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Lob für die Willkommenskultur in Schleife

Das neue Gastwirtspaar von der "Schlangenkrone" in Schleife: Kamber und Linda Kamberi. Sie freuen sich über den großen Zuspruch bisher.
Das neue Gastwirtspaar von der "Schlangenkrone" in Schleife: Kamber und Linda Kamberi. Sie freuen sich über den großen Zuspruch bisher. FOTO: Gabi Nitsche
Schleife. Wer Kamber Kamberi fragt, wie es ihm geht, der erntet ein Lächeln. Der 58-Jährige hat Ende März die "Schlangenkrone" in Schleife als Gastwirt übernommen und fühlt sich sehr willkommen geheißen. Gabi Nitsche

"Das hat mich so positiv überrascht", freut sich der gebürtige Mazedonier. Das Konzept, italienische und deutsche Küche anzubieten, werde gut angenommen. "Und wenn die Gäste uns loben und sagen, sie kommen gern wieder, dann gibt es kein schöneres Lob."

Der schlanke Mann mit der kecken Kochmütze auf dem Kopf scheint einer von der ruhigeren Sorte zu sein, so wie er von seiner Familie und seinem beruflichen Weg erzählt. Sein Frau Linda (49) rührt derweil in den Kochtöpfen. Bis die Gaststätte an diesem Tag öffnet, sind nur noch zwei Stunden Zeit. "Zu tun ist reichlich", sagt ihr Mann. Auch für die Service-Mitarbeiter. Ameti und Rino bedienen heute Abend. "Ela Lindner hat heute frei." Die Gablenzerin gehöre jetzt fest zum Team, berichtet der Chef, der über jahrelange Erfahrungen in der Gastronomie verfügt und während dieser Zeit als Küchenchef in einigen Berliner Restaurants angestellt war. Zum Beispiel im "Istoria" am legendären Käthe-Kollwitz-Platz.

Dass sich eines Tages bei ihm alles um das Wohl von hungrigen Gästen drehen würde, habe er als junger Mann nie für möglich gehalten. "Mein Traumberuf war Grundschullehrer, und ich habe in meiner Heimat auch in den 1980er-Jahren Kinder unterrichtet." Dank eines Austauschprogramms für junge Lehrer kam er Ende der Achtziger zweimal sechs Wochen lang nach Berlin-Friedrichshain. Deutsch-Intensiv - "das hat mir viel gebracht", erinnert sich Kamber Kamberi gern an die damalige Zeit.

Die politischen Verhältnisse in seinem Heimatland seien damals der Auslöser gewesen, nach Deutschland zu gehen. Doch um als Lehrer zu arbeiten, hätte er alle Prüfungen noch einmal absolvieren müssen. "Darauf hatte ich keine Lust", gesteht er ein und fügt hinzu: "Und fürs Baugewerbe bin ich nicht geeignet, habe zwei linke Hände in solchen Sachen." Da er als Student schon mal in den Ferien an der Adria gekellnert hatte, machte er das und zwar in Westberlin, wechselte aber bald in die Küche.

Die Liebe seines Lebens und Mutter seiner beiden Kinder hatte er in Mazedonien gefunden. Für ihn, Linda, Sohn Agon und Tochter Arlinda wurde Deutschland zur neuen Heimat. "Unser Sohn studiert an der TU in Berlin Maschinenbau und wird jetzt fertig. Er ist verheiratet, lebt in Berlin, und am Wochenende kommt er ab und zu und hilft uns in der Gaststätte." Vater Kamber ist stolz auf ihn und die Tochter, die in Berlin als Bürokauffrau arbeite, ebenfalls verheiratet sei. "Dank ihr sind wir stolze Großeltern. Unsere Enkelin ist ein Jahr, unser Enkel drei."

Juniors in Berlin, beruflicher Erfolg an der Spree. Und dennoch zog es Kamber und Linda Kamberi raus aus der hektischen Großstadt, hinaus aufs beschauliche Land. "Wir hatten schon längere Zeit den Gedanken, das zu machen. Freunde und Bekannte von uns, die auch diesen Weg gegangen sind, machten uns Mut." Kamberi nennt das Umland von Dresden oder Cottbus, Städte wie Hoyerswerda oder Senftenberg. "Schleife war dann mehr oder weniger ein Zufall. Ich hatte das im Internet gesehen, dass hier ein neuer Gastwirt gesucht wird." Kamber Kamberi kannte die Gegend absolut nicht. "Ich habe recherchiert und herausgefunden, dass hier nirgendwo jemand italienische Küche anbietet." Er machte sich am ersten Weihnachtsfeiertag auf den Weg nach Schleife. Inkognito. "Es war gegen 14 Uhr, die Gaststätte war gut besucht. Nach einem Kaffee und einer Apfelschorle bin ich wieder gegangen." Von seinem guten Eindruck erzählte er seiner Frau, "und dann hab ich mich beworben".

Mit seiner Frau konnte er wenig später alles besichtigen. "Sie war sehr begeistert. Natürlich auch von dem Entgegenkommen der Gemeinde, denn wir konnten die ,Schlangenkrone' komplett ausgestattet pachten." Das habe den Start etwas erleichtert. "Bis jetzt läuft es sehr gut. Toi, toi, toi", sagt der Mazedonier in fließendem Deutsch und klopft auf die hölzerne Tischplatte. Das soll Glück bringen. "Es gab anfangs auch Skeptiker, und ich bin froh, sie überzeugt zu haben, dass wir professionell arbeiten und eine gastronomische Bereicherung sind mit unserem Konzept."

Seit der Eröffnung gab es schon einige besondere Herausforderungen, berichtet der Wirt schmunzelnd. "Am ersten Wochenende war der Ostermarkt mit über 2000 Besuchern. Viele sind bei uns eingekehrt. Wir waren sehr zufrieden." Doch rekordverdächtig sei dann der Muttertag gewesen. "Mittags einhundert Gäste, am Abend noch einmal einhundert und dann noch 50 ohne Reservierung. Aber wir waren gut vorbereitet."

Wenn der Chef des Hauses am liebsten Pasta al dente isst, also Nudeln bissfest in verschiedensten Variationen zubereitet, finden sich solche Gerichte natürlich auf der Speisekarte. Aber nicht nur. "Wir arbeiten mit extra Saisonkarten, bieten jetzt Spargel mit an, in der Pilzzeit dann Pfifferlinge." Bei den Tagesangeboten zeigen die Mazedonier, dass sie genauso gut Kohlroulade, Gulasch oder Chili con Carne kochen können. Es werde alles frisch zubereitet, die Waren beziehen sie von Zulieferern in der Lausitz und auch Berlin.

Für Familienfeiern kann Kamber Kamberi den Saal im Sorbischen Kulturzentrum von der Gemeinde mieten. "Und wenn Veranstaltungen sind, und das Kulturzentrum es wünscht, bieten wir Getränke an." Anfangs sei er oft kritisch gefragt worden, ob er denn wirklich die "Schlangenkrone" in "La corona" umbenennen wolle. "Nein, das wollen wir nicht. Wir wissen von der sorbischen Sage, von der der Namen Schlangenkrone herrührt." Nur ein kleines Zusatzschild am Eingang mit "La corona" als Hinweis auf die italienische Küche gibt es.

Die "Schlangenkrone" mit Biergarten hat dienstags bis samstags von 11 bis 14 und 17 bis 23 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen durchgehend ab 11 Uhr. Übrigens an einem der nächsten Schließtage will sich Kamber Kamberi nach und nach in den Nachbar-Gaststätten den Kollegen vorstellen und mit seiner Frau die Gegend kennenlernen - "Halbendorfer See, Wakeboard-Anlage, Tagebau, Nachbarorte", beginnt der 58-Jährige aufzuzählen. Da reichen ein, zwei Tage wohl nicht. "Wir möchten ja auch bis zur Rente bleiben."