedergang." Eine Gruppe junger Einwohner will sich nicht mit diesem Etikett abfinden und versucht, Gegenakzente zu setzen. Uwe Menschner / ume1

"In Löbau ist nichts los, also gehen die Jugendlichen nach der Schule saufen und pöbeln Leute voll. Die Stadtverwaltung interessiert sich nicht für die Bedürfnisse und Ideen junger Menschen und verpasst es, sie aktiv in die Zukunftsplanung einzubinden." Dass es sich bei diesen provokativen Aussagen um Vorurteile handelt, ist den Machern der Initiative "Löbaulebt" bewusst. Doch eben weil sie um die weite Verbreitung dieser Klischees über ihre Stadt wissen, benutzen sie sie, um im nächsten Atemzug dagegen aufzubegehren.

Und so will "Löbaulebt" am 3. und 4. März versuchen, das Gegenteil zu beweisen: "Wir suchen bis zu 20 Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren, die sich aktiv an der Stadtentwicklung beteiligen und mit uns gemeinsam ein Konzept erarbeiten wollen, wie man Löbau auf die Sprünge helfen kann", heißt es in einem Aufruf der Initiative. Dabei soll nicht nur abstrakt diskutiert, sondern anhand eines ganz konkreten Projektes unter dem Motto "Jugend belebt Leerstand" ausgelotet werden, was die Jugendlichen zu leisten imstande sind.

Die ursprüngliche Idee bestand darin, ganz allgemein die Schwächen und Stärken der Stadt Löbau im Bereich Jugendarbeit zu analysieren und daraus Wünsche für Veränderungen abzuleiten. "Allerdings liegen schon genug Studien über die Situation in Löbau in den Schubladen", wie Mitinitiator René Seidel anmerkt. "Ein rein theoretisches Gedankenspiel ohne praktischen Nutzen bietet kaum Anreiz zur Teilnahme." Deshalb änderte "Löbaulebt" das Konzept hin zu einem Planspiel für ein ganz konkretes, leer stehendes Gebäude. Auf welches letztlich die Wahl fällt, ist noch nicht entschieden. Sowohl in der Innenstadt als auch in den umliegenden Wohngebieten stehen viele Gebäude leer. "Besonders markante oder wichtige Gebäude gilt es zu erhalten, bevor es zu spät ist", meint René Seidel. Wie beispielsweise das Löbauer Gewandhaus, mit dem sich die Initiative "Löbaulebt" im Frühjahr in einer viel beachteten Aktion beschäftigte. Dabei öffnete sie das 1825 errichtete markante Gebäude am Eingang zur Löbauer Innenstadt für zwei Tage und zeigte eine Ausstellung zu seiner Geschichte. Mittlerweile hat ein polnischer Investor das Gewandhaus erworben, der es zu einem Hotel ausbauen will.

Dass die nunmehr geplante neue Aktion nicht im Palaver endet, dafür haben die Initiatoren bereits vorgesorgt: So soll am Ende eine Präsentation der Ergebnisse vor dem Stadtrat stehen. "Ziel ist es letztlich, dass Jugendliche und Stadt gemeinsam ein Gebäude reaktivieren und anschließend rege nutzen", so René Seidel.